Sozialismusvorstellungen der DKP
Sozialismus die historische Alternative zum Kapitalismus
- Arbeits- und Diskussionsgrundlage -
Beschlossen auf dem 14. Parteitag der DKP, Hannover, 22. bis 24. Mai 1998
Die wissenschaftlich-technische Revolution hat in unserem Jahrhundert fast
unermeßliche Möglichkeiten geschaffen, um menschliches Leben zu
verbessern. Noch nie hatten die Menschen so viele Chancen, ihre
Produktivität und Kreativität zu entfalten und zugleich physische
Belastungen zu verringern. Es wäre heute möglich, Hunger und Elend
weltweit zu überwinden, den Menschen ein würdiges Leben ohne Armut zu
ermöglichen und gleichzeitig die Erde künftigen Generationen als
lebensfähiges Ökosystem zu übergeben.
Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Das gewaltige Wachstum der
Produktivkräfte und die Zunahme gesellschaftlichen Reichtums geschah unter
der Vorherrschaft kapitalistischer Produktionsverhältnisse. Diese
förderten zunächst den wissenschaftlich-technischen und in den
Industrieländern als Folge des organisierten Kampfes der
Arbeiterklasse auch den sozialen Fortschritt. Doch die Entwicklung der
Produktivkräfte dient dem Kapitalismus allein als Mittel der
Kapitalverwertung. So wird sie zur Gefahr für die Existenzgrundlage
menschlichen Lebens überhaupt. Der Kampf der imperialistischen Zentren um
die Aufteilung von Rohstoffquellen, Absatzmärkten und Einflußzonen
fördert militärische Konflikte überall auf der Welt und birgt
die Gefahr eines großen Krieges in sich.
Möglich ist heute die Vernichtung der Menschheit sowie der höher
entwickelten Natur durch einen nuklearen, chemischen oder biologischen Krieg
und die Manipulation der menschlichen Gene. Die Zerstörung der lebenden
Umwelt schreitet voran und wird unwiderruflich. Unter den Zwängen der
Kapitalakkumulation dem Prinzip dieser Gesellschaftsformation
gibt es kein Mittel, diese Gefahren wirksam zu bannen. Jeder
wissenschaftlich-technische Fortschritt ist unter kapitalistischen Bedingungen
von Degeneration und Zerstörung begleitet. Die barbarische Wirklichkeit
des Kapitalismus ist in den programmatischen Thesen der DKP, die die Grundlage
des Aktionsprogramms und der Sozialismusvorstellungen bilden, genauer
charakterisiert worden.
Grundlage der heutigen Gesellschaft ist die arbeitsteilige Warenproduktion.
Praktisch alles wird nicht mehr für den unmittelbaren Verbrauch des
jeweiligen Produzenten sondern in der Gesellschaft für den
gesellschaftlichen Austausch produziert. Aber der Grundwiderspruch der
kapitalistischen Produktionsweise liegt im Widerspruch zwischen dem
gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen
Aneignung der Ergebnisse der Produktion.
Produktionsmittel, Rohstoffe und Arbeitskraft müssen sich erst in Waren
und dann in Kapital verwandeln, bevor die Produktion beginnen kann; und die
Produktion hat für den Kapitalbesitzer das einzige Ziel, Kapital zu
verwerten, aus der Arbeit Mehrwert herauszupressen und diesen durch den Verkauf
der hergestellten Waren zu realisieren, um den ganzen Prozeß auf neuer
Stufe in erweitertem Umfang von vorn zu beginnen.
Auf diese Weise hat der Kapitalismus die Produktivität ungeheuer
erhöht. Aber jede Rationalisierung bedeutet hier nicht nur Produktion von
mehr Produkten mit weniger Arbeit, sondern gleichzeitig auch Produktion von
mehr Arbeitslosigkeit auf der einen und stärkerer Ausbeutung auf der
anderen Seite.
Gleichzeitig werden die von einem Arbeiter in Gang gesetzten
Produktionsmittel immer gigantischer, immer mehr des gesellschaftlichen
Reichtums muß in den Händen weniger konzentriert werden, um im
Prozeß der kapitalistischen Konkurrenz weltweit bestehen zu können.
Der Kapitalismus ist demnach Produktion nicht um des Menschen willen,
sondern um des Profits willen. Nicht der Mensch beherrscht seine Produktion,
sondern diese beherrscht die Gesellschaft und stellt sich in Form von
Sachzwängen dar, Sachzwängen des Kapitalismus, der kapitalistischen
Konkurrenz, der Profitmaximierung. Deshalb werden Millionen von
Arbeitsplätzen vernichtet, und die Menschen somit (oftmals) um ihre
Existenz gebracht. Durch die Entfremdung der Menschen vom
Produktionsprozeß und von den Produktionsbedingungen sind sie auch nicht
in der Lage, ihre Lebensverhältnisse zu bestimmen, sondern sind ihnen
ohnmächtig ausgeliefert. Unter kapitalistischen Bedingungen wird der
Mensch vom Subjekt zum Objekt der Geschichte; und die
Produktionsverhältnisse werden vom Objekt menschlicher
Gestaltungsmöglichkeiten zum Subjekt der Geschichte.
Mit dem Kapitalismus brechen!
Ziel der Kommunistinnen und Kommunisten ist es, diese Ursache von Ausbeutung
und Entfremdung, von Krieg und Hunger, von Armut und Obdachlosigkeit, von
Arbeitshetze und Arbeitslosigkeit, von Umweltzerstörung, Diskriminierung,
Rassismus, Nationalismus und Unterdrückung zu beseitigen.
Das ist nicht möglich, wenn man im Rahmen der Sachzwänge des
Kapitals bleibt!
Dazu ist der revolutionäre Bruch mit dem Kapitalismus notwendig, die
Aufhebung des Privateigentums an Produktionsmitteln, die von Ausbeutung freie
gesellschaftliche Arbeit, die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die
Produktion für die Bedürfnisse der Menschen nach gemeinschaftlich
erarbeitetem Plan und die gesellschaftliche Aneignung des gesellschaftlichen
Reichtums.
Heute sind alle sachlichen Voraussetzungen gegeben, daß für alle
Menschen Arbeitsplätze bereitstehen, ja sogar dafür, daß alle
Menschen nur noch einen Bruchteil der Arbeit leisten müßten, um
allen ein Leben in Würde zu garantieren.
Dazu aber bedarf es einer anderen Gesellschaftsordnung. Die Perspektive
einer solchen Gesellschaft ist kein frommer Wunsch. Sie erwächst aus den
Widersprüchen der heutigen kapitalistischen Gesellschaft selbst. Deren
Entwicklungen sind es, die die Notwendigkeit und Möglichkeit des
Sozialismus immer wieder neu hervorbringen. Die eigenen Widersprüche
lassen den Kapitalismus an seine Grenzen stoßen, an denen er Elemente zur
Krisenbewältigung in Anspruch nehmen muß, die bereits die
Perspektive einer anderen Gesellschaft ahnen lassen. Die Verwirklichung dieser
anderen Gesellschaft aber erfordert den kämpferischen Einsatz der
Menschen.
