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Zum Rücktritt von Oskar Lafontaine

Erklärung des Sekretariats des DKP Parteivorstandes

Der Rücktritt von Oskar Lafontaine von seinen Ämtern als Vorsitzender der SPD und als Finanzminister findet bei aller Problematik unseren Respekt. Lafontaine stand mehr als andere für die Einlösung von Wahlversprechen der SPD sowie für den Koalitionsvertrag zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Er forderte eine Politik, die auf die Erhöhung der Massenkaufkraft setzte, eine Angleichung der Lebensverhältnisse in Ost und West sowie einen Ausstieg aus der Kernenergie anstrebte. Er setzte sich öffentlich mit der Macht und Rolle der Bundesbank und der Europäischen Zentralbank auseinander. Er warb für ein normaleres Verhältnis zur PDS. Mit dieser Politik, die ja nur wenige soziale Grausamkeiten der 16jährigen Kohl - Herrschaft rückgängig machen wollte, drückte er Hoffnungen vieler arbeitender und arbeitsloser Menschen in unserem Land aus.

Aber selbst mit dieser Politik geriet er in Konfrontation zu den Unternehmerverbänden, besonders jenen aus der Energiewirtschaft und den Versicherungen, deren gigantischen Gewinne und Rücklagen etwas mehr besteuert werden sollten, um entsprechend der grundgesetzlich verankerten Sozialpflichtigkeit des Eigentums etwas mehr soziale Gerechtigkeit finanzieren zu können. Die Unternehmerverbände fordern gegen den Willen von Millionen Bürgerinnen und Bürgern kategorisch ein "Weiter so" der Kohl - Politik und die Rücknahme von Wahlversprechen der SPD. Die CDU/CSU mobilisiert gegen die doppelte Staatsbürgerschaft außerparlamentarischen Druck von rechts, der die Neonazis integriert. Das gesellschaftliche Klima wendet sich mehr und mehr gegen jede positive Veränderung unsozialer Verhältnisse. Das Kapital wird lebhaft. Die Börsianer jubeln.

Lafontaine ist mit seinen politischen Vorhaben am "Aufstand der Unternehmer" und dem rechten Flügel seiner eigenen Partei gescheitert. Der Rücktritt Lafontaines macht schlagartig die realen Machtverhältnisse in diesem Land deutlich. Mehr denn je gilt deswegen: Wer den Reichen nichts nimmt, kann den Armen nichts geben!

Die jetzt entstandene Situation und auch die Gefahren, die in der Resignation und Enttäuschung vieler Wählerinnen und Wähler liegen, zeigen nachdrücklich, wie notwendig außerparlamentarische Bewegungen sind, um eine neue Politik durchzusetzen, um reformorientierte Regierungspolitik abzusichern. Das ist eine wesentliche Erfahrung der 160 Tage seit dem Wahlsieg der SPD und der Grünen. Eine neue Reformpolitik wird es nur geben, wenn außerparlamentarisch mehr Menschen in Bewegungen kommen, sich mit den Interessen der transnationalen Konzerne, der Banken und Versicherungen auseinandersetzen, ihrem Alleinherrschaftsanspruch und Gewinnstreben einen Riegel vorschieben. Hierin liegt die große Verantwortung und Herausforderung aller Linken in der SPD, bei den Grünen, den Gewerkschaften, der PDS und allen Kräften, die vor der Bundestagswahl in der Arbeitslosenbewegung, der Friedens- und Anti-Castor-Bewegung mit ihren Aktionen einen Beitrag zur Überwindung des "Reformstaus" in der Bundesrepublik und zur Ablösung der unsozialen CDU/FDP-Koalition geleistet haben.

 

Essen, 12. März 1999


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



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