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Der Flughafen Frankfurt

Seine Entwicklung und der Widerstand gegen die Ausbaumaßnahmen

Der Name Startbahn/West ist vielen noch in Erinnerung.

Rings um den Flughafen gab es Anfang der 80er eine der größten Bürgerbewegungen in der Bundesrepublik.

Solche Massenbewegungen - wie Whyl, Wackersdorf, Brockdorf haben die Grünen in die Parlamente gebracht.

Die Startbahn/West-Bewegung begann in Mörfelden-Walldorf. Die Stadt hat heute 31.000 Einwohner, liegt direkt im Süden des Frankfurter Flughafens. (Die DKP ist mit 5 Stadtverordneten im 45-Köpfe-Parlament und mit einem ehrenamtlichen Stadtrat vertreten.)

Nach dem Bau der Startbahn/West gab es ein paar Jahre Ruhe, dann wurde Wald gerodet für Cargo City Süd - im November 1997 wurden erneut große Ausbaupläne bekannt.

Es zeigt sich aber - die Ausbaubetreiber von heute haben die Auseinandersetzungen von gestern nicht vergessen. Die Ausbauforderungen werden raffinierter und mit vielen neuen Mitteln unter die Leute gebracht. Aber das Hauptargument von gestern ist auch das von heute: Arbeitsplätze.

Mittlerweile gibt es rings um den Frankfurter Flughafen 26 Bürgerinitiativen die gegen den Ausbau antreten. Monatlich tagt ein Plenum - die Bürgerinitiativen haben eine eigene Zeitung.

Trotzdem wird es sicher nicht zu der gleichen Massenbewegung kommen wie 1980-1983.

Hauptgründe:

  1. Es herrscht Resignation. Aussagen: "Wir waren damals bei einer Demonstration in Wiesbaden 150.000 und trotzdem hat man betoniert." "Wir haben 160.000 Unterschriften gesammelt - aber die da oben machen ja doch was sie wollen."
  2. Die angewachsene Arbeitslosigkeit. "Ich will meinen Job behalten auf dem Flughafen".
  3. Wir haben in der Region mit 7-9% eine relativ niedrige Arbeitslosigkeit. Wenn zwei Arbeit haben, können sie auch zweimal im Jahr in den Urlaub fliegen. Schön, wenn der Flughafen in der Nähe ist.

In vielen Diskussionen erfährt man Politikverdrossenheit. Es heißt dann: "Der frühere Ministerpräsident Börner sagte am Ende der Startbahnbewegung: Kein Baum wird mehr fallen - mittlerweile sind dort schon wieder 140 ha umgesägt worden."

Oder: "Am 14. Dezember 1992 wurde der Frankfurter Wald zum "Bannwald" erklärt. Jetzt will man ihn für eine Nordbahn umsägen".

Ein paar Zahlen zur Entwicklung des Frankfurter Flughafens:

Seit 1978 wurde dort eine Waldfläche in der Größe von 505 Fußballfeldern gerodet.

Wir hatten 1997 392.000 Flugbewegungen im Jahr, 1998 gab es 413.000, im Jahr 2002 sollen es 524.000 werden.

Eine Gesamtbelastungsstudie gibt es nicht. Sie gibt es - als Vorarbeit - unveröffentlicht in den Schubladen der Regierung in Wiesbaden.

Zu den Belastungen des Umlandes:

Momentan haben wir bis zu 76 Flugbewegungen pro Stunde - in Spitzezeiten werden aber bis 110 abgefertigt.

Vor 8 Jahren hatten wir 40 Nachtflüge - heute sind es 104 - Tendenz steigend.

Wer immer wieder nachts aufwacht bekommt sehr schnell Herz-Kreislauf-Probleme.

Ein Betroffener: "Wenn ich nach einem Überflug um 4 Uhr senkrecht im Bett sitze - fühle ich mich ohnmächtig vor Ärger."

Was tun?

Beim Studium aller Flugbewegungen kam der BUND auf 87.000 Flüge, deren Ziele vom Frankfurter Hauptbahnhof aus - zum Teil schon heute - in vier Stunden mit der Bahn zu erreichen sind.

Wir haben z.Zt. bei der Lufthansa jährlich 3600 Flüge zwischen Frankfurt und Stuttgart. Muß das sein?

In veröffentlichten Anzeigen konnte man lesen:

Beispiele: FR "Shopping in New York" (1498,- DM) oder "Golfen rund um die Welt" (WamS 14.12.97) oder ". . . für 99 Mark nach München" fliegen etc.

Zur Fracht:

Die Luftfracht nahm 1997 um 2,5% auf 1,4 Millionen Tonnen zu.

Aus der Presse:

"Es werden elektronische Bauteile in Deutschland produziert, nach Taiwan geflogen, dort verpackt und wieder nach Deutschland zurückgeflogen.