Der Kapitalismus polarisiert die Gesellschaft in zwei große
gegensätzliche Klassen: In diejenigen, die über die modernen
Produktionsmittel und damit über den gesellschaftlichen Reichtum
verfügen und diejenigen, die von dieser Verfügung ausgeschlossen
sind, die nichts zu verkaufen haben als ihre körperlichen und geistigen
Fähigkeiten, ihre Arbeitskraft. Aus diesem Grunde nennen wir diese zweite
Klasse weiterhin die Arbeiterklasse, wohl wissend, daß diese Klasse heute
in sich vielfach strukturiert ist.
Die Arbeiterklasse ist die wichtigste Trägerin der
Produktivkräfte. Entsprechend ihrer praktischen Rolle in der Produktion
der gesellschaftlichen Reichtümer kann nur sie die entscheidende Kraft zur
Rettung der menschlichen Zivilisation und zur Erkämpfung des
Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus sein. Um diese Aufgaben zu
verwirklichen, wird sie das Bündnis mit allen Klassen und Schichten
suchen, deren Interessen oder Teilinteressen mit denen der Arbeiterklasse
zusammenfallen. Die neue Gesellschaft wird nur entstehen, wenn sie sich auf die
Zustimmung einer großen Mehrheit stützen kann, die die Alternative
zum Kapitalismus tatsächlich will und dafür eintritt.
Doch diese neue Gesellschaft wird und muß anders aussehen als die
ersten Versuche in diesem Jahrhundert. Denn die historischen Voraussetzungen
dieser Gesellschaft werden andere sein und wir müssen aus den
unübersehbaren Fehlern der ersten Versuche lernen und Strukturen schaffen,
die die erkannten Fehlentwicklungen verhindern.
Aber wir erfinden den Sozialismus nicht neu. Dieser neue sozialistische
Anlauf, den wir für notwendig halten, wird sich aus verschiedenen Quellen
speisen:
Er wächst aus der Erkenntnis, daß der Kapitalismus
überwunden werden muß, aus den Hoffnungen, aus der Wut und aus den
Sehnsüchten der überwiegenden Mehrheit der Menschen. Sie
wünschen sich ein Leben ohne existentielle Sorgen, ohne Hunger und Not,
ohne Ausbeutung und Krieg, vor allem ohne Sorge um das tägliche Brot.
Er gründet sich auf die Erkenntnis der gesellschaftlichen und
historischen Zusammenhänge, für die Marx, Engels und Lenin das
Fundament gelegt haben. Sie muß wieder erschlossen, von der
Arbeiterklasse angeeignet und so für die Zukunft fruchtbar werden.
Er analysiert die Erfahrungen des Anlaufs von 1917-89. Sowohl die
Gründe der Niederlage, als auch die Gründe seines 70jährigen
Bestehens in einer Welt von imperialistischen Feinden und Räubern sind
wesentlich.
Leistungen und Fehlentwicklungen des realen Sozialismus
Nach dem kurzen Anlauf der Pariser Commune von 1871 wurde mit der
Oktoberrevolution 1917 in Rußland zum erstenmal der Aufbau eines
sozialistischen Gesellschaftssystems begonnen. Die Oktoberrevolution gab der
Menschheit das Signal zum Aufbruch in eine neue weltgeschichtliche Epoche.
Unter ungünstigsten Ausgangsbedingungen wurden in der Sowjetunion und
später in weiteren sozialistischen Staaten großartige Leistungen
vollbracht.
Die DKP als Partei hat sich mit den sozialistischen Staaten in Europa
identifiziert. Deren regierende Parteien waren unsere engsten Verbündeten.
Die Existenz der DDR hat eine nicht aufzuhebende historische Dimension: als
sozialistische Alternative zum Imperialismus der BRD. Wir verteidigen die
Erfolge beim Aufbau und analysieren die Ursachen für die Zerschlagung und
den Zusammenbruch des Sozialismus.
« Die sozialistischen Gesellschaften haben über Jahrzehnte hinweg
den Beweis erbracht, daß die Entwicklung der Produktivkräfte und
eine Produktion jenseits des Profitprinzips nach einem gesellschaftlichen Plan
möglich ist.
« Sie haben der Aggressivität des Imperialismus Fesseln angelegt.
Vom ersten Dekret der Sowjetmacht 1917, durch welches für Rußland
der erste Weltkrieg beendet wurde, vom Sieg über den Hitlerfaschismus bis
zu den Abrüstungsinitiativen der Warschauer Vertrags-Staaten reicht die
lange Kette der Friedenspolitik des Sozialismus.
« Der Sozialismus hat sich ökonomisch entwickelt, ohne an der
Ausbeutung der Entwicklungsländer beteiligt zu sein. Zu seinen
historischen Leistungen gehört die solidarische Unterstützung der
Völker dieser Länder im Kampf um ihre nationale Unabhängigkeit,
gegen Kolonialismus und Neokolonialismus.
« Der Sozialismus hat soziale Errungenschaften durchgesetzt, die in
den reichen imperialistischen Zentren nicht erreicht wurden: Obdach- und
Arbeitslosigkeit wurden überwunden, es gab gleiche
Bildungsmöglichkeiten für alle, eine entwickelte
Erwerbstätigkeit der Frauen, kostenlose Gesundheitsversorgung und eine
hoch entwickelte Massenkultur.
« Die Existenz des Sozialismus und seine Errungenschaften haben die
Bedingungen für den Kampf um soziale und demokratische Reformen in den
entwickelten kapitalistischen Ländern wesentlich verbessert. Die
Bourgeoisie und ihre Regierungen waren zu bedeutenden Zugeständnissen
gezwungen.
Trotz dieser Leistungen hat der Sozialismus in der UdSSR und den
sozialistischen Staaten Europas eine Niederlage erlitten. Es gibt innere und
äußere, ökonomische und politische, objektive und subjektive
Ursachen. Dazu gehören:
« Die sozialistischen Staaten hatten mit äußerst
schwierigen Ausgangsbedingungen zu ringen. Die Revolution siegte zunächst
in Rußland, einem wirtschaftlich schwach entwickelten Land ohne
bürgerlich-demokratische Traditionen mit einer überwiegend
bäuerlichen, in ihrer großen Mehrheit aus Analphabeten bestehenden
Bevölkerung. Diese Rückständigkeit sowie die äußere
Bedrohung durch die imperialistischen Mächte machten es
unerläßlich, in kürzester Frist durch die Zentralisierung aller
Kräfte eine moderne Industrie aus dem Boden zu stampfen und eine
kulturelle Revolution in Angriff zu nehmen. Die führende Rolle der
Arbeiterklasse mußte unter diesen Bedingungen zunächst weitgehend
stellvertretend durch die kommunistische Partei übernommen werden.
Dies wurde allerdings auch dann noch beibehalten, als sich im Ergebnis der
Industrialisierung und der Kulturrevolution die Bedingungen geändert
hatten. Partei und Staat verschmolzen mehr und mehr zu einem
administrativ-bürokratischen Apparat. Die sozialistische Demokratie blieb
nicht nur unterentwickelt, sie wurde durch die Mißachtung sozialistischer
Rechtsstaatlichkeit massiv verletzt. Die extreme äußere
Bedrohungssituation der Sowjetunion verstärkte die Tendenz zu Repression
und Terror nach innen. Bloße Verstaatlichung trat an die Stelle
wirklicher Vergesellschaftung. Die Folge war eine zunehmende Entfremdung vom
sozialistischen Eigentum.
