Logo DKP Adresse der DKP Hessen als Bild mit Link zur Email-Adresse
Suche auf DKP-Hessen
durchgeführt von FreeFind
HomepageLinksFundusForumPersönlichkeitenVeranstaltungenBücher
Thema:
Hesseninfo

Kleinzeitungen:
Mörfelden-Walldorf
Gießen
Reinheim
Kreis Darmstadt
Marburger Echo
Taunus Echo
Wiesbaden
Archiv

DKP vor Ort:
Darmstadt-Dieburg
Frankfurt
Fulda-Vogelsberg
Gießen
Nordhessen
Hochtaunus
Wiesbaden
Kassel
Lahn-Dill
Marburg
Offenbach
Main-Kinzig/Hanau
Main-Taunus
Groß Gerau



Kommunisten in Mörfelden-Walldorf

Nur wer den Kopf hebt wird gesehen

Wenn es in einer Kommune seit 30 Jahren Kommunisten im Stadtparlament gibt, dann gibt es dort auch Erfahrungen die für andere Linke von Interesse sind. Zum Beispiel in Mörfelden-Walldorf, die Stadt in der ich wohne.

Mörfelden-Walldorf, 31.000 Einwohner, ganz in der Nähe des Frankfurter Flughafens und der Startbahn-West. Jetzt kann man meist die Gegend orten.

Mörfelden-Walldorf ist eigentlich eine Doppelstadt, zwischen Mörfelden und Walldorf liegen immer noch 2 km Ackerland und eine Gesamtschule, die nach Bertha von Suttner benannt ist.

In Mörfelden hat die kommunistische Arbeiterbewegung eine Tradition. Vor 1933 gab es in dem Maurerdorf, das man auch Klein-Moskau nannte, den ersten kommunistischen Bürgermeister in Hessen. Bei der Reichspräsidentenwahl am 13. März 1932 erhält Ernst Thälmann 1737 Stimmen, Hindenburg 850 und Hitler 264.

Willi Münzenberg und Erich Weinert sprachen im Volkshaus. Das Dorf wurde bekannt, und lange trauten sich die Nazis nicht hinein. Aber dann wehte doch das Hakenkreuz auf dem Rathaus und aus dem Dorf, es hatte gerade mal 5000 Einwohner, schafften die Nazis 70 KPD-Genossen nach Osthofen ins KZ. Anna Seghers hat dem Lager mit dem Buch "Das siebte Kreuz" ein bleibendes Denkmal gesetzt.

1945 zogen hier, wie an vielen anderen Orten Kommunisten und Sozialdemokraten den Karren aus dem Dreck. Doch bald war Kalter Krieg. 1951 wird die FDJ verboten, am 17. August 1956 die KPD. Kommunisten treffen sich illegal in 5er-Gruppen (Damals schon: Vorsicht vor dem "Lauschangriff", Radio an, Kissen aufs Telefon). Aber sie kandidierten trotzdem für das Kommunalparlament, wurden auch gewählt unter Namen wie "ELAS" (Einheitsliste aller Schaffenden) oder "SDO" (Sozialistisch Demokratische Opposition). Und natürlich wurden sie verfolgt: Verhöre, Anklagen, Verbote.

Viele können sich nicht mehr hineindenken in diese Zeit. Aber bei der Beurteilung dieses Geschichtsabschnittes muß man die 500.000 Ermittlungsverfahren und die 35.000 Urteile gegen Kommunisten in der Bundesrepublik mit einbeziehen.

Das ist Geschichte die dazu gehört, wenn man über unsere heutige Arbeit berichtet. Denn linke und antifaschistische Traditionen gibt es auch in anderen Städten. Nur nützt die ganze Tradition nichts, wenn man nicht ständig daran arbeitet. Vielleicht meint das ja Goethe, wenn er im Faust sagt: "Was du ererbt von deinen Väter hast, erwirb es, um es zu besitzen!"

Am 26. September 1968 konstituierte sich die DKP, zwei Tage später die DKP in Mörfelden. In der ersten öffentlichen Erklärung der örtlichen DKP: "Es ist gerade jetzt notwendig, gemeinsam mit den Gewerkschaften und den Sozialdemokraten, mit Liberalen und Christen der immer stärker werdenden Rechtsentwicklung entgegenzuwirken." Eine Art Motto, das bis heute über unserer Kommunalpolitik steht. Was macht man daraus? Wie wird es umgesetzt?

In unserer Stadt gäbe es ohne die DKP im Parlament mit Sicherheit keine Gedenkstätten für die Opfer des Faschismus. Aber - es gibt einen Gedenkstein am Waldrand für ein ehemaliges KZ-Außenlager in dem 1700 ungarische Jüdinnen drangsaliert wurden, einen Gedenkstein für die ehemalige Synagoge in Mörfelden, einen Gedenkstein für die Opfer des NS-Regimes auf dem Friedhof, einen Salvador-Allende-Platz und eine Thälmannstraße.

