Der erste Arbeitsminister in Hessen nach dem Krieg war Kommunist
Oskar Müller wurde am 25. Juni 1896 in Wohlau/Schlesien geboren. Der Vater war Landwirt. Der junge Müller besuchte das Gymnasium. Er kam in den Krieg, wurde Offizier. Seine Kameraden wählten ihn 1918 in den Soldatenrat. Oskar Müller trat 1922 der KPD
bei. Zwei Jahre später wurde er hauptamtlicher Sekretär der Bezirksleitung Hessen der KPD mit Zuständigkeit für die Gewerkschaftsleitung. Gleichzeitig wurde er in den preußischen Landtag gewählt, dem er bis 1933 angehörte.
Ab 1928 arbeitete Müller mehrere Jahre als Organisationsleiter der KPD in Hessen. Nach der Machtübernahme wurde ihm die illegale Organisationsleitung des Bezirks Berlin-Brandenburg übertragen. Am 22.11.1933 verhaftete ihn die Gestapo. Er wurde zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und weiter bis 1939 im Konzentrationslager Sachsenhausen festgehalten.
Vom Juni 1939 bis zum August 1944 konnte er in der Offenbacher Lederindustrie als Angestellter unterkommen. Im Rahmen der Aktion
"Gitter" wurde er erneut verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gesperrt. In Dachau bewährte er sich als Lagerältester.
Im Oktober 1945 setzten die Amerikaner ihn als Minister für Arbeit und Wohlfahrt unter Ministerpräsident Geiler ein. Er wurde 1947 abgelöst.
Müller konzentrierte sich wieder auf die Parteiarbeit. Er wurde 1948 Landesvorsitzender der KPD, jedoch 1949 wieder abgesetzt, weil er angeblich bei der Agenten-Bekämpfung nicht scharf genug gewesen sei. Er blieb aber Mitarbeiter des Parteivorstandes der KPD.
Von 1949-1953 gehörte Müller dem Deutschen Bundestag an. Er wurde 1953 für kurze Zeit verhaftet. Seither arbeitete er als einer der Präsidenten und als Generalsekretär der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in Frankfurt a. M.
Oskar Müller starb am 14. Januar 1970.
Wenn von den Folgen des Faschismus und den ersten zögernden Schritten eines Neubeginnens die Rede ist, muß auch an einen der profiliertesten Männer der ersten Stunde, an Oskar Müller, erinnern.
Die Erfahrungen an der Front machten aus demjungen Oberleutnant einen revolutionären Kämpfer gegen den deutschen Militarismus und führten ihn in die Reihen der KPD.
Unter den Bedingungen der Illegalität und es Terrors begann Oskar Müller mit Gleichgesinnten, den Widerstand gegen die nazistischen Machthaber zu organisieren. Zuchthaus und KZ konnten ihn nicht brechen.
Als Lagerältester des KZ Dachau - eine Funktion, die das große Vertrauen der in- und ausländischen Häftlinge ihm gegenüber zum Ausdruck brachte -, erlebte er die Befreiung im Jahr 1945. Das internationale Häftlingskomitee erklärte damals in einer Dankadresse: "Wenn in den letzten kritischen Tagen des SS-Regimes alle Kameraden der ernsten Situation entkommen konnten, so ist das zu einem sehr großen Teil das Werk Oskar Müllers gewesen."
Pater Johannes Maria Lenz schrieb in seinem Buch "Christus in Dachau": "Er ist wirklich der einzige Mann im Lager, der die Ordnung noch retten kann. Er hat auch seinerzeit zwei Brüder aus Nürnberg heimlich aus dem Lager entsandt. Sie sollten die Amerikaner eiliger herbeirufen zur Rettung des Lagers. Er kannte wie keiner die drohenden Gefahren. Der eine dieser Gesandten, Karl Riemer, erreichte sein Ziel. So wurden wir gerettet, drei Stunden vor der geplanten Niedermetzelung."
Trotz seines durch die lange Haft verursachten schlechten Gesundheitszustandes stellte sich Oskar Müller sofort nach der Rückkehr in seine Heimatstadt Frankfurt am Main für den demokratischen Neuaufbau zur Verfügung.
Oskar Müller gehörte zu den Schöpfern der Hessischen Verfassung, die auch seine Unterschrift trägt. Artikel 41 und 42 sehen die Überführung der Großindustrie in Gemeineigentum vor. Aussperrung ist nach der Hessischen Verfassung verboten.
In Einvernehmen und in ständiger Beratung mit den Gewerkschaften wurde vom Arbeitsministerium ein vorbildliches Betriebsrätegesetz geschaffen, in dem die paritätische Mitbestimmung voll verankert ist. Vieles, was in diesen ersten Nachkriegsjahren in Hessen entwickelt wurde, war vorbildlich und hatte Modellcharakter auch für andere Länder. Ursache hierfür war nicht zuletzt die selbstverständliche Zusammenarbeit zwischen Sozialdemokraten, Kommunisten und Christdemokraten.
Doch der bald einsetzende kalte Krieg und die Verbotsmaßnahmen der Besatzungsmacht machten die Verwirklichung all dessen, was ein echter Neubeginn hätte sein können, illusorisch und führten trotz des Widerstandes der demokratischen Öffentlichkeit zur Restauration der alten Machtverhältnisse.
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