Buch: "Albert Kuntz: Arbeiterführer, Widerstandskämpfer, Kommunist - Widerstand im KZ Buchenwald"
Albert Kuntz vor dem faschistischen Gericht, Juni 1934: "Kommunist zu sein und zu bleiben, daran wird mich nichts hindern.
Und sie können mich totschlagen, aber daran können sie nichts ändern"
Hier, unter den grauenhaftesten Bedingungen, Hitze und Kälte fast schutzlos ausgesetzt, fast ohne Wasser, in erbärmlicher KZ-Kluft, den Schlägen nicht nur der SS, sondern auch jener kriminellen Häftlinge ausgesetzt, die die SS bewusst zu Vorgesetzten der politischen Gefangenen gemacht hatte, hier zeigte sich die ganze Größe des Charakters, der Intelligenz und der Energie des Kommunisten Albert Kuntz. Hier wuchs er über sich selbst hinaus.
Ununterbrochen durch Spitzel der SS gefährdet, gelang es ihm, zusammen mit Walter Stöcker und Theodor Neubauer, eine illegale Parteiorganisation aufzuziehen, die nach jahrelangem Kampf gegen die "Grünen" (so wurden die kriminellen Häftlinge wegen dem grünen Winkel, den sie zum Unterschied zu dem roten der politischen Gefangenen trugen, genannt) die wichtigsten Häftlingsfunktionen besetzte. So wurde eine einigermaßen gerechte Verteilung des erbärmlichen Lageressens ermöglicht, das
Schlagen von Gefangenen durch Häftlingsfunktionäre fast restlos abgestellt, kranke und schwache Kameraden auf leichtere ,,Druckposten" vermittelt. Wie viel Menschenleben auf diese Weise gerettet wurden, ist nachträglich gar nicht mehr festzustellen.
Aber noch wichtigeres geschah: Kameraden, die durch die Gestapo zur Ermordung bestimmt waren - deutsche Antifaschisten, französische, tschechoslowakische, polnische Widerstandskämpfer, englische und amerikanische Kriegsgefangene, sowjetische Soldaten wurden durch Aktenfälschung als tot gemeldet und konnten unter falschem Namen weiterleben. Eine illegale
Militärorganisation wurde aufgebaut, Waffen gestohlen und selbst fabriziert, der bewaffnete Aufstand des 11. April 1945 in mühevoller,
streng konspirativer Arbeit vorbereitet. 21.000 Überlebende waren das Ergebnis dieser Tätigkeit, die mit organisiert zu haben das Verdienst des Kommunisten Albert Kuntz ist.
Der französische Arzt J. Michel, gaullistischer Widerstandskämpfer, schrieb darüber: ,,Meine bewundernswerten sowjetischen Kameraden sind tot. Sie und die deutschen Kommunisten haben den höchsten Preis gezahlt." Die Parteileitung, bestehend aus Albert Kuntz, Walter Stöcker, Theodor Neubauer, konnte nicht bestehen bleiben. Walter Stöcker fiel einer Thyphusepedemie zum Opfer, Theo Neubauer wurde entlassen und in Thüringen unter Polizeiaufsicht gestellt, schuf unter diesen Bedingungen mit dem Genossen Magnus Póser eine Widerstandsgruppe in Mitteldeutschland und fiel Anfang 1945 der faschistischen Blutjustiz zum Opfer.
Aber durch die Heranziehung anderer Genossen wie August Thöne, Walter Bartel, Harry Kuhn wurde die dauerhafte stabile Leitungstätigkeit der illegalen Parteiorganisation ohne Unterbrechung gesichert. Mehr noch: im Zuge der Einlieferung ausländischer Gefangener aus den eroberten Ländern Österreich, Tschechoslowakei, Polen, Frankreich, Holland, Dänemark, Norwegen, Belgien, Jugoslawien und schließlich der Sowjetunion schuf die illegale KPD in Buchenwald im Geiste des proletarischen Internationalismus das Internationale Lagerkomitee (ILK), half den neu eingelieferten ausländischen Kameraden, die meist der deutschen Sprache nicht mächtig waren und die Lagerbedingungen nicht kennen konnten, sich zurechtzufinden und ihre eigenen nationalen illegalen Organisationen zu schaffen. Eine Leistung, die ihresgleichen sucht! Hölle "Dora".
