Sollten Christen
nicht mehr Gnade und Erbarmen walten lassen?
Bericht des Connecticuter Puritaners John Underhill
über ein Massaker an Pequot-Indianern
Sie wußten nichts von unserer Ankunft. Als wir in der Nähe des
Forts waren, befahlen wir uns Gott an und erbaten uns Seinen Beistand bei
unserem schwierigen Unterfangen ...
Wir konnten uns über die göttliche Vorhersehung nur verwundern,
als nämlich unsere im Gebrauch der Geschütze unerfahrenen Soldaten
eine so schwere Salve abgaben, daß es aussah, als habe Gottes Finger mit
dem Feuerstein die Lunte gezündet.
Die Breitseite fuhr bei Tagesanbruch unter die Indianer und verbreitete
Entsetzen, denn sie lagen noch in tiefem Schlaf, und wir konnten die
herzzerreißendsten Schreie vernehmen. Hätte Gott unsere Herzen nicht
zum Dienst an Ihm gerüstet, wir hätten uns zu Mitleiden rühren
lassen. So aber nahm Gott jede Barmherzigkeit von uns, und wir machten uns
unerbittlich an die Arbeit, gedachten wir doch des Blutes der Unsrigen, das die
Indianer vergossen, als sie dreißig unsrer Landsleute barbarisch
behandelt und ermordet hatten. Unsere Schwerter in der Rechten und unsere
Karabiner und Musketen in der Linken, so griffen wir an ...
Viele verbrannten im Fort ... Andere trieb das Feuer heraus, und sie wurden
von unseren Soldaten mit dem blanken Schwert empfangen. Männer, Weiber und
Kinder ließen ihr Leben, und wer uns entkam, der fiel unsern indianischen
Bundesgenossen in die Hände, die in der Nachhut bereitstanden. Nach
Angaben der Pequot-Indianer waren in diesem Fort an die vierhundert Seelen, und
nicht einmal fünf sind uns durch die Finger geschlüpft. Der Anblick
des Blutes war groß und jämmerlich für die Soldaten, die nie im
Krieg gewesen waren: sie sahen so viele Seelen auf dem Boden liegen und mit
klaffendem Mund verscheiden, und dazu in solchen Haufen, daß man
mancherorts nicht mehr hindurchkam.
Man könnte nun fragen: Und wozu all dies gräßliche
Wüten? (Alswie jemand sich auch geäußert hat.) Sollten Christen
nicht mehr Gnade und Erbarmen walten lassen? Ich verweise zur Antwort auf den
Krieg Davids. So ein Volk ein solches Übermaß an Blutvergießen
und Sünden wider Gott und die Menschen auf sich geladen hat, verschont
David die Menschen nicht länger, sondern zerstückt und zernichtet sie
mit seinem Schwert und weiht sie dem allerschrecklichsten Tode. Mitunter
urteilt die Heilige Schrift, daß Weiber und Kinder an der Seite ihrer
Väter zugrunde gehen sollen. Mitunter kommen auch andere Fälle vor,
aber darüber wollen wir jetzt nicht streiten. Uns jedenfalls gibt Gottes
Wort genügend Licht um die Billigkeit unsrer Handlungen zu erkennen.
Aus: Eduardo Galeano, Erinnerungen an das Feuer
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