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Unterschriften gegen Züblin

Pressekonferenz in Mörfelden-Walldorf

In der Auseinandersetzung mit der Stuttgarter Baufirma Züblin, die 1944 1700 ungarische Jüdinnen des KZ-Außenlagers Walldorf am Frankfurter Flughafen schuften ließ, um Anerkennung der Schuld und Entschädigung ist jetzt eine eindrucksvolle Unterschriftenliste vorgelegt worden.

Wie die UZ mehrfach berichtet hat, sind an die Firma wegen der Sklavenarbeit seit langem von vielen Seiten entsprechende Forderungen herangetragen worden, die bislang samt und sonders brüsk zurückgewiesen worden sind; Stellungnahmen wurden kaltschnäuzig verweigert.

Nun hat für einen Initiativkreis Frau Helga Glanz auf einer Pressekonferenz am 13. Oktober in der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule in Mörfelden-Walldorf eine Liste von Unterschriften für die Forderungen an die Firma Züblin vorgelegt. Helga Glanz erläuterte die Arbeit der Initiativgruppe und würdigte die außerordentliche Qualität der Unterschriften:

Im August startete die Initiativgruppe ihre Unterschriftensammlung "Appell an Züblin". Äußerer Anlaß war die Presseerklärung des Vorstandes der Firma Züblin zum KZ-Außenlager in Walldorf. Sie stieß nicht nur bei uns, sondern bei vielen Menschen auf Empörung und Unverständnis.

In zahlreichen Gesprächen und Anrufen aufgrund von Presseartikeln verschiedener Zeitungen sowie Berichten in Rundfunk und Fernsehen kam diese Empörung immer wieder zum Ausdruck. So lag es nahe, diesen vielen Stimmen Gehör zu verschaffen und sie mit einer Unterschriftenaktion zu bündeln.

Wir waren überrascht, wie groß die Reaktion war. Trotz Sommerferien und Bundestagswahl sind bislang weit über 1000 Unterschriften zusammengekommen, und viele Listen sind noch "unterwegs". Die meisten Unterschriften kommen aus dem Rhein-Main-Gebiet, doch es sind auch Unterschriften aus anderen Städten dabei.

Viele Personen wichtiger Gremien oder Organisationen aus dem gesellschaftlichen und politischen Bereich sowohl auf örtlicher als auch überörtlicher Ebene haben unterschrieben. So finden Sie, angefangen bei unserem Stadtverordnetenvorsteher, Herrn Prof. Oeser, über den Schulleiter dieser Schule, Herrn Weinberg, den evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrern bis zu den Ortsverbänden aller im Stadtparlament vertretenen Parteien noch viele andere Gruppierungen aus Mörfelden-Walldorf.

Ferner sind der Erste Kreisbeigeordnete des Kreises Groß-Gerau sowie die Vorsitzende der Regionalversammlung, Frau Hildebrand, Kreis, Bezirk und Region ebenso vertreten wie Personen und Gruppen, die sich mit jüdischer Geschichte und Kultur befassen, an Gedenkstätten und Universität wissenschaftlich arbeiten oder sich direkt um Entschädigungen kümmern. Hier sind vor allem der Direktor und stellvertretende Direktor des Jüdischen Museums, Dr. Heuberger und Dr. Wachten, Prof. Mausbach von der FH Frankfurt, Frau Knigge-Tesche, Referatsleiterin für Gedenkstätten in der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, Hanno Loewy, Leiter des Fritz-Bauer-Instituts, und Dr. Brozik, Direktor der Jewish Claims Conference, zu nennen.

Der Elternbund Hessen sowie der Bundesvorsitzende und Bundesvorstand der IG BAU haben ihre Unterstützung schriftlich geäußert.

Bislang haben wir eine breit gefächerte Unterstützung erhalten. Wir hoffen, daß diese vielen Unterschriften Züblin bewegen werden, endlich von der bisherigen Haltung Abstand zu nehmen und im Sinne der damals so geschundenen Mädchen und Frauen tätig zu werden. Bisher aber gibt es kaum Veränderungen. Dies zeigt auch ganz deutlich der vor ein paar Tagen eingegangene Brief an den Schulleiter. Als sich die Schülerinnen und Schüler im letzten Gespräch zu Recht weigerten, für Züblin wissenschaftlich-historische Arbeit ehrenamtlich zu leisten und klar zum Ausdruck brachten, daß sie sich als Sprachrohr der jüdischen Mädchen und Frauen verstehen, wird dem Schulleiter ein oberlehrerhafter Brief geschickt.

Die Unterschriften sollen am 6. November in der Frankfurter Niederlassung der Firma Züblin übergeben werden.

 

UZ unsere zeit, Zeitung der DKP, Nr. 44, 30. Oktober 1998
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• Autor: DKP Hessen •



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