Medico international:
Humanitäre Hilfe für Kriegszwecke mißbraucht
Die Bilder des Massenelends der Flüchtlinge nehmen weiterhin ebenso
einen vorrangigen Sendeplatz im Fernsehen ein, wie die Ankunft der ersten
Flüchtlinge in den EU-Ländern. Dienen sie doch als
hauptsächlicher Beleg für die angeblich rein humanitären Ziele
des Nato-Krieges. Doch die tatsächliche Bilanz ist mehr als
beschämend.
Am 21.4.99 veröffentlichte das UNHCR eine Bilanz der angekündigten
und der tatsächlich erfolgten Aufnahmen von Flüchtlingen:
| Land |
angekündigt |
erfolgt |
| Gesamt |
115.000 |
16.913 |
| Belgien |
1.200 |
517 |
| Dänemark |
1.200 |
0 |
| Frankreich |
ohne Festlegung |
348 |
| Griechenland |
5.000 |
0 |
| Niederlande |
2.000 |
0 |
| Österreich |
5.000 |
324 |
| Polen |
1.000 |
545 |
| Schweden |
5.000 |
0 |
| Türkei |
20.000 |
3.849 |
| USA |
bis 20.000 |
0 |
| BRD |
10.000 |
9.974 |
In Frankreich, wo sich 6-8.000 französische Familien bereits
erklärt haben Flüchtlinge aufzunehmen, wird in einem
bürokratischen Akt erst einmal "deren Eignung"
überprüft. (taz 22.4.)
Inzwischen werden Lager in Albanien zwangsweise geräumt. Die
Flüchtlinge werden gegen ihren Willen auf US-Militärlastwagen ins
Landesinnere deportiert. Denn der Platz des Flüchtlingslager wird als
Aufmarschgebiet für Kampftruppen gegen Jugoslawien benötigt.
Thomas Gebauer, Geschäftsführer von medico international kommt zu
dem Schluß: "Humanitäre Hilfe, so überlebenswichtig sie
für die Betroffenen der kriegerischen Auseinandersetzungen ist, wird von
den kriegführenden Parteien für strategische und legitimatorische
Zwecke in Dienst genommen." (FR 20.4.)
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