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1914

Kommentar von Georg Fülberth

Die linken Kritikerinnen und Kritiker der PDS heben erstaunt die Augenbrauen: Seit Beginn des Jugoslawienkriegs hat sich diese Partei tadellos benommen. (Friedrich Engels hätte wohl gesagt: "Sie schlägt sich famos!")

Natürlich gibt es Leute, welche auch jetzt die Häme nicht lassen können. Sie beschimpfen die PDS als "Kriegsgewinnlerin": Diese besetze ein Feld, welches die Grünen wegen ihrer Ministerposten hätten räumen müssen, und wolle ihnen nur Stimmen abjagen.

Dazu ist nun allerdings einiges zu sagen.

Erstens: Niemand hat die "Grünen" gezwungen, ihre pazifistischen Positionen aufzugeben. Wer Politik ausschließlich als Stimmen-Maximierung begreift, kann das anderen kaum vorwerfen.

Zweitens: Wahlerfolge lassen sich mit Friedenspolitik allein kaum erzielen. Die Parole "Nie wieder Krieg!" ergreift die Volksmassen regelmäßig erst dann, wenn diese selbst schon gebeutelt oder ernsthaft bedroht sind. Vorher laufen sie lieber mit ihren Regierungen mit. Trotz aller jugoslawischen Urlaubsfreuden von einst liegt für viele Leute der Kosovo irgendwo in der Gegend, wo fernab hinter der Türkei die Völker aufeinanderschlagen. Bomben, die andere treffen, tun nicht weh. So erklären sich die lange Zeit hohen Zustimmungszahlen für die NATO-Einsätze bei Umfragen im westlichen Teil der BRD.

Die Grünen haben in Hessen im Februar, also vor dem Krieg, ebenso stark verloren wie im Juni, während des Kriegs, in Bremen. Nicht wenige Wählerinnen und Wähler, welche sich von ihnen abwandten, entschieden sich für die ebenfalls kriegführende SPD.

Drittens: Wichtiger als der Stimmenfang, für den, wie gezeigt, bei diesem Thema gar nicht so viel zu holen ist, wird für die PDS ein Gewinn auf ihrer Suche nach einer neuen Identität sein.

Man erinnert sich: 1948 hat sich ihre Nabelschnur-Partei, die SED, "bolschewisiert". Seitdem war sie eng mit dem Roten Oktober 1917 verbunden. Es ist unverkennbar, daß die PDS mit diesem Erbe nicht mehr viel anfangen kann. Die Zeiten sind nicht danach. Deshalb hat die Partei des Demokratischen Sozialismus nur noch ein verlegenes Verhältnis zur Großen Sozialistischen Revolution. (Wir von der DKP sind nur scheinbar besser: wir balsamieren, wo andere verdrängen.)

Jetzt hat die PDS die Chance, ihre politische Zukunft an eine andere historische Tradition zu binden: an das Nein der revolutionären Linken zum Ersten Weltkrieg von Anfang an.

Damals, im August 1914, hat die SPD bekanntlich die Kriegskredite bewilligt. Sie kommt hiervon nicht mehr los. Immer wieder kehrt sie zu diesem Schandfleck zurück, als sei sie daran angepflockt.

Gleichzeitig aber, ebenfalls im August 1914, gingen Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Franz Mehring und Clara Zetkin auf Gegenkurs.

Eine Politik, die sich 1999 an diesen Vorbildern orientiert, ist nicht von schlechten Eltern. Durch Rückgriff auf eine solche Vergangenheit läßt sich - bleibt man nicht bei der Symbolik, sondern aktualisiert man die damalige Haltung eine Zukunft gewinnen.

Die Erinnerung an 1917, so fürchte ich, muß demgegenüber noch ziemlich lange warten. Bei uns allen.


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



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