Die Thälmannstraße - sie gab es natürlich schon ab 1946. Aber dann wurde sie im kalten Krieg umbenannt (wie eigentlich überall in Westdeutschland). Nach jahrelangem Kampf wurde sie mit den Stimmen der SPD und der DKP in den 70er Jahren neu durchgesetzt. Die CDU ärgerte sich maßlos und wollte sich 1990 rächen, indem sie den Antrag stellte, die Straße erneut umzubenennen. SPD, Grüne und DKP verhinderten es. Das waren aber nicht einfach Anträge im Parlament, da gab es jeweils eine außerparlamentarische Begleitung und manchmal eine lange Kampagne.

Ein wichtiges Instrument, um außerparlamentarischen Druck überhaupt entwickeln zu können, ist unsere Stadtzeitung "blickpunkt". Sie erscheint seit 1970 monatlich, hat eine Auflage von 12.500 Exemplaren und ist natürlich - der Bürgermeister pflegt sich bisweilen so auszudrücken "eine Institution". Ohne diese Zeitung hätten wir bei der Kommunalwahl keine 10,2% Wählerstimmen erhalten. Ohne die Zeitung gäbe es keine 5 DKP-Stadtverordneten und einen ehrenamtlichen Magistrat. Alle liefern natürlich jede, aber wirklich jede Mark Sitzungsgeld ab und finanzieren damit wieder vorwiegend den "blickpunkt". "Vorwiegend" deshalb, weil sich außerdem um die Zeitung ein stabiler Spenderkreis entwickelt hat. Und ohne die monatliche Zeitung wäre die Partei in diesen komplizierten Zeiten nach 1989 auch nicht so zusammengeblieben. (Doch nicht so falsch, das Wort vom "kollektiven Organisator").

Exotische Verhältnisse für Kommunisten?
Ja!
Wie das?
Noch mal Faust: "Das ist der Weisheit letzter Schluß: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muß."
Also ein Plädoyer für tägliche Aktivität.

Wenn man mich fragt, was kann man als Kommunist oder Sozialist machen in einem Kommunalparlament, in dem die SPD 22, die CDU 12, die Grünen 6 und die Kommunisten 5 Sitze haben?

Dann fallen wir immer wenige Sätze ein:

1. Alles tun für die "kleinen Leute". Keine Gebührenerhöhungen. Kleinarbeit gibt es nicht, man muß sich um jeden Kanaldeckel kümmern.
2. Man kann und muß das kleinste Parlament als Tribüne nutzen. Die Presse ist da, also sagen wir: "Warum kein Geld da ist". Man muß Friedenspolitik machen, antifaschistische Politik.
3. Man muß das "Sitzungsgeld" verwenden, um "Druck" zu machen.
4. Man darf nicht "abrutschen" und nur noch an der Kommunalpolitik hängen.

Gerade der letzte Punkt ist uns wichtig. Wir machen regelmäßig unser Diskussionsforum "Linke Runde", machen Grillfeste, Kinderveranstaltungen. Im Februar feierten wir den 100. von Bertolt Brecht und hatten einen Tag später Gregor Gysi vor 400 Versammlungsteilnehmern und selbstverständlich verteilen wir am 8. März wieder hunderte roter Nelken auf der Straße, in Kindergärten, der Verwaltung, bei den Banken.
Und - passen wir auf, daß wir bei allem nicht zu "legalistisch" werden. Es ist noch nicht lange her, da überschrieben wir die Plakate der REPs mit "Keine Stimme den neuen Nazis". Die Sache landete vor dem Amtsgericht und kostete Geld (ein Flugblatt hätte aber auch Geld gekostet).
Wenn der lange Atem da ist, dann gibt es auch Erfolge - sichtbare (Wählerstimmen), aber auch Erfolge die man nicht auf den ersten Blick sieht. Nennen wir es "linkes, liberales Klima".

Beispiel 1:
Unsere Stadt war die erste, die sich nach einer DKP-Initiative zur "Atomwaffenfreien Zone" erklärte. Im August '97 hängte ein wenig sensibler SPD-Bürgermeister die Schilder ab. "Nicht mehr zeitgemäß", meinte er. Dieser Tage mußte sie der Bauhof wieder anschrauben, weil dies ein Beschluß der SPD-DKP-Grüne-Fraktionen verlangte. Natürlich hat dazu auch beigetragen, daß seit einem Jahr SPD und DKP ein Tolerierungsabkommen haben, d.h. mit unserer Enthaltung kann ein SPD-Haushalt durchkommen. Dafür sicherte uns dann die SPD u.a. zu, daß die Kita-Gebühren zwei Jahre nicht steigen.

