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Schröders "größte Reform in der Geschichte der BRD"

Das 30-Milliarden-DM-"Sparpaket" ist auf den Weg gebracht, 150 Milliarden sollen es in dieser Legislaturperiode insgesamt werden. Schröder bezeichnete es als die "größte Reform in der Geschichte der BRD", ja als "Paradigmenwechsel".

Und da hat er recht. Einen solchen Sozialabbau im Handstreichverfahren gab es unter der CDU-Regierung nicht. Eine solche radikale Umverteilung hätten sich Kohl/Waigel/Blüm nicht leisten können, ohne daß die Gewerkschaften, die jetzt unter der SPD-Regierung paralysiert sind, auf die Barrikaden gegangen werden.

Bluten müssen vor allem die Rentner und die Arbeitslosen, während den Unternehmern 8 Milliarden (netto) an Steuern geschenkt werden, während weiter die Vermögenssteuer gestrichen bleibt, während Großkonzerne wie Siemens u.a. weiterhin keine Mark Steuern bezahlen.

Wären die Unternehmersteuern noch auf dem Niveau von Anfang der 80er Jahre, würde der Staat jährlich 100 Milliarden DM mehr einnehmen! Weil auf diese Milliarden verzichtet wird, wird jetzt bei den Rentnern und Arbeitslosen gespart. Und dann sind da noch die zig Milliarden, die der Krieg und seine Folgekosten verschlingen wird...

Denn auch in der Außenpolitik herrscht eine "andere Politik", Kriegspolitik. Auch hier brüstet sich Schröder: "... daß die Entscheidung zum Krieg eine fundamentale Veränderung der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik bedeutet hat. Ich behaupte, keine andere Regierung als unsere hätte sie so treffen können und so ausgehalten." (Spiegel 23/99)

Manche meinen, die SPD führe "nur die CDU-Politik fort", oder sie "weiche dem Druck der Unternehmer". Mitnichten! Sie betreibt ganz gewöhnliche hundsgemeine Politik im Interesse des Kapitals, wie sie stets in der Geschichte der BRD mit minimalen Unterschieden mal von dieser mal von jener Regierung (unter Beibehaltung der Rollen "Regierung" und "Opposition") gemacht wurde - je nach dem, welche Konstellation gerade opportun war.

Als die "Roll-back-Strategie" Adenauers und sein Plan der militärischen "Befreiung Europas bis zum Ural" gescheitert war, brauchte man eine neue Ostpolitik und einen Willy Brand (und die Berufsverbote). Und das Kapital brauchte einen Helmut Schmidt zum NATO-Doppelbeschluß und zum Beginn des Sozialabbaus.

Und jetzt, nachdem Kohl die DDR annektiert hat, nachdem die sozialistischen Länder liquidiert sind und Deutschland wieder nach Weltmacht strebt, braucht es einen Schröder zum größten "Paradigmenwechsel", braucht es eine SPD-geführte Regierung, die die Arbeiter- und Friedensbewegung ruhig stellt und die Gewerkschaften entmündigt. Daß auch die Grünen mit ins Boot gestiegen sind, ist für das Kapital eine besonders günstige Fügung.

Die großen Weichenstellungen, Verfassungsbrüche und Einschränkungen demokratischer Rechte sind ohnehin alle in großer Koalition getroffen worden: von der Remilitarisierung, über die Notstandsgesetz, Aufhebung des Asylrechts, Lauschangriff, Privatisierung von Post und Bahn bis hin zu Kriegseinsätzen der Bundeswehr.

Schon für Tucholsky war die SPD ein traditionelles Übel (siehe Kasten). Wir brauchen deswegen nicht besonders sauer auf die SPD zu sein; diese regierenden Sozialdemokraten sind - wie auch die CDU - nichts anderes als Handlanger des Kapitals - und das ist der Hauptfeind der arbeitenden Menschen.

Erika Beltz

"Es ist ein Unglück, daß die SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands heißt. Hieße sie seit dem 1. August 1914*) Reformistische Partei oder Partei des kleinen Übels oder Hier können Familien Kaffee kochen, oder so etwas -: vielen Arbeitern hätte der neue Name die Augen geöffnet, und sie wären dahin gegangen, wohin sie gehören: zu einer Arbeiterpartei. So aber macht der Laden seine Geschäfte unter einem ehemals guten Namen." Kurt Tucholsky 1932

*) Zustimmung zu Krieg und Kriegskrediten


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



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