« Dieses "Sozialismusmodell" wurde nach dem zweiten
Weltkrieg auf die Länder übertragen, die einen sozialistischen
Entwicklungsweg beschritten, darunter auch auf entwickelte Länder wie die
DDR und die CSSR. Konnten mit dem administrativ-zentralistischen Typ des
Sozialismus zunächst bedeutende wirtschaftliche Erfolge erreicht werden,
so erwies er sich später als zu wenig flexibel, um die Anforderungen der
wissenschaftlich-technischen Revolution zu meistern. Die Folge war, daß
die sozialistischen Länder in der Entwicklung der
Arbeitsproduktivität und des materiellen Lebensstandards immer weiter
hinter den entwickelten kapitalistischen Ländern zurückblieben. Das
mußte destabilisieren.
« In den sozialistischen Ländern wurde kein neuer, dem
Sozialismus adäquater Typ der Produktivkraftentwicklung geschaffen.
« Auf die Dauer konnten sich sozialistische Wertvorstellungen nicht
umfassend durchsetzen.
« Die innere Hauptursache für die Niederlage des Sozialismus
sehen wir darin, daß die gesellschaftlichen Verhältnisse mehr und
mehr erstarrten und es nicht gelungen ist, die Aufgabe zu bewältigen, den
Sozialismus auf seiner eigenen Grundlage, entsprechend dem erreichten
Entwicklungsstand, immer neue revolutionäre Entwicklungsschübe zu
geben.
« Dazu beigetragen haben auch dogmatische Erstarrungen der
Gesellschaftstheorie, die damit mehr und mehr ihrer Kraft beraubt wurde,
gestützt auf die reale Analyse der konkreten Situation und
wissenschaftlich begründete Prognosen fundierte Handlungsorientierungen
für die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft zu erarbeiten. Hier
liegt ein wesentlicher Grund für ökonomische und politische
Fehlentscheidungen. Ebenso dazu beigetragen hat die These der Unumkehrbarkeit
des Sozialismus, die die Arbeiterklasse in Sicherheit gewiegt und dadurch
entwaffnet hat.
« Die Niederlage des Sozialismus ist zugleich das Ergebnis der
äußeren und inneren Konterrevolution. Von der Intervention der 14
imperialistischen Staaten gegen die junge Sowjetmacht und die
Wirtschaftsblockaden in den zwanziger Jahren über den Antikominternpakt
zur Einkreisung der Sowjetunion und die Aggression Hitler-Deutschlands bis zur
Embargopolitik und zum kräftezehrenden Wettrüsten nach dem zweiten
Weltkrieg haben die imperialistischen Mächte nichts unversucht gelassen,
um den Sozialismus zu destabilisieren und zu zerstören.
« Unter inneren und äußeren Einflüssen gewannen
schließlich opportunistische Einstellungen die Oberhand, die mehr und
mehr zum Zerfall des revolutionären Charakters der Sowjetgesellschaft und
der Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus führten, die das Eindringen
der bürgerlichen Ideologie begünstigten und schließlich den
Zusammenbruch des Sowjetsystems und anderer sozialistischer Staaten bewirkten.
Wesensmerkmale des künftigen Sozialismus
Der Sozialismus ist die erste Stufe auf dem Weg zum Kommunismus, der
klassenlosen Gesellschaft. Es werden also in dieser Zeit auch noch Klassen und
Klassenkämpfe bestehen. Jede Vorstellung vom Sozialismus wird
vorläufig sein. Denn sie basiert auf der Erkenntnis der sich im
geschichtlichen Verlauf ständig wandelnden technischen, ökonomischen,
politischen und kulturellen Rahmenbedingungen. Dennoch kann gesagt werden,
welches die notwendigen Voraussetzungen und unverzichtbaren Momente einer
künftigen sozialistischen Gesellschaft sind.
Zum Aufbau des Sozialismus werden Kräfte unterschiedlicher Herkunft
deren Auffassungen im einzelnen differieren gemeinsam beitragen
und das Ziel einer vom Kapitalismus befreiten Gesellschaft verfolgen.
Unverzichtbare weltanschauliche Grundlage für uns Kommunisten ist der
Marxismus, der wissenschaftliche Sozialismus, das heißt die Theorien von
Marx, Engels und Lenin, die wissenschaftliche Analyse und die sich daraus
ergebenden Perspektiven. Andere Zugänge können aus christlich oder
allgemein humanistischen, aus feministischen, pazifistischen, aus
antirassistischen und ökologischen Überzeugungen erwachsen. Der
künftige Sozialismus wird folglich in der Zusammenarbeit unterschiedlicher
gesellschaftlicher Kräfte geformt werden. Die Arbeiterklasse muß und
wird dabei die entscheidende Kraft sein.
Zu beachten ist auch, daß die Kommunistinnen und Kommunisten in dieser
Welt und vor allem in Europa in nationalen Parteien organisiert sind. Der Boden
unserer Wirkens, der uns vor allem prägt, ist die Bundesrepublik
Deutschland. Dennoch sind wir uns sicher: Ein neuerlicher sozialistischer
Anlauf in Deutschland erfolgt nicht isoliert, sondern wird von ähnlichen
Bewegungen in den Nachbarländern und anderen Teilen der Welt begleitet
sein. Deshalb wollen wir unsere Erfahrungen und Anstrengungen in eine
verstärkte theoretische und praktische Zusammenarbeit der Kommunistinnen
und Kommunisten einbringen, die die Linke stärkt, und damit zugleich
Anstöße für die Zusammenarbeit aller progressiven Kräfte
in Europa und darüber hinaus in der ganzen Welt gibt.
Letzten Endes wird der Sozialismus sich nur dann geschichtlich
bewähren, wenn er zur Formation der Weltgesellschaft wird, einer
Weltgesellschaft, die durch eine Mannigfaltigkeit der Kulturen, durch ein
solidarisches und gleichberechtigtes Miteinander geprägt ist.
Was wird an die Stelle der jetzigen Gesellschaft treten?
Ziel und Maßstab für die Entwicklung des Sozialismus ist der
sozialistische Humanismus. Es geht um die Überwindung "aller
Verhältnisse, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein
verlassenes, ein verächtliches Wesen ist", um seine Befreiung von
Ausbeutung und "die freie Entwicklung eines jeden als Bedingung für
die freie Entwicklung aller", um ein selbstbestimmtes und
selbstgestaltetes würdiges Leben für alle Menschen.
Ziel des Sozialismus ist die Emanzipation des Menschen, seine Befreiung aus
allen Unterdrückungsverhältnissen. Wachsende Freiheit jedes Einzelnen
muß sich mit steigender Verantwortung für die sozialistische
Gemeinschaft verbinden. Das erfordert den Kampf um eine fortschreitende
Entwicklung für:
Frieden. Sozialismus wird die Voraussetzungen schaffen, damit die
Menschheit künftig ihre Angelegenheiten ohne Krieg regeln kann. Frieden
muß das erste Gebot der neuen Gesellschaft sein. Dazu bedarf es auch der
Überwindung von Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus.
