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Kampfeinsatz in Jugoslawien?

Wir sagen Nein!

Jugoslawien wurde angedroht, entweder ein NATO-Protektorat Kosovo mit über 30.000 Soldaten der westlichen Allianz zu akzeptieren oder Waffengewalt der NATO in Kauf zu nehmen. Jugoslawien war nicht bereit, seine Souveränität preiszugeben. Nun - seit dem 8. Mai 1945 gab es Frieden in Europa - beginnt die NATO Krieg in Europa. Wird Jugoslawien zu einem neuen Vietnam?

Jugoslawien wurde in Rambouillet mit Bombenangriffen gedroht, der Kosovo-Untergrundarmee UCK mit dem Entzug der politischen Unterstützung. Insbesondere US-Außenministerin Albright wollte der UCK eine Zustimmung versüßen, weil eine Bombardierung Jugoslawiens vor der Weltöffentlichkeit nur dann zu rechtfertigen sei, "wenn die Serben allein für das Scheitern der Verhandlungen verantwortlich gemacht werden könnten". (Die Welt, 24.2.99)

Nachdem die UCK den kurz vor Konferenzende präsentierten Vertragsentwurf dennoch nicht unterschrieben hat, platzte die ganze Inszenierung.

Die NATO setzt auf die militärische Karte, auch wenn nun die Rechtfertigung fehlt. Die NATO setzt auf die militärische Karte, obwohl die jugoslawische Seite sich kooperativ verhalten hat und eine substantielle Autonomie für Kosovo angeboten hat. Die NATO setzt auf die militärische Karte, obwohl Rußland vor einem "Vietnam mitten im Herzen von Europa" gewarnt hat. Die NATO setzt auf die militärische Karte, ohne Mandat des UN-Sicherheitsrates, gegen das geltende Völkerrecht.

Insbesondere die USA wollen mit einem Militärschlag im Kosovo einen Präzedenzfall für die zukünftige NATO-Strategie schaffen. USA und NATO behalten sich künftig vor, überall auf der Welt für ihre strategischen Interessen zu intervenieren, Recht hin oder her. Ein Krieg in Jugoslawien wäre auch ein Krieg gegen die UNO, ein Krieg für eine neue "entfesselte Weltordnung", in der nur noch das Faustrecht gilt.

Interessenkonflikte zwischen den USA und den europäischen NATO-Staaten sind nicht zu übersehen. Insbesondere die französische Diplomatie hat wohl dafür gesorgt, daß die Aggression gegen Jugoslawien noch einmal verschoben wurde. Ein wirkliche Alternative zum Kriegskonzept der USA haben die europäischen Regierungen aber nicht. Es ist kein Friedenskonzept, einem US-dominierten Bündnis lediglich eine europäische Militärmaschinerie entgegenzusetzen. Wer stets zuerst auf die militärische Karte statt auf zivile Formen der Konfliktbearbeitung setzt, wer UNO und OSZE zu Befehlsempfängern der NATO degradiert, wer sich an der Außerkraftsetzung des Völkerrechts beteiligt, der betreibt nicht Friedens-, sondern Kriegspolitik.

Das neue strategische Konzept der NATO, das im April 1999 verabschiedet werden soll, enthält neben dem angemaßten Recht zur Militärintervention überall auf der Welt auch die Option auf einen Ersteinsatz von Atomwaffen, auch gegen Länder, die solche Waffen nicht besitzen. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat im Juli 1996 bereits die Androhung eines Atomwaffeneinsatzes für völkerrechtswidrig erklärt. Mit dieser atomaren Ersteinsatzoption untergräbt die NATO alle Versuche, die Weiterverbreitung von Atomwaffen vertraglich zu unterbinden .

Obwohl die NATO heute militärisch ohne Gegner ist und gegenüber allen von ihr als Feindstaaten bezeichneten Ländern eine vielfache Überlegenheit besitzt, betreibt sie eine Politik der forcierten Hochrüstung. Präsident Clinton hat für die USA zu Jahresbeginn ein Rüstungsprogramm von zusätzlich 100 Milliarden Dollar für die nächsten sechs Jahre verkündet. Damit soll insbesondere die Entwicklung neuer Waffen, die Beschaffung von Kampfflugzeugen, Kampfhubschraubern und Kriegsschiffen finanziert werden. Dabei geben die USA schon heute mit über 270 Milliarden Dollar jährlich mehr als zehnmal so viel für Rüstung aus wie Rußland.

Die NATO-Länder beherrschen auch den weltweiten Rüstungsmarkt. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (SIPRI) hat berechnet, daß die 100 größten Rüstungskonzerne 1996 Waffen im Wert von 156 Milliarden Dollar gehandelt haben. 55 Prozemt des Geschäftes entfielen auf US-Konzerne, 35 Prozent auf westeuropäische Firmen.
(SIPRI Yearbook 1998)

Die Bundesregierung aus SPD und Bündnis 90/ Die Grünen hat ihr Amt unter der Losung angetreten "Deutsche Außenpolitik ist Friedenspolitik". Inzwischen ist dieser Slogan genauso zynisch wie das Kohl-Wort "Frieden schaffen mit immer weniger Waffen".