Pkw-Kunststoffbauteile in Asien billigst hergestellt und dann zur Montage hier eingeflogen.

Jeanshosen in Deutschland vorproduziert, in Asien genäht und wieder zurückgeholt.

Autokotflügel in Detroit gefertigt, nach Frankfurt geflogen und nach Turin gefahren" etc., etc.

Ich hatte einen Vertreterbesuch. Er machte für meine kleine Werbefirma ein Angebot: "Lassen Sie doch in Malaysia drucken."

Der Unsinn rechnet sich. Wir haben also auch hohe Flugbewegungen, weil das Kerosin so billig ist, weil die Folgeschäden nicht beachtet werden, weil idiotische Bedürfnisse geweckt werden.

Einige machen Profite. Der Wald schwindet und das Umland leidet unter Krach und Abgasen.

Zum Hauptargument der Ausbaubetreiber - Arbeitsplätze:

Heute sind am Flughafen 54.000 Menschen beschäftigt.

Der Flughafen hat viel aufgefangen: 1978 bis 1996 kam es dort zu einem Zuwachs von 24.000 Arbeitsplätzen.

Im Umland sind sie verschwunden.

Der Flughafen wird als Jobmaschine gelobt.

Der FAG-Betriebsrat Kollege Blonski sagt: "Die Produktivität wurde seit 1991 um 30% erhöht. Oder: 6% mehr Beschäftigte seit 1991 fertigen heute 44% mehr Passagiere und 23% mehr Maschinen ab."

Lean-Production also auch hier. Der Flughafen will zur Jahrtausend-Wende an die Börse.

Wie weiter:

Die DKP Hessen lehnt die Erweiterung des Frankfurter Flughafens ab. Wir wollen keine neue Startbahn und keine Erhöhung der Flugbewegungen.

Die Grünen sind nicht überall in Hessen dagegen.

Die SPD hat in der Flughafenregion vor 15 Jahren herbe Stimmenverluste erlitten. Dort laviert sie. Sonst ist sie für den Ausbau.

CDU und FDP wollen einen Ausbau - koste es was es wolle.

Die Bürgeriniativen sagen:

Die Grenze der Belastbarkeit der Bürgerinnen und Bürger im Rhein-Main-Ballungsgebiet ist überschritten.

Zweifellos hat der Flughafen Frankfurt eine große wirtschaftliche Bedeutung. Er ist aber keinesfalls eine "Jobmaschine", wie es Landespolitiker darstellen.

Es heißt, der Flughafen steht im "nationalen und internationalen Wettbewerb" und ist zum Ausbau gezwungen. Wir erkennen diese "Logik", dieses "fressen oder gefressen werden", nicht an. Was uns die Flughafenerweiterungsbefürworter hier als Sachzwang verkaufen, ist nicht anderes als das Wolfsgesetz der kapitalistischen Konkurrenz, unter dem letztendlich immer die arbeitende Bevölkerung zu leiden hat.

Wir fordern intelligente Lösungen damit die Belastungen, die vom Flughafen ausgehen, minimiert werden. Dazu gehören die Einführung einer Kerosinbesteuerung und die Abschaffung der Subventionen für den Luftverkehr. Bei den Planungen am Frankfurter Flughafen darf es keine Lösung gegen die Region und die Interessen der Bürgerinnen und Bürger des Umlandes geben.

Wir wollen keine weiteren Waldverluste und wir wollen auch, daß über Sicherheit diskutiert wird.

Nicht vergessen ist die Katastrophe von Amsterdam 1982. Hier stürzte ein EL-AL-Jumbo mitten in die Hochhäuser. Geladen hatte er u.a. Giftgas für ein israelisches Labor.

Fragen darf man: Wann passiert so etwas in Frankfurt - bei täglich 1200 Flügen?

Die Leute haben schon Angst vor noch mehr Lärm und Dreck:

Eine neue Landebahn hätte ein neues kilometerlanges Lärmband von Offenbach bis Wiesbaden zur Folge.

Alte Ziele und neue Tricks:

Hessens Ministerpräsident Hans Eichel hat eine Gesprächsrunde arrangiert mit der Absicht, den Widerstand gegen weitere Ausbaumaßnahmen psychologisch auszuhebeln und das Thema Flughafenerweiterung aus dem Landtagswahlkampf herauszuhalten. In der Mediationsrunde soll letztlich darüber diskutiert werden, "wie" der Flughafen wachsen soll und nicht "ob" er wachsen soll. Wir lehnen eine solche Mediation ab.

Wir fordern: Eine Gesamtbelastungsstudie und sofortige Maßnahmen zur Reduzierung der Umweltbelastungen im Rhein-Main-Ballungsgebiet. Nachtflugverbot statt Ausweitung der Nachtflüge!


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



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