Soziale Gerechtigkeit. Ziel des Sozialismus ist die Verwirklichung
der sozialen Menschenrechte, des Rechtes auf Arbeit, auf soziale Sicherung, auf
eine Wohnung.
Chancengleichheit. Ziel des Sozialismus sind gleiche Bildungs- und
Entwicklungschancen und gleicher Zugang zu den Gütern der Kultur für
alle.
Freiheit und Selbstbestimmung. Ziel des Sozialismus ist es, erstmals
in der Geschichte die Einheit sozialer und politischer Menschenrechte als
wesentliche Grundlage für das freie, selbstbestimmte, d. h. zugleich
kompetente und verantwortungsbewußte Wirken des Einzelnen in der
Gesellschaft als "Bedingung für die freie Entwicklung aller" zu
garantieren.
Gleichberechtigung. Im Sozialismus werden die Grundlagen gelegt
für die wirkliche Gleichberechtigung der Geschlechter. Der Sozialismus
sichert gleiche Rechte für alle Menschen unabhängig von nationaler
Zugehörigkeit, religiösen und weltanschaulichen Bekenntnissen.
Solidarität. Die Beziehungen zwischen den Menschen werden im
Sozialismus von Gemeinschaftsgeist, von gegenseitiger Hilfe und
Unterstützung geprägt.
Internationalismus. Die Welt wird immer mehr in Wirtschaft, Verkehr
und Migrationsbewegungen zu einer Einheit zusammenwachsen. Die Sozialisten
aller Welt arbeiten zusammen mit dem Ziel, eine Kampfgemeinschaft gegen den
Imperialismus und für die Bewahrung des Friedens zu bilden; aktive
Solidarität mit unterdrückten und ausgebeuteten Völkern zu
üben und ihre Befreiung und Entwicklung zu unterstützen; das
freundschaftliche Zusammenleben der Völker in gegenseitiger Achtung zu
fördern; die notwendige Zusammenarbeit der Parteien und Staaten, die sich
auf dem Wege zum Sozialismus befinden, herzustellen.
Verantwortung für die Zukunft. Solidarität und
Internationalismus verlangen den verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt
und ihren Ressourcen im Interesse eines menschenwürdigen Lebens für
alle Menschen in allen Teilen der Erde und der Zukunft für kommende
Generationen. In diesem Sinne ist der Kampf für den Sozialismus Mittel
für die Erhaltung der Natur als Grundlage unseres Lebens.
Der Sozialismus ist der aufregendste Gesellschaftsentwurf, den es für
die Zukunft der Menschheit gibt. Er führt einen gewaltigen Schritt voran
auf dem Weg zu "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", die die
Bourgeoisie einst im Kampf gegen den Feudalismus auf ihre Fahnen geschrieben
hatte, die jedoch am kapitalistischen Profitsystem scheitern mußten.
Die künftige Gesellschaft wird sich prinzipiell vom kapitalistischen
System der Gegenwart unterscheiden:
« durch solidarische und gleichberechtigte Beziehungen zwischen allen
Völkern und eine strikte Friedenspolitik;
« durch eine nicht mehr am privaten Profit orientierte Ökonomie
als Grundlage der Art und Weise, wie wir täglich unser Leben neu
herstellen;
« durch eine Demokratie, die erstmals in der Geschichte wirkliche
Volksherrschaft ist.
Die Dominanz des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln und
die darauf gegründete politische Macht der Arbeiterklasse im Bündnis
mit den übrigen Werktätigen sind unverzichtbare notwendige
Bedingungen für den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft. Diese
bedarf ebenso einer planmäßigen Gestaltung der gesellschaftlichen
Entwicklung.
Ökonomie
Der Sozialismus führt einen grundlegenden Bruch mit der
kapitalistischen Wirtschaftsweise herbei, die auf die Erzielung maximalen
Profits durch die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft und den
verschwenderischen Umgang mit den Naturressourcen gerichtet ist. Aufgabe des
Sozialismus ist die Befriedigung der sich ständig weiterentwickelnden
materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Menschen durch eine hohe
Produktivität der gesellschaftlichen Arbeit und die Anwendung einer die
natürlichen Reichtümer bewahrenden Wirtschaftsweise auf der Grundlage
gesellschaftlicher Planung und Leitung.
Grundlage sozialistischer Produktionsverhältnisse ist die
Vergesellschaftung der entscheidenden Produktionsmittel. Dabei muß an die
Stelle bloßer Verstaatlichung, in der schon Marx und Engels nur einen
ersten Schritt zur Aneignung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft
sahen, wirkliche Vergesellschaftung treten. Die Produzenten müssen aus
formalen zu tatsächlichen sozialistischen Eigentümern werden, die
Entfremdung von Eigentum an den Produktionsmitteln muß überwunden
werden.
Die Entfremdung der arbeitenden Menschen kann tendenziell aber nur dann
überwunden werden, wenn sie aktiv und schöpferisch am
Produktionsprozeß und an der Festlegung wirtschaftlicher und sozialer
Ziele teilnehmen. Die Überwindung der Entfremdung und die Entwicklung
sozialistischen Eigentümerbewußtseins hängt eng mit der
Entwicklung der partizipativen sozialistischen Demokratie und dem
Bildungsniveau der arbeitenden Menschen zusammen. Gesellschaftliches Eigentum
und die gesamtgesellschaftliche Planung sind aber andererseits die
Voraussetzung für wirkliche Demokratie, indem die substantiellen Fragen in
die politische Entscheidungsfindung zurückgeholt werden.
Der Hauptinhalt der ersten Schritte zum Sozialismus, den unsere Generationen
gehen werden, besteht im Aufbau einer sozialistischen Selbstverwaltung. Was
heißt das konkret? Die alten Eigentumstitel einzelner Menschen an den
großen Konzernen, den Banken und Versicherungen, am Grund und Boden, auf
dem diese Betriebe wirken, werden gelöscht. Das Recht und die Pflicht, die
Herstellung von Gütern und Dienstleistungen zu steuern, wird an die
Produzenten selbst gegeben. Dafür ist eine zentrale, demokratisch
bestimmte Planung und Steuerung unverzichtbar. Sie wird im wesentlichen
über das gesamtgesellschaftliche Eigentum an den Finanzinstituten und den
großen Konzernen (sowohl Produktionsbetrieben wie
Distributionsorganisationen) ausgeübt.
Dabei werden im Sozialismus verschiedene Eigentumsformen, zum Beispiel
staatliches, kommunales, genossenschaftliches und Privateigentum von
Kleinproduzenten, bestehen.
Die konkrete Gestaltung der Arbeits- und Produktionsprozesse selbst aber
läuft nicht über die zentrale Planung. Die rasante Entwicklung der
Kommunikationstechnologie und ihre täglich dichter werdende Vernetzung
ermöglicht dem künftigen Sozialismus etwas, was dem Anlauf von
1917-89 noch nicht möglich war: die direkte, vor der Produktion liegende
Abstimmung über die notwendigen Arbeiten unter den daran beteiligten
Produzenten und Konsumenten selbst.