Schon vor Regierungsantritt stimmten die meisten Abgeordneten von SPD und Bündnis 90/ Die Grünen gemeinsam mit CDU, CSU und FDP im Oktober 1998 für einen völkerrechtswidrigen NATO-Einsatz im Kosovo. Am 25.2.99 beschloß der Bundestag gegen die 36 Stimmen der PDS und sechs Grüne-Abgeordnete, bis zu 6.000 Bundeswehr-Soldaten für eine Militärintervention der NATO auf den Balkan abzukommandieren. Bereits einen Tag später rollte die größte Auslandsoperation der Bundeswehr seit dem Zweiten Weltkrieg an. In Cuxhaven wurden Leopard-Kampfpanzer und Schützenpanzer verladen. Wo die CDU/CSU und FDP noch zögerten, bei einem Militäreinsatz auf dem Balkan und beim Einsatz von schweren Kampfpanzern, herrscht bei der neuen Bundesregierung offenbar Bedenkenlosigkeit.

Während eine Kommission über die Zukunft der Bundeswehr nachdenken soll, geht ihre Ausrüstung und Bewaffnung für weltweite Kriegseinsätze unvermindert weiter. Alle wesentlichen Beschaffungsvorhaben laufen, vom Eurofighter über den Kampfhubschrauber Tiger bis zum Transportpanzer GTK. Scharping will zur schnellen Verlegung von Soldaten und Waffen ins Ausland ein neues Transportflugzeug FLA (Future Large Aircraft) bei der Daimler-Chrysler-Aerospace (DASA) in Auftrag geben. Das wäre das erste rosa-grüne Rüstungsgroßprojekt. Der sozialdemokratische Verteidigungsminister hat trotz Sparzwang im gesamten Etat einen Rüstungshaushalt in Höhe von 46,7 Milliarden DM durchgesetzt. Die mittelfristige Planung sieht eine weitere Steigerung vor. Bis zum Jahr 2000 auf 48,3 Milliarden und bis 2002 auf 49 Milliarden DM.

Das Kosovo-Abenteuer soll allein im ersten Jahr zusätzliche 600 Millionen DM verschlingen, die aus dem allgemeinen Haushalt aufgebracht werden müssen.

Während also für Rüstung und Kriegseinsätze Geld genug da ist, kürzt die Bundesregierung ihre Zuschüsse für das Entwicklungsprogramm der UNO (UNDP) von 100 auf 75 Millionen DM. 1997 hatte sie dafür noch 120 Millionen zur Verfügung gestellt.

Während albanische Flüchtlinge aus der Bundesrepublik nach Jugoslawien abgeschoben werden, nimmt die NATO die Situation vor Ort zum Vorwand für eine militärische Aggression.

Die Doppelbödigkeit der Jugoslawienpolitik wird auch deutlich, wenn man die Haltung gegenüber den Konflikten in Kosovo und Kurdistan vergleicht. Während der kurdische Widerstand als terroristisch diffamiert wird, genießt der albanische im Kosovo die Unterstützung des Westens. Das türkische Militär wurde durch die Bundesregierung seit Jahren mit Waffenlieferungen, z. B. Schützenpanzern, Schnellfeuergewehren und Millionen Schuß Munition aus NVA-Beständen, unterstützt. Im Kosovo kämpft die UCK mit Waffen, die mit Spenden finanziert werden, die in Deutschland eingetrieben wurden. Die Verschleppung des PKK-Generalsekretärs Öcalan in die Türkei war nur möglich, weil ihm zuvor in Europa Asyl verweigert wurde. Während auf dem Balkan NATO-Truppen aufmarschieren, sieht man dem Völkermord an den Kurden seit Jahren zu, ohne auch nur eine politische Initiative auf den Weg gebracht zu haben.

Es ist nicht zu übersehen: Es geht der NATO nicht um Menschenrechte. Es geht um geostrategische Überlegungen, um Macht- und Rohstoffinteressen!

Die Gefahr der Verwicklung der Bundesrepublik Deutschland in einen Balkankrieg mit unabsehbaren Folgen ist groß.

Wir fordern:

  • Sofortige Einstellung der Kampfhandlungen!
  • Keine Beteiligung der Bundeswehr an einer Militäraktion gegen Jugoslawien!
  • Keine Waffen für die Türkei!
  • Abschiebestopp für Flüchtlinge aus Kurdistan und aus Kosovo!
  • Sofortige Auflösung der Krisenreaktionskräfte der Bundeswehr, insbesondere des Kommandos Spezialkräfte in Calw!
  • Drastische Reduzierung des Rüstungshaushaltes!
  • Keine neuen Rüstungsprojekte! Ausstieg aus dem Eurofighter-Programm!
  • Keine Zustimmung der Bundesregierung zur neuen NATO-Strategie!
  • Aufhebung der Verteidigungspolitischen Richtlinien!

http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



Löwe von DKP Hessen


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