Aber auf die Dauer konnte der SS nicht verborgen bleiben, dass sich um die Person des Gefangenen Albert Kuntz manches tat, was den Faschisten nicht geheuer war. Um ihn aus dem Schußfeld zu bringen, veranlasste die Parteiorganisation seine Verlegung in ein Außenkommando nach Kassel. Aber von dort schaffte ihn die SS in eines der schlimmsten Konzentrationslager, die es im Großdeutschen Reiche gab, nach "Dora", bei Nordhausen im Harz, das ursprünglich ein Außenkommando von Buchenwald war, dann aber zum selbständigen KZ gemacht wurde. In unterirdischen Stollen, wo das Wasser von den Wänden troff, das Tageslicht nie hineinkam und das Krachen und der Staub ständiger Sprengungen das Leben zur Hölle machten, schufteten Zehntausende aus allen Nationen Europas, um Hitlers Wunderwaffe, die Raketen V1 und V2 zu produzieren. Der blutige Aufstieg des Wernher von Braun, der später der gehätschelte Raketenspezialist der USA wurde, begann in dieser Sklavenhalterstätte der lebenden Leichname.
Der Kommunist Albert Kuntz ließ auch unter diesen Bedingungen keinen Augenblick den Mut sinken. Er sammelte Genossen und Widerstandskämpfer um sich, die deutschen Kommunisten Georg Thomas, Ludwig Szymczak, Otto Runki, Christian Behan, Fritz Pröll, Heinz Schneider, den SPD-Genossen August Kroneberg, den tschechoslowakischen Arzt und Genossen Dr. Jan Cespiva, den sowjetischen Fliegerhauptmann Jelowoj aus Odessa, der unter dem falschen Namen Simeon Grinko in Dora war, polnische, französische, holländische Widerstandskämpfer - die meisten von ihnen opferten wie er ihr Leben.
Es gelang den waffenlosen, halbverhungerten Gefangenen, Hitlers Plan mit der Wunderwaffe zu durchkreuzen. Bei einem Drittel der 1944 abgefeuerten Raketen versagten die Triebwerke. Von den insgesamt eingesetzten 10.800 V2-Raketen platzten mehr als die Hälfte noch beim Anflug in der Luft. Wehrmacht und SS gerieten in Raserei. Der SS-Oberscharführer Sander und Oberst Eichhorn wurden speziell eingesetzt, um die vermutete Sabotagegruppe dingfest zu machen. Das Lager wurde. mit einem Spitzelsystem überzogen. Als am 18. November 1944 die Wehrmacht zwei ganze Güterzüge mit V-Raketen zurückschickte: "Unbrauchbar, Sabotage", schlug der faschistische Terror zu. Dutzende Gefangene wurden auf Verdacht gefoltert und erhängt. An Balken zwischen zwei Kränen wurden Stricke mit Schlingen angebracht, zwölf, fünfzehn, zwanzig Menschen gleichzeitig daran gehängt und durch Hochziehen der Kräne erdrosselt.
Nachdem einige noch im Todeskampf Losungen für die Freiheit und gegen den Faschismus ausgestoßen hatten, wurde allen Opfern ein Holzknebel in den Mund gepresst, der im Genick durch Draht festgehalten wurde. Der Schrecken ging um. Anfang Dezember 1944 holte die Gestapo Albert Kuntz und Ludwig Szymczak in den Arrest. Dr. Cespiva, der bereits dort gefangen war, schildert: "Ich konnte verfolgen, wie Albert Kuntz verhört wurde. Er schwieg. 14 Tage lang wurde er buchstäblich ununterbrochen geschlagen. Kurz vor Weihnachten 1944
traf ich ihn einmal auf dem Gang. Ich hätte ihn fast nicht wiedererkannt. Aber man hat ihn nicht gebrochen. Albert lehnte sogar ab, die Protokolle zu unterschreiben. Noch heute höre ich Sanders Gebrüll: 'Ich schlage Dich tot. Ja oder nein? Ich schlage Dich tot!'"
Albert Kuntz starb ungebrochen Im Januar 1945 schlugen sie ihn bis zur Bewusstlosigkeit, übergossen ihn dann mit eiskaltem Wasser und warfen ihn in seine Einzelzelle. Ständig waren seine Hände gefesselt, da sie mit Recht fürchteten, da er sich wehren würde. Die Massenerhängungen gingen weiter. In der Nacht vom 22. zum 23. Januar 1945 hörten die Gefangenen in den anderen Bunkerzellen, wie er gefoltert wurde. Sie hörten die SS-Leute toben, Sander, Bühring und Schlager. Gegen Morgen wurde es plötzlich still. Albert Kuntz lebte nicht mehr.
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