Nach und nach können so aber erst unter der Voraussetzung,
daß mit dem privaten Eigentum an den hauptsächlichen
Produktionsmitteln gebrochen ist immer mehr Bereiche der Totalität
des Marktes entzogen werden. Immer mehr Güter und Dienstleistungen, die
der Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen dienen, werden
aufhören, Waren zu sein. Die Arbeitskraft hört auf, eine Ware zu
sein. Damit wird die Ausbeutung des Menschen überwunden. Weitere
wesentliche Bereiche verlieren den Charakter von Waren, werden aus dem
Verwertungsprozeß herausgenommen und allen gleichermaßen
zugänglich gemacht:
« Bildung
« Gesundheitswesen
« Sport
« Erholung
« Schutz der Natur
« Kultur
Nach und nach werden immer weitere Bereiche durch gemeinschaftliche
Tätigkeit statt durch die privatwirtschaftlichen Marktgesetze
geprägt. Von Anfang an werden das Recht auf Arbeit, das Recht auf Wohnung,
Nahrung und Kleidung garantiert sein.
« Damit der Sozialismus sich zu einer Gesellschaftsformation
entwickeln kann, in der die Menschen selbst in immer höherem Maße
ihre Lebensbedingungen den eigenen Bedürfnissen gemäß
bewußt gestalten und verändern können, ist es erforderlich,
neben der Überwindung ökonomischer Ursachen der Ausbeutung des
Menschen durch den Menschen auch die ökonomischen Ursachen der
Verselbständigung der gesellschaftlichen Verhältnisse gegenüber
den Menschen zu überwinden. Der Sozialismus wird daher im Laufe seiner
Entwicklung einen Weg finden müssen, die komplexe arbeitsteilige
Produktion und den Austausch der mannigfaltigen Güter so zu organisieren,
daß sich nicht mehr der Tauschwert an die Stelle des Gebrauchswertes
setzen kann. Dieses Ziel ist von Anfang an im Auge zu behalten.
Demokratie
Sozialismus bedeutet Herrschaft der Arbeiterklasse. Das kann schon wegen
seiner grundlegenden Voraussetzung nicht anders sein: Um gegen die geballte
Macht des Kapitals einen anderen Entwicklungsweg durchzusetzen, bedarf es
umfassender Massenkämpfe. Der Beginn des sozialistischen Weges ist nicht
als Putsch denkbar, sondern nur als Ergebnis des Handelns von Millionen
also als Ausdruck tiefer Demokratie.
Jede bürgerliche Demokratie wie groß auch immer der
formale Spielraum der politischen Freiheiten sein mag beruht auf der
ökonomischen Macht der Kapitalistenklasse. Sie ist in jedem Fall eine Form
der politischen Herrschaft des Kapitals, der Herrschaft einer kleinen
Minderheit über die Mehrheit. Und selbst die beschränkten Rechte und
Freiheiten sind im Kapitalismus stets bedroht. Erst der Sozialismus gibt mit
der politischen Macht des arbeitenden Volkes und dem gesellschaftlichen
Eigentum an den wichtigsten Produktionsmitteln den demokratischen Rechten und
Freiheiten, die sich die Arbeiterklasse im Kapitalismus erkämpft hat, eine
gesicherte Grundlage. Zugleich schafft die Arbeiterklasse im Sozialismus
qualitativ neue Freiheiten.
Der Sozialismus garantiert das Recht auf Arbeit und die Chancengleichheit in
der Bildung, er verwirklicht dauerhafte soziale Sicherheit. Er schafft die
gesellschaftlichen Voraussetzungen für die Gleichberechtigung der Frau.
Schon in der Anfangsphase müssen Voraussetzungen geschaffen werden,
daß sozialistische Demokratie zur dauerhaften Grundlage der neuen
Gesellschaft wird.
Kernfragen sind dabei die Wählbarkeit, die Rechenschaftspflicht und
jederzeitige Abwählbarkeit in allen wichtigen politischen Funktionen, die
Kontrolle der politischen Machtorgane durch das Volk, die Entwicklung von
Formen demokratischer Entscheidungsfindung, die Erhöhung der
Verantwortung, die Entfaltung unmittelbarer Demokratie durch Volksabstimmungen
und andere direkte Wirkungs- und Entscheidungsmöglichkeiten.
Ein bedeutender Platz in der sozialistischen Demokratie kommt den
Gewerkschaften als den umfassendsten Klassenorganisationen der Arbeiter und
Angestellten sowie den betrieblichen und gewerkschaftlichen Vertretungsorganen
der Arbeiterklasse zu. Sie werden nicht nur bei der Festlegung der Löhne
und betrieblichen Sozialleistungen, bei der Gestaltung der unmittelbaren
Arbeits- und Lebensbedingungen ein entscheidendes Wort sprechen, sondern direkt
an der Planung und Leitung von Wirtschaft und Gesellschaft teilnehmen. Auf
allen Ebenen werden sie unmittelbar und ständig die Interessen und den
Einfluß der Arbeiterklasse zur Geltung bringen.
Auch die Rolle und der Einfluß nichtstaatlicher Organisationen und
Bürgerinitiativen werden wachsen. Es geht darum, nicht erst in einer
fernen kommunistischen Zukunft, sondern schon im Sozialismus damit zu beginnen,
Staat zugunsten von Selbstorganisation und -verwaltung abzubauen. Denn der
Staat wird im Übergang zum Kommunismus absterben. An die Stelle der
Herrschaft über Menschen wird die Verwaltung von Dingen und
Produktionsabläufen treten.
Die Geschichte des Kampfes um den Sozialismus hat unterschiedliche Formen
sozialistischer Machtorgane hervorgebracht: die Kommune, Sowjets oder
Räte, sozialistische Parlamente. Die handelnden Menschen werden unter
entsprechenden historischen Bedingungen künftig möglicherweise neue
Formen finden. Sozialistische Organe müssen wirkliche
Volkssouveränität und -vertretung sichern.
Die DKP tritt auch für die Rechte einer auf dem Boden der
sozialistischen Verfassung wirkenden Opposition ein.
Die Verfassung und die darin verankerten demokratischen Grundrechte, die
individuellen politischen und sozialen Menschenrechte, die Freiheit der Kultur,
des weltanschaulichen und religiösen Bekenntnisses, aber auch die Rechte
und die Verantwortung der Medien sind strikt zu achten. Rechtsstaatlichkeit
muß gesichert sein. Eine wirksame Trennung von Gesetzgebung, Regierung
und Justiz ist unverzichtbar. Diese muß allerdings durch die Kontrolle
des Volkes über alle Organe, durch Wahlen und jederzeitige
Abwahlmöglichkeit demokratisch legitimiert sein.
