In den Kampf gegen den Neofaschismus die Erfahrungen der Vergangenheit einbeziehen
Antifaschistischer Abend der Lauterbacher Naturfreunde. Veranstaltung mit Peter Gingold fand großen Anklang 11.12.2000
110 interessierte, überwiegend jugendliche Zuhörerinnen und Zuhörer waren Ende November der Einladung der Lauterbacher Naturfreunde zu einem "Antifaschistischen Abend" unter dem Motto "Der Schoß ist fruchtbar..." in den kleinen Saal der Adolf-Spiess-Halle gefolgt. Gast war, in Begleitung seiner Frau Etty, Peter Gingold, 85jähriger Zeitzeuge und Widerstandskämpfer gegen die Nazidiktatur.
Unmittelbar nach dem Krieg Mitbegründer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten(VVN/BDA) und bis heute aktiver Streiter gegen Faschismus, und Militarismus.
Ausgehend von der bundesweiten Aktion "Gesicht zeigen gegen Rechts!" erzählte der Referent über seine Jugend in der Weimarer Republik und über den "alltäglichen Rassismus und Antisemitismus" in jener Zeit. Er berichtete über sein Hineinwachsen in die Organisationen der Arbeiterbewegung, u.a. in die Gewerkschaft und in die Kommunistische Partei, wo er das Rüstzeug und die Rückenstärkung erfuhr, um der Nazipropaganda widerstehen und aktiv entgegentreten zu können. Nach der Beseitigung der Demokratie durch die Faschisten und einer Phase der illegalen politischen Arbeit in Deutschland, mußte Peter Gingold schließlich nach Frankreich flüchten, schloß sich dort der "Resistance" an, wurde von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Mit viel Glück und der Unterstützung von Kameradinnen und Kameraden überlebte er, und kehrte nach der Niederschlagung des Faschismus nach Deutschland zurück, wo sich unter der Losung "Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!" und dem Schwur von Buchenwald" die demokratischen Kräfte sammelten.
In der anschließenden Diskussion versuchten einige Zuhörer die Ausführungen Peter Gingolds mit eigenen politischen Meinungen und bestimmten parteipolitischen Äußerungen zu ergänzen oder zu stützen. Dies weckte Widerspruch bei einer
größeren Anzahl von Jugendlichen , die mit Peter Gingold Lieber über ihre eigenen Erfahrungen mit rechtsradikaler Gesinnung und Gewalt im Alltag, auf den Schulhöfen und Straßen diskutieren, und von ihm Ratschläge bekommen wollten. Unter anderem riet er dazu, nie mit Gruppen von Rechtsradikalen und Gewaltbereiten zu diskutieren. Sinnvoll sei es aber das Gespräch mit einzelnen Andersdenkenden zu suchen, denn die rechtsradikale Haltung sei oft nur aufgesetzt und wenig durchdacht. Allerdings sei es für solche Gespräche notwendig, daß man sich gut informiere und sich ein solides, historisches und politisches Grundwissen aneigne. Die Beschäftigung mit der unseligen Geschichte des deutschen Faschismus, mit den Bedingungen seines Entstehens und mit den Spuren seines
Fortbestehens in der Nachkriegszeit sei hierzu besonders wichtig.
Weil die Veranstaltung nicht alle drängenden Fragen der jungen Zuhörerinnen und Zuhörer beantwortet werden konnten, wollen die Naturfreunde im kommenden Jahr eine Veranstaltung zum Thema Gesicht zeigen gegen Rechts!- Wie reagiere ich auf rechtsradikale Äußerungen und Gewalttätigkeit ?" durchführen.
Wer Interesse hat, eine solche Veranstaltung mit vorzubereiten ist dazu herzlich eingeladen.
Die Treffen finden in der Regel montags ab 20.00 Uhr in der Gasstätte "Klawitter" in Lauterbach statt.
Frank Bönning/Hubert Barteska
Kontakt: Naturfreunde Lauterbach c/o Hubert Barteska-Auf dem Weiher 35-36367 Wartenberg Tel.: 06641-62194 Fax: 06641-917081 Email: Hubert.Barteska@t-online.de
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