Im Windschatten der Bundeswehr rückt die UCK im Kosovo ein
G-8-Plan keine Garantie für sicheren Frieden
Nur allmählich zeichnet sich das Ausmaß der Schäden und
Folgen des elfwöchigen NATO-Luftkrieges gegen Jugoslawien ab: Nach noch
unvollständigen Angaben wurden 10 000 jugoslawische Soldaten, und mehr als
2 000 Zivilisten getötet, 855 000 Menschen sind auf der Flucht.
Die Infrastruktur Jugoslawiens ist weitgehend zerstört. Die
Schäden werden auf 120 Milliarden Dollar geschätzt. Mehr als 200
Fabriken und Kraftwerke, 50 Krankenhäuser, 190 Schulen, 50 Brücken
und fünf zivile Flughäfen wurden zerstört. Der Kosovo ist
weitgehend unbewohnbar, die Donau nicht mehr schiffbar. Zerstört wurden
auch zehn Eisenbahnlinien, zehn Fernverkehrsstraßen, zwei der drei
Ölraffinerien. Die NATO flog, laut Götz Neudeck vom Institut für
Friedensforschung und Sicherheitspolitik, über 30 000 Luftangriffe, davon
die Hälfte gegen zivile Ziele.
Die Rechnung kommt jetzt. Der erste Kriegsmonat kostete das Bonner
Verteidigungsministerium rund 450 Millionen Mark. Für die
verfassungswidrige Stationierung der deutschen Kosovo-Truppe werden
jährlich mindestens eine Milliarde Mark veranschlagt. Dafür sollen
die deutschen Steuerzahler blechen: In Bonn wird heftig an Plänen für
neue Steuererhöhungen gewirkt.
Zum dritten Mal in diesem Jahrhundert stehen deutsche Truppen in
Jugoslawien. Als die Vorauseinheiten der Bundeswehr in Prizren im Kosovo
einmarschierten, folgten in ihrem Windschatten UCK-Verbände. Der Friede
ist brüchig, sofern man gegenwärtig die Waffenruhe als Frieden
bezeichnen kann. Denn von der angekündigten Entwaffnung der UCK kann keine
Rede sein.
"Die UCK läßt sich nicht vollständig entwaffnen",
erklärt ihr Sprecher Visar Reka. "Einen Teil unserer Kämpfer
werden wir in eine Polizeitruppe verwandeln, der Rest wird unter Aufsicht der
NATO in Kasernen gehen." Und der UCK-Sprecher Krasniqi sekundiert:
"Wir werden die UCK mit Hilfe der NATO in eine professionelle
Ordnungsmacht umwandeln." Offenherzig vermeldet die "Rheinische
Post": "Verdeckte Hilfe kommt zudem aus den USA. Pensionierte
US-Offiziere beraten die UCK und bilden zum Teil auch aus. Die CIA steuert im
Hintergrund die Operationen." Eine aktive Rolle spielt auch der BND,
besonders bei der Waffenbeschaffung.
Angesichts dieser Hintergründe bleibt die mit dem G-8-Plan vereinbarte
Waffenruhe brüchig. Von einem dauerhaften Frieden und einem raschen
Wiederaufbau des zerbombten Jugoslawien bleibt das Land noch weit entfernt.
H. R.
|