Welchen Platz hat eine kommunistische Partei künftig im politischen
System der sozialistischen Gesellschaft? Sie betrachtet es als ihre Aufgabe, im
Wettstreit mit anderen politischen Kräften um die besten politischen Ideen
und Initiativen immer wieder aufs Neue das Vertrauen des arbeitenden Volkes und
maßgeblichen Einfluß zu erringen. Die kommunistische Partei wird im
Sozialismus vor allem strategische Orientierungen für die weitere
Gestaltung des Sozialismus erarbeiten und versuchen, dafür Mehrheiten zu
gewinnen, sozialistisches Bewußtsein in den Massen zu entwickeln und sie
für das selbständige, initiativreiche Wirken für den Aufbau des
Sozialismus und seine Verteidigung gegen alle Versuche zur Wiederherstellung
kapitalistischer Verhältnisse zu mobilisieren.
Der Sozialismus kann nur das Ergebnis des Wollens und Handelns der
Arbeiterklasse, der Volksmassen sein. Er bedarf der Zustimmung der Mehrheit des
Volkes. Aber er läßt sich nur im harten Klassenkampf gegen den
erbitterten Widerstand des Kapitals durchsetzen. Auseinandersetzungen werden im
Sozialismus andauern, es geht um die Durchsetzung sozialistischer Werte und
Einstellungen. Die DKP will dazu beitragen, daß immer größere
Teile des arbeitenden Volkes sowie der durch Arbeitslosigkeit Ausgegrenzten,
der Lernenden und Studierenden zur Erkenntnis der Notwendigkeit des Sozialismus
und des Kampfes um seine Durchsetzung gelangen.
Der Weg zum Sozialismus
Heute geht es in der Bundesrepublik zunächst um die Verteidigung der
von Kabinett und Kapital bedrohten sozialen und demokratischen Errungenschaften
und den Widerstand gegen die friedensgefährdende, ausbeuterische und
Völker unterdrückende Großmachtpolitik des deutschen
Imperialismus. In diesen Kämpfen gegen die menschenfeindliche Ideologie
und Gesellschaftskonzeption des Imperialismus müssen die Kräfte
gesammelt werden für die Durchsetzung fortschrittlicher Reformen, für
eine Wende vom Abbau sozialer und demokratischer Errungenschaften zu
demokratischer, sozialer und ökologisch orientierter Politik.
Entscheidende Bedeutung kommt dabei den betrieblichen und gewerkschaftlichen
Kämpfen, den außerparlamentarischen Bewegungen zu. In ihrer
Entfaltung sieht die DKP zugleich die wichtigste Voraussetzung für die
Veränderung der parlamentarischen Kräfteverhältnisse. Ihre
Vorstellungen und Vorschläge für diese Kampfetappe hat die DKP in
ihrem Aktionsprogramm dargelegt.
Das hauptsächliche Hindernis für den gesellschaftlichen
Fortschritt stellt die ökonomische und politische Macht der
Monopolbourgeoisie dar. Die Zurückdrängung und schließliche
Überwindung der Herrschaft dieses mächtigsten Teils der Bourgeoisie
ist deshalb die entscheidende Voraussetzung für die Öffnung des Weges
zum Sozialismus. Die DKP ist deshalb bemüht, dazu beizutragen, daß
möglichst breite gesellschaftliche Kräfte, deren Interessen im
Widerspruch zur Politik der herrschenden Monopolbourgeoisie und ihrer
politischen Vertretungen stehen, in Bündnissen und Bewegungen für die
Verteidigung demokratischer und sozialer Errungenschaften und die
Veränderung des politischen Kräfteverhältnisses zugunsten der
Arbeiterklasse zusammenwirken. Im gemeinsamen Handeln für punktuelle Ziele
können sich die Kräfte für weitergehende Bündnisse
formieren, die auf grundlegende gesellschaftliche Veränderungen gerichtet
sind. Die DKP hält es für möglich und erstrebenswert, daß
im Ergebnis des antimonopolistischen Kampfes grundlegende
antimonopolistisch-demokratische Umgestaltungen durchgesetzt werden
können, die den Weg zum Sozialismus frei machen.
Wie sich dieser Weg konkret gestalten wird, ist offen. Das hängt ab von
der Kraft der Arbeiterklasse, der Stabilität ihres Bündnisses mit
anderen demokratischen Kräften, vom Einfluß der Kommunisten, aber
auch von den Formen des Widerstandes der Reaktion. Die Erfahrungen des
Klassenkampfes lehren, daß die Monopolbourgeoisie, wenn sie ihre Macht
und Privilegien bedroht sah, stets versucht hat, den gesellschaftlichen
Fortschritt mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln bis hin zur Errichtung
faschistischer Diktaturen und zur Entfesselung von Bürgerkriegen zu
verhindern. Im harten Kampf muß ihr unvermeidlicher Widerstand
überwunden und ein solches Übergewicht der zum Sozialismus strebenden
Kräfte erreicht werden, das es ermöglicht, die Reaktion an der
Anwendung blutiger konterrevolutionärer Gewalt zu hindern und den für
das arbeitende Volk günstigsten Weg zum Sozialismus durchzusetzen.
Angesichts der Macht des internationalen Finanzkapitals und der
transnationalen Konzerne, der voranschreitenden weltweiten Vernetzung der
kapitalistischen Produktion und der Integrationsprozesse im Europa der Monopole
kommt dem internationalistischen Zusammenwirken der Arbeiterklasse und ihrer
Organisationen, der Entwicklung einer abgestimmten Strategie der
kommunistischen Parteien und der anderen Linkskräfte für die
Verteidigung der unmittelbaren Anliegen des arbeitenden Volkes, und mehr noch
für den Kampf um die Überwindung der Monopolmacht und die
Öffnung des Weges zum Sozialismus, eine wachsende Bedeutung zu. Die DKP
ist bemüht, dazu ihren Beitrag zu leisten. Die Losung "Proletarier
aller Länder und unterdrückte Völker, vereinigt Euch!" ist
heute aktueller denn je.
Als Arbeits- und Diskussionsgrundlage beschlossene Abänderungs- oder
Ergänzungsanträge und beschlossene Anträge:
a) zu den Sozialismusvorstellungen gesamt
b) zur Erarbeitung des Programms
Aus Antrag S 02
Der Entwurf der Sozialismusvorstellungen der DKP und die hierzu vorliegenden
inhaltlichen Änderungsvorschläge werden nicht verabschiedet, sondern
als Arbeitsmaterial in eine weitere Runde der Parteidiskussion eingebracht mit
dem Ziel, dem folgenden Parteitag einen Entwurf vorzulegen, der den
Anforderungen an eine Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus auf der
Höhe der Zeit entspricht und dadurch eine attraktive, ausstrahlende
theoretische Grundlage für die Entwicklung revolutionärer,
gesellschaftsverändernder Praxis bietet.
In dieser folgenden Runde der Diskussion sind insbesondere folgende Fragen
weiter zu klären, die heute in unserer Partei unterschiedlich beantwortet
werden:
- Als Diskussionsvoraussetzung ist zu bestimmen: Was verstehen wir
eigentlich unter einer sozialistischen Gesellschaft:
- die Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen
Klassengesellschaft und der klassenlosen Gesellschaft der Zukunft,
oder die erste Phase der klassenlosen Gesellschaft?
