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Für eine friedliche politische Lösung in Kurdistan!

Nicht Öcalan, sondern der türkische Staat gehört auf die Anklagebank!

Wir teilen die Empörung der Kurdinnen und Kurden in Deutschland über die kriminelle Geheimdienst- und Kidnapping-Aktion, mit der Abdullah Öcalan in die Türkei verschleppt wurde. Deutschland und die anderen EU-Staaten sind mitverantwortlich für die Festnahme des Generalsekretärs der PKK und die ihm drohende Verurteilung durch den türkischen Staat. Sie tragen Mitverantwortung dafür, daß die Chance für die Beendigung des militärischen Konfliktes im türkischen Kurdistan nicht ergriffen wurde, daß der Krieg weitergeht und hunderte und tausende Opfer auf beiden Seiten fordern wird, daß die Massaker an der kurdische Bevölkerung weitergehen und zum Regime in Opposition stehende Abgeordnete, Journalisten, Rechtsanwälte, Gewerkschafter weiter eingekerkert bleiben.

Die Gewährung von politischem Asyl für Abdullah Öcalan nach seiner Ankunft in Rom hätte dazu beigetragen, eine friedliche Lösung des Kurdistan-Konflikts herbeizuführen. Öcalan kam nach Europa mit einer Friedensbotschaft und einem Vorschlag für eine politische und friedliche Lösung des jahrzehntelangen Kurdenproblems. Zum Vorschlag der Einrichtung eines internationalen Tribunals hätten die PKK und Öcalan sofort ihr Einverständnis gegeben. Stattdessen hat sich die EU zum Komplizen der türkischen Machthaber gemacht. Die jetzige Forderung der EU-Außenminister nach einem "fairen Prozeß" ist absurd und pure Heuchelei. Wie soll ein demokratischer und die Rechte des Beschuldigten respektierender Prozeß stattfinden, wo in der Türkei rechtmäßig gewählte Parlamentsabgeordnete zu 15 Jahren Kerker verurteilt werden, nur weil sie sich im türkischen Parlament in ihrer Sprache ausgedrückt haben?

Der türkische Staat hat weder das Recht noch die Legitimation, über das kurdische Volk und dessen Repräsentanten zu richten. Nicht Öcalan und die PKK, sondern das Terror-Regime der Türkei gehört auf die internationale Anklagebank.

Die türkische Armee führt seit Jahrzehnten einen verbrecherischen Krieg gegen das kurdische Volk. Tausende kurdischer Dörfer wurden zerstört, die Bevölkerung vertrieben. Mehr als 10.000 Oppositionelle aus Kurdistan und der Türkei – Politiker, Gewerkschafter, Vertreter von Menschenrechtsvereinen, Schriftsteller und Journalisten – sind eingekerkert und werden gefoltert. Hunderte von ihnen wurden von den staatlichen Todesschwadronen ermordet.

Zur Zeit führen Truppen des NATO-Mitgliedslandes Türkei erneut völkerrechtswidrige Militäroperationen im Nordirak durch und bombardieren kurdische Dörfer – ohne daß die europäischen Staaten auch nur ein Wort der Kritik äußern. Die türkische Polizei schießt in friedliche Demonstrationen, hunderte von Mitgliedern der kurdischen HADEP-Partei und linker türkischer Organisationen wurden in den vergangenen Tagen festgenommen und werden gefoltert. Zum wiederholten Male droht ein Verbot kurdischer und linker Parteien.

Deutschland liefert seit Jahren die Waffen, die von der türkischen Armee in Kurdistan eingesetzt werden. Tod und Zerstörung kommen aus den Kanonenrohren von Panzern und Maschinengewehren "made in Germany". Die Waffenlieferungen und das PKK-Verbot in Deutschland sind geradezu eine Ermunterung für den türkischen Staat zur Fortsetzung seiner Verbrechen gegen das kurdische Volk.

Jetzt wird von der Bundesregierung und von der CDU/CSU eine erneute Hetzkampagne gegen die in Deutschland lebenden Kurdinnen und Kurden entfacht. Der SPD-Innenminister Otto Schily fordert, nach dem Vorbild Deutschlands, auch von den anderen europäischen Staaten das Verbot der PKK. Legitime kurdische Protestaktionen werden kriminalisiert. Spontane Wut- und Verzweiflungsakte gegen die Verhaftung Öcalans – die von der PKK-Führung nicht gebilligt werden – dienen als Vorwand für die Verschärfung der Ausländergesetze.

Die deutsche Abschiebepraxis in den Folterstaat Türkei ist ein eklatanter Verstoß gegen die völkerrechtlich verbindlichen Normen der Genfer Flüchtlingskonvention. Die beabsichtigten schnellen Abschiebungen sog. verdächtiger "Straftäter" ohne gerichtliche Verurteilung brechen mit weltweit anerkannten und unverzichtbaren rechtsstaatlichen Prinzipien.

Die Komplizenschaft Deutschlands mit der türkischen Militär-Diktatur muß endlich beendet werden. Von der neuen Bundesregierung erwarten wir eine andere Politik und nicht die Fortsetzung von sechzehn Jahren Kohlregierung und der Innenpolitik Kanthers.

Wir fordern:

  • die sofortige Beendigung der deutschen Unterstützung für das türkische Regime; insbesondere die Einstellung der Waffenlieferungen,
  • die Aufhebung des PKK-Verbots,
  • keine Abschiebungen in den Folterstaat Türkei.

Deutschland muß Druck auf die Türkei ausüben, damit der Krieg gegen das kurdische Volk und die seit Jahrzehnten andauernden Menschenrechtsverletzungen beendet und demokratische Rechte in der Türkei hergestellt werden.

Wir fordern Initiativen für die Freilassung Abdullah Öcalans.

Wir fordern Unterstützung für die gerechte Sache des kurdischen Volkes und Initiativen für eine internationale Konferenz zur Lösung des Kurdistan-Konflikts unter Einbeziehung der PKK und der anderen kurdischen Parteien und Organisationen.


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



Löwe von DKP Hessen


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