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Doch Lohnleitlinien und Lohnpoker

Was zwischen DGB-Schulte und Unternehmer-Hundt geheim verhandelt wurde

Im Schatten der medienwirksam bejubelten dritten Sitzung des "Bündnisses für Arbeit" ist ein Skandal ersten Ranges verborgen: Geheim war zuvor eine Vereinbarung ausgehandelt worden.

Einen Tag nach den Bündnisgesprächen plauderte die "Rheinische Post" u. a. aus, daß die Lohnfrage ins Zentrum der Betrachtung gerückt sei. Und:

"Das vom DGB (Schulte) und dem Arbeitgeberverband (Hundt) nach sorgsamer Geheimhaltung präsentierte Elf-PunktePapier kann in dieser Hinsicht ohne Übertreibung als Durchbruch bezeichnet werden."

Mit offensichtlicher Zustimmung von Klaus Zwickel (IG Metall), Hubertus Schmoldt (IG BCE) und Herbert Mai (ÖTV) hat Dieter Schulte (DGB) im Alleingang mit Arbeitergeberpräsident Dieter Hundt in Geheimverhandlungen ein Papier erarbeitet, das tatsächlich einen "Durchbruch" anstrebt: Und zwar einen, mit dem ein Bruch in den Gewerkschaften und ihre weitere Schwächung erreicht werden können.

Nach den Äußerungen von Detlef Hensche (IG Medien), der die Bündnisgespräche als ein Reinfall scharf kritisiert, ist davon auszugehen, daß selbst der DGB-Bundesvorstand von diesem Papier keine Kenntnis hatte.

In dem Papier heißt es u. a. unter Punkt 9: "Um Arbeitslosigkeit nachhaltig abzubauen, ist auch eine mittel- und langfristig verläßliche Tarifpolitik erforderlich. Produktivitätssteigerungen sollen vorrangig der Beschäftigungsförderung dienen."

Begeistert erklärte das "Handelsblatt" daraufhin, daß nun die Produktivitätssteigerungen nicht mehr für Lohnerhöhungen zur Verfügung stehen.

Unter aktiven Gewerkschaftern galt bisher, daß für die Höhe von Lohnforderungen die Kriterien Produktivitätssteigerung, Inflationsrate und Umverteilungskomponente herangezogen werden. Der Umverteilungsfaktor ist seit Jahren in den Lohnverhandlungen nicht mehr berücksichtigt worden; fällt jetzt auch noch die Produktivitätssteigerung heraus, dann bewegen sich künftige Tarifforderungen auf der Ebene der Inflationsrate. So sollen also die Lohnerhöhungen der Beschäftigten "gleichberechtigt" mit den Rentenerhöhungen einhergehen.

Außerdem sind damit Lohnleitlinien, trotz aller gegenteiligen Beteuerungen, schon vorgezeichnet. Und mit ihnen sollen künftig die Löhne, Gehälter und Renten stagnieren.

Bekanntlich gibt es nach wie vor keine Mitbestimmung bei der Verwendung der Gewinne, ganz zu schweigen von Mitbestimmung bei der Produktion, den Investitionen usw. Und schließlich würde dann auch die Frage nach den Eigentumsverhältnissen neu auf die Tagesordnung gestellt werden müssen. Aber natürlich ist an all dies bei dem famosen "Bündnis für Arbeit" nicht gedacht!

Anscheinend glauben die in diesem "Bündnis" versammelten Gewerkschaftsführer immer noch an die Aussage des damaligen SPD-Bundeskanzlers Helmut Schmidt, der in den 70er Jahren davon sprach, daß die Gewinne von heute die Investitionen von morgen und die Arbeitsplätze von übermorgen seien. Heute sind wir seit vielen Jahren schon im Übermorgen angekommen: Die Wirklichkeit von sieben Millionen Arbeitslosen bei ständig steigenden Gewinnen haben die Demagogie von vorgestern längst widerlegt!

Im Punkt 11 des geheim ausgehandelten Papier heißt es weiter: "Um betriebliche und praxisnahe Regelungen von Flächentarifverträgen zu stärken, sollen tarifliche Wahl- und Ergänzungsmöglichkeiten, tarifvertragliche Korridore und Öffnungsklauseln erweitert werden."

Damit nimmt man den Betriebsräten den Schutz durch die Tarifverträge und trennt sie faktisch von der Kraft der Gewerkschaften. Insgesamt - würde dies alles Wirklichkeit - wäre damit der Durchbruch für die Kapitalseite geschafft: Die Tarifpolitik wäre auf dem Pokertisch des Bündnisses gelandet.

Ein Austritt aus einem solchen Bündnis und der gewerkschaftliche Protest gegen weitere Geheimverhandlungen sind also dringlicher denn je.

Wolfgang Teuber


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



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