- Dann muß geklärt werden: Welche allgemeinsten
Bestimmungen für die erste Phase der klassenlosen Gesellschaft als der
Negation des Kapitalismus können und müssen wir aus der Analyse des
heutigen Kapitalismus ableiten? Hier müssen insbesondere folgende Fragen
weiter geklärt werden, die bei uns heute umstritten sind:
- Ist diese Gesellschaft in einzelnen Ländern oder
Ländergruppen zu erreichen oder ist sie nur als Weltgesellschaft
vorstellbar?
Kann es in der ersten Phase der klassenlosen kommunistischen
Gesellschaft noch Warenproduktion geben?
Benötigt diese Gesellschaft noch einen Staat?
Was kann man heute schon über das Verhältnis Individuum
Gesellschaft und das Verhältnis Mensch Natur in dieser Gesellschaft
aussagen?
- Nach der Klärung dieser Fragen können von
dieser Zielbestimmung abgeleitet die Aufgabenstellungen für den Weg
zur klassenlosen Gesellschaft diskutiert und allgemein bestimmt werden; und
zwar erstens als Strategie, die zur Eroberung der politischen Macht durch die
Arbeiterklasse führt und zweitens als Wegweiser für die soziale
Revolution in der folgenden Übergangsperiode vorn Kapitalismus zur
klassenlosen Gesellschaft.
- Hierfür ist es unverzichtbar, den Anlauf zur klassenlosen
Gesellschaft seit der Oktoberrevolution als wertvollsten Erfahrungsschatz der
kommunistischen Bewegung umfassend auszuwerten und von der oberflächlichen
Gegenüberstellung von Leistungen und Fehlentwicklungen zum
Verständnis des inneren Zusammenhangs vorzudringen. Nach dem bisherigen
Diskussionsverlauf sind hier u.a. folgende Fragen weiter
klärungsbedürftig:
Wie muß der Staat nach der politischen Machtergreifung der
Arbeiterklasse organisiert sein, was bedeutet hier Demokratie, welche Rolle
spielt die Kommunistische Partei, welche die übrigen Organisationen der
Arbeiterklasse?
Wie entwickelt sich das Verhältnis von Markt und Plan, welche Rolle
spielt das Wertgesetz noch?
Erst wenn wir diese Klärung durchgeführt haben, können wir zu
Vorstellungen über die gesellschaftliche Entwicklung gelangen, die nicht
mehr einfach behaupten, daß der Sozialismus die sozialen Menschenrechte
usw. verwirklicht, sondern die herleiten, auf welcher materiellen Grundlage
diese Rechte notwendigerweise zum Tragen kommen. Erst dann kommen wir von
utopischen Sozialismusvorstellungen zu einer wissenschaftlichen Begründung
unserer revolutionären Strategie für den Übergang vom
Kapitalismus zur klassenlosen Gesellschaft, zum Sozialismus, zum Kommunismus.
Begründung:
Der Entwurf der Sozialismusvorstellungen hat eine fruchtbare Diskussion
entfacht, die mit dazu dienen kann, den wissenschaftlichen Sozialismus wieder
auf die Höhe der Zeit zu bringen und damit ein zentrales Instrument zu
schärfen, das der Arbeiterbewegung als handhabbare theoretische Grundlage
für die revolutionäre Praxis Kraft und Attraktivität verleiht.
Noch sind wir davon jedoch weit entfernt. Viele Fragen, die im Interesse der
theoretischen Klarheit, der Attraktivität des Kommunismus geklärt
werden müssen, sind in dem vorliegenden Dokument noch hinter
Formelkompromissen versteckt.
Der gute Ansatz aus den Widersprüchen der heutigen kapitalistischen
Wirklichkeit die grundlegenden Bestimmungen der neuen Gesellschaftsordnung
abzuleiten, wurde nicht konsequent zu Ende geführt. Statt dessen werden in
dem Abschnitt "Was wird an die Stelle der jetzigen Gesellschaft
treten?" hehre Ziele und Ideale formuliert. Für die heute
vorliegenden Sozialismusvorstellungen gilt in gewisser Weise noch das Wort von
Friedrich Engels:
"Der Sozialismus ist ihnen allen der Ausdruck der absoluten Wahrheit,
Vernunft und Gerechtigkeit und braucht nur entdeckt zu werden, um durch eigene
Kraft die Welt zu erobern; da die absolute Wahrheit unabhängig ist von
Zeit, Raum und menschlicher geschichtlicher Entwicklung, so ist es bloßer
Zufall, wann und wo sie entdeckt wird. Dabei ist dann die absolute Wahrheit,
Vernunft und Gerechtigkeit bei jedem Schulstifter verschieden; und da bei jedem
die besondere Art der absoluten Wahrheit, Vernunft und Gerechtigkeit wieder
bedingt ist durch seinen subjektiven Verstand, seine Lebensbedingungen, sein
Maß an Kenntnissen und Denkschulung, so ist in diesem Konflikt absoluter
Wahrheiten keine andre Lösung möglich, als daß sie sich
aneinander abschleißen. Dabei konnte dann nichts anderes herauskommen als
eine Art von eklektischem Durchschnitts-Sozialismus, wie er in der Tat bis
heute in den Köpfen der meisten sozialistischen Arbeiter in Frankreich und
England herrscht, eine äußerst mannigfaltige Schattierungen
zulassende Mischung aus den weniger Anstoß erregenden kritischen
Auslassungen, ökonomischen Lehrsätzen und gesellschaftlichen
Zukunftsvorstellungen der verschiedenen Sektenstifter, eine Mischung, die sich
um so leichter bewerkstelligt, je mehr den einzelnen Bestandteilen im Strom der
Debatte die scharfen Ecken der Bestimmtheit abgeschliffen sind wie runden
Kieseln im Bach. Um aus dem Sozialismus eine Wissenschaft zu machen,
mußte er erst auf einen realen Boden gestellt werden." (aus:
"Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft",
MEW 19, S. 200). Der Begriff Sozialismus hat in dem Entwurf keine klaren
Konturen. Ihm werden undifferenziert sowohl Bestimmungen der
Übergangsperiode zwischen Kapitalismus und klassenloser Gesellschaft
zugeordnet, als auch Bestimmungen, die erst in der darauffolgenden ersten Phase
der klassenlosen Gesellschaft zum Tragen kommen können. (Lesetip: Marx und
Engels zur Kritik des Gothaer Programms in: MEW 19, 5. 3 32, 5.
521 f., MEW 28, 5. 507 f.)
Die weitere Diskussion und Klärung ist daher unbedingt erforderlich.
Aus Antrag S 03
Der Entwurf "Sozialismus die historische Alternative zum
Imperialismus" sollnicht verabschiedet werden, da er den
Erfordernissen, denen ein solches Papier entsprechen muß, nicht gerecht
wird.
Die Voraussetzungen, die ein solcher Text erfüllen muß, sind in
den Arbeiten von Karl Marx und Friedrich Engels sichtbar geworden:
- Marx und Engels haben niemals ein ausgearbeitetes Sozialismuskonzept
vorgelegt auch im "Manifest der Kommunistischen Partei" nicht.
