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Stellungnahme der DKP Marburg Biedenkopf zum vorläufigen Ende des Krieges der NATO gegen Jugoslawien

Nach 79 Tagen der Bombardierung Jugoslawiens hat die NATO genau das erreicht, was sie auch ohne diesen Krieg hätte erreichen können:

Die Regierung der Bundesrepublik Jugoslawien hatte in Rambouillet einer Friedensregelung für den Kosovo einschließlich einer internationalen Friedenstruppe zugestimmt. Sie war allerdings nicht dazu bereit, daß die NATO-Kontingente sich in ganz Jugoslawien frei bewegen dürften und daß innerhalb von drei Jahren eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit des Kosovo stattfinden solle.

In dem von Tschernomyrdin vermittelten neuen Abkommen fehlen diese beiden Punkte.

Dennoch ist der vorläufige Ausgang des Konflikte ein Erfolg für die NATO.

Ihr ging es niemals um die Durchsetzung der in Rambouillet von Jugoslawien abgelehnten zwei Punkte, sondern um den Vorwand zu einem Krieg. Diesen Krieg, den sie wollte, hat sie bekommen.

Die USA konnten ihre Waffen ausprobieren und gewannen - nach Bosnien-Herzegowina - einen zweiten Stützpunkt auf dem Balkan. Damit setzten sie ihre Interessen gegen zwei andere Mächte durch, die für sie in Wirklichkeit die Hauptgegner sind: die Europäische Union und Rußland.

Deutschland hatte ab 1991 mit der schnellen Anerkennung Sloweniens und Kroatiens den Verfallsprozeß Jugoslawiens vorangetrieben. Dies geschah im Interesse eines neuen europäischen Machtblocks unter deutscher Führung. Er sollte offensichtlich in einer Kombination aus der Europäischen Union und dem Militärbündnis Westeuropäische Union bestehen und auch Kooperationsbeziehungen zu Rußland herstellen.

Die USA suchen im Gegenzug ihre Führungsrolle in Europa zu festigen: durch die Ost-Erweiterung der NATO, die vor allem von den Vereinigten Staaten betriebene Errichtung eines NATO-Protektorats in Bosnien-Herzegowina und nunmehr durch die Besetzung des Kosovo unter ihrer Führung.

Dabei sollte zugleich der Einfluß Rußlands auf dem Balkan zurückgedrängt werden.

Die rot-grüne Bundesregierung hat sich an dem Krieg gegen Jugoslawien beteiligt, da sie hofft, durch Nutzung der Schwierigkeiten, in die ein solches Unternehmen früher oder später geraten kann, ihr eigenes Projekt eines deutsch geführten Europa doch noch fördern zu können.

Auf diesem Weg ist sie tatsächlich in den letzten Wochen vorangekommen: durch die sich nun abzeichnende Verbindung von EU und WEU.

Die Völker Jugoslawiens sind also Opfer einer inner-imperialistischen Rivalität geworden.

Die Behauptung der US-amerikanischen Regierung, des Bundeskanzlers Schröder und der Minister Fischer und Scharping, ihnen sei es irgendwann einmal in erster Linie um die Menschenrechte gegangen, ist in diesem Zusammenhang selbstverständlich nicht der Rede wert.

Wer diese imperialistischen Machenschaften bekämpfen will, muß die Friedensbewegung in Deutschland und Europa stärken. Der Erfolg der PDS bei den Europawahlen am 13. Juni 1999 ist hier ein erster - wenngleich noch kleiner - Erfolg.

Die neue europäische Friedensbewegung wird eigene Konzepte vorlegen müssen. Hierzu gehört die Verhinderung der Militarisierung der EU, die Beseitigung der NATO-Protektorate in Europa und die Errichtung eines stabilen Friedensordnung im Rahmen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Diese muß, um solchen Aufgaben zu genügen, gestärkt werden.

 

DKP Marburg

Deutsche Kommunistische Partei

Kurt Lang, Hansteinstr. 4, 60318 Ffm.


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



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