Beispiel 2:
Die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend und die DKP hatten vor Jahren das total vergessene und verdrängte KZ-Außenlager in unserer Stadt entdeckt und darüber viel veröffentlicht. Heute ist es ein Thema von Schulklassen, die Überlebende suchen, bei der Baufirma Züblin für Opferentschädigung kämpfen, den Wald säubern, damit demnächst von der Stadt ein Lehrpfad eingerichtet werden kann.
Natürlich unterstützt die DKP alle diese Aktivitäten. Jährlich gibt es eine Kundgebung der "Aktion Toleranz" am Stein für die ehemalige Synagoge. Wir haben selbst viele Broschüren und Bücher zur jüngsten Geschichte veröffentlicht. Ich selbst mache mit Schulklassen "alternative Stadtführungen" und erzähle den Schülerinnen und Schülern u.a. etwas von der jüdischen Geschichte.

Viele Themen sind "Bündnis-Themen": Startbahn-West, die neuen Startbahnpläne am Flughafen, Friedensbewegung, antifaschistische Politik, die Castor-Transporte. Selbstverständlich, daß wir mitmachen, mitgestalten. Dabei entwickelte sich über viele Jahre ein gutes Verhältnis zu den Kirchen und den örtlichen Pfarrern.

Da scheint mir wichtig. Wir dürfen uns unsere Geschichte nicht stehlen lassen. Jahrelang wurden Mitglieder der KPD verfolgt und in die Zuchthäuser geworfen. Es waren oft dieselben Menschen, die 11 Jahre vorher aus den Konzentrationslagern Hitlers kamen. Über diesen Teil der BRD-Geschichte muß man reden. Wir müssen uns auch zu unseren verlorenen Hoffnungen und Fehlern bekennen.

In der DKP gab es eine vor allem geschichtlich begründete Orientierung. Unsere prinzipielle Solidarität mit der Sowjetunion, der DDR und den anderen sozialistischen Staaten, geboren aus dem Wissen um die geschichtliche Rolle der Oktoberrevolution, aus unserer Achtung vor dem entscheidenden Beitrag der Sowjetunion zum Sieg über den Hitlerfaschismus, ebenso auch unsere Überzeugung, daß der Imperialismus alles unternehmen würde, die historische Entwicklung zurückzudrehen, führte dazu, Probleme des entstehenden Sozialismus nicht zu sehen. Wir idealisierten den erreichten Entwicklungsstand der sozialistischen Länder, erklärten ihre Gesellschaft zum "entwickelten Sozialismus", wollten Demokratiedefizite nicht sehen.
Der Zusammenbruch der UdSSR, die Einverleibung der DDR hat uns Kommunisten schwer getroffen. Aber sind damit die Gründe weggefallen, die 1968 zur Konstituierung der DKP führten?

Wir sind damals angetreten gegen Rechtsentwicklung und neofaschistische Gefahr. Wer kann heute angesichts des Aufflammens des neofaschistischen Terrors und allseitiger Rechtsentwicklung in unserem Land behaupten, daß heute eine DKP weniger wichtig wäre als 1968?
Heute zeigt das Kapital sein brutales Gesicht bei der Restauration der alten Besitz- und Machtverhältnisse in der ehemaligen DDR, befreit vom Systemgegensatz und den davon erzwungenen Zugeständnissen, ist es dabei, auf ganzer Front soziale und demokratische Errungenschaften abzubauen - sollte man da auf entschiedene antikapitalistische Politik verzichten?

Für eine marxistische Partei, die frei von Dogmatismus ihre schöpferischen Kräfte entfaltet, sich einschaltet in die Tageskämpfe und zugleich die sozialistische Zukunft mit dem Tageskampf verbindet, gibt es in diesem Land mehr zu tun als zuvor.

Und die PDS? Ich meine, wir müssen uns nach heutigen Stand auf ein langes Miteinander und Nebeneinander der DKP und der PDS einrichten.

Wir wollen die DKP entwickeln, die PDS will stärker werden. Unterschiedliche Haltungen wird es geben. Eine Konkurrenzsituation kann eintreten. Trotzdem sollte zwischen beiden Parteien ein solidarisches Verhältnis geschaffen werden. Gegenseitiger Erfahrungsaustausch, der Austausch von Publikationen, gemeinsame Aktionen sind anzustreben. Angesichts der Ergebnisse des entfesselten Kapitalismus, angesichts der 5 Millionen Arbeitslosen, sind antikapitalistische Antworten und Auswege nötig (unsere "Klassiker" werden noch lange als Ratgeber gebraucht).

Wir sollten uns alle so verhalten, daß linke Politik sich entwickelt und sich nicht gegenseitig behindert.

Für diese unsere Überzeugung muß man eintreten. Jeden Tag.

Nur wer den Kopf hebt wird gesehen!

 

Rudi Hechler, Hochstraße 22, 64546 Mörfelden-Walldorf, Tel. 06105/22362


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



Löwe von DKP Hessen


DKP und UZ stärken!
DKP und UZ
 
Mitgliedswerbung für DKP

UZ Abo-Karte als PDF
laden
ausdrucken
ausfüllen
abschicken