Sie haben lediglich die Probleme benannt, die innerhalb des Kapitalismus nicht
zu lösen sind und deren Behebung nur in einem "Verein freier
Menschen", den sie auch als "Kommunismus" (übrigens nie als
"Sozialismus") bezeichneten, denkbar ist.
- Sie haben die bisherigen revolutionären Experimente,
Projekte und Erfahrungen solidarisch und kritisch analysiert, z.B. die Pariser
Commune. Ebenso verfuhr Rosa Luxemburg nach den ersten Monaten der russischen
Revolution.
- Der Entwurf "Sozialismus die historische Alternative
zum Imperialismus" beschreibt zwar zutreffend die Probleme, Fehler,
Irrtümer und Verbrechen imperialistischer Politik, unterscheidet aber
nicht genügend zwischen solchen Problemen, die noch innerhalb des
Kapitalismus. und solchen Problemen, die erst im Sozialismus zu lösen
sind. Die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen des Realen Sozialismus ist zu
wenig selbstkritisch. Externe Ursachen für seinen Zusammenbruch sind
überbewertet, interne Ursachen sind untergewichtet.
Unserer Meinung nach sollte die DKP nicht ein gesondertes Sozialismuspapier
verabschieden, sondern statt dessen in ihr künftiges Grundsatzprogramm
einen Abschnitt über unsere gesellschaftlichen Endziele einarbeiten. In
diesem sollten die oben unter 1. und 2. genannten, bereits bei Marx und Engels
auffindlichen Kriterien, eingehalten werden. Dort sind auch die Erfahrungen mit
den bisher praktizierten Formen von Sozialismus Realer Sozialismus,
Genossenschaftssozalismus (von Jugoslawien bis zum Kibbuz-Sozialismus),
sogenannter "Demokratischer Sozialismus" auszuwerten.
Aus Antrag S 04
Der Antrag des Parteivorstandes "Sozialismusvorstellungen der DKP"
wird noch nicht zur Abstimmung gestellt.
Die Parteidiskussion über das Dokument soll fortgesetzt werden.
Begründung:
Im Entwurf werden viele richtige und zutreffende Feststellungen getroffen.
Er ist jedoch noch unausgereift. Auf einigen Gebieten (Ökonomie,
Demokratie, Partei, Staat u.a.) enthält er gravierende Mangel oder
ausgesprochene Fehleinschätzungen, die von Marx und Lenin wegführen.
Die Erfahrungen der DDR trotz aller Defizite die größte
Errungenschaft in der Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung und
des deutschen Volkes werden nicht gründlich analysiert, obwohl hier
erstmals auf deutschem Boden der Sozialismus aufgebaut und in den vier
Jahrzehnten ihrer Existenz praktiziert worden ist. Die Beschäftigung mit
den "Fehlentwicklungen des Sozialismus" ist oberflächlich und
hält in dieser Form den Kriterien des wissenschaftlichen Sozialismus nicht
stand.
Eine voreilige Beschlußfassung über ein programmatisches
Dokument, das zum Baustein für das künftige Parteiprogramm der DKP
werden soll, würde nicht zur Festigung der Einheit der Partei beitragen,
sondern konfrontative Stimmungen vertiefen. Insbesondere Genossinnen und
Genossen im Osten fänden ihre Auffassungen nicht hinreichend beachtet.
Zugleich würden die Erwartungen, die andere linke Kräfte des In- und
Auslands in die DKP setzen, enttäuscht.
Entscheidungen in ideologischen Fragen können nur nach umfassender
Diskussion getroffen, nicht aber per Mehrheitsvotum der Partei
"übergestülpt" werden. Ein Beschluß zur
Weiterführung der Diskussion nach bereits erfolgter Beschlußfassung
des Parteitages wäre de facto eine Irreführung der Mitgliedschaft, da
er keinerlei verbindliche Wirkung mehr hätte. Eine nachträgliche
Aufhebung der Parteitagsentscheidungen aber widerspräche den Prinzipien
des demokratischen Zentralismus. Nur ein nachfolgender Parteitag wäre nach
dem Statut dazu berechtigt, gültige Parteitagsbeschlüsse aufzuheben.
Aus Antrag S 06
Der Entwurf der Sozialismusvorstellungen der DKP und die hierzu vorliegenden
inhaltlichen Änderungsvorschläge werden nicht verabschiedet, sondern
als Arbeitsmaterial in eine weitere Runde der Parteidiskussion eingebracht mit
dem Ziel, dem folgenden Parteitag einen Entwurf vorzulegen, der den
Anforderungen an eine Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus auf der
Höhe der Zeit entspricht und dadurch eine attraktive, ausstrahlende
theoretische Grundlage für die Entwicklung revolutionärer,
gesellschaftsverändernder Praxis bietet.
Die DKP stellt sich die Aufgabe, in dieser folgenden Runde der Diskussion
unter anderem folgende Fragen weiter zu klären, die heute in unserer
Partei noch unterschiedlich beantwortet werden:
- Als Diskussionsvoraussetzung ist zu bestimmen: Was verstehen wir
eigentlich unter einer sozialistischen Gesellschaft:
- die Übergangsperiode zwischen der kapitalistischen
Klassengesellschaft und der klassenlosen Gesellschaft der Zukunft,
oder die erste Phase der klassenlosen Gesellschaft?
- Dann muß geklärt werden: Welche allgemeinsten
Bestimmungen für die erste Phase der klassenlosen Gesellschaft als
der Negation des Kapitalismus können und müssen wir aus der Analyse
des heutigen Kapitalismus ableiten? Hier müssen insbesondere folgende
Fragen weiter geklärt werden, die bei uns heute umstritten sind:
- Ist diese Gesellschaft in einzelnen Ländern oder
Ländergruppen zu erreichen oder ist sie nur als Weltgesellschaft
vorstellbar?
Kann es in der ersten Phase der klassenlosen kommunistischen
Gesellschaft noch Warenproduktion geben?
Benötigt diese Gesellschaft noch einen Staat?
Was kann man heute schon über das Verhältnis Individuum
Gesellschaft und das Verhältnis Mensch Natur in dieser Gesellschaft
aussagen?
- Nach der Klärung dieser Fragen können von
dieser Zielbestimmung abgeleitet die Aufgabenstellungen für
den Weg zur klassenlosen Gesellschaft diskutiert und allgemein bestimmt
werden; und zwar erstens als Strategie, die zur Eroberung der
politischen Macht durch die Arbeiterklasse führt und zweitens als
Wegweiser für die soziale Revolution in der folgenden
Übergangsperiode vom Kapitalismus zur klassenlosen Gesellschaft.
- Hierfür ist es unverzichtbar, den Anlauf zur klassenlosen
Gesellschaft seit der Oktoberrevolution als wertvollsten Erfahrungsschatz der
kommunistischen Bewegung umfassend auszuwerten und von der oberflächlichen
Gegenüberstellung von Leistungen und Fehlentwicklungen zum
Verständnis des inneren Zusammenhangs vorzudringen.
Nach dem bisherigen Diskussionsverlauf sind hier u.a. folgende Fragen weiter
klärungsbedürftig:
Wie muß der Staat nach der politischen Machtergreifung der
