FAG Frankfurt: "Che ist tot!"
Wenn ich zum Flughafen nach Frankfurt fahre, um einen Freund samt seiner
Brigade "Che Guevara" auf dem Weg nach Cuba zu verabschieden, denke
ich nicht daran, mich mit dem dortigen Personal anzulegen und politische
Diskussionen auszulösen.
Aber klare politische Anweisungen scheint die Flughafen AG (oder kurz: FAG) ihren Angestellten
schon vermittelt zu haben. Dies mußte ich erfahren, als ich meinem Freund
helfen wollte, seinen Anschluß an die anderen Brigadisten zu finden.
"Nix leichter als das", dachte ich, bewegte mich auf den
Informationsschalter zu und bat die Dame, die sich gleich nachdem ich mich
bemerkbar gemacht hatte, mit Schreibblock und Stift bereit hielt, sie solle
doch bitte die Freundlichkeit besitzen, die DKP-Brigade Che Guevara auszurufen,
bzw. noch nicht einmal die gesamte Brigade, mir hätte ja schon ein Genosse
gereicht.
Die routinierte Schreibhaltung wurde von der Dame flugs abgebrochen; sie
starrte mich erschrocken an und meinte besorgt: "Oh, ob ich das ausrufen lassen darf? Na, da frag ich
doch lieber noch mal nach", und griff zum Telefonhörer.
In der Zwischenzeit sah ich auf der Abflugtafel, daß der Flug ganze
vier Stunden Verspätung haben würde, so daß ich auch wieder
etwas ruhiger wurde und den hiesigen Perfektionismus gelassen über mich
ergehen ließ. Als sie den Hörer wieder auflegte, konnte ich keine
mitleidige Besorgnis mehr in ihren Gesichtszügen erkennen; sie waren
geprägt von übergossener Bestimmtheit: "Nein, auf keinen Fall lass' ich das ausrufen. Am Ende
ist das noch was gegen den Staat oder so. Und das Wort Brigade ist uns
verboten, es auszurufen zu lassen."
Meine Unfaßbarkeit stellte ich nun einmal kurz hinter meinen akuten
Lösungsgedanken und machte den Vorschlag, wenn nur Namen, dann halt
"Gruppe Che Guevara" ausrufen zu lassen. Nun hatte ich mit vielem
gerechnet, aber nicht mit dem forsch ausgestoßenen Satz:
"Das geht nicht, Che ist tot."
Daß ich das in dem Moment anders sah, interessierte sie wohl weniger.
Also machte ich noch einen Vorschlag, der den Ortsnamen "Matanzas"
vorgab; und als sie nun nicht mehr konterte und ich mich wieder von der
hilfsbereiten, mit politisch fragwürdigen Kenntnissen begnadeten jungen
Dame entfernen konnte, rückte die hinter mir gebildete Schlange nach, und
ich verabschiedete mich mit einem freundlichen aber nachdrücklichen:
"El Che vive!"
St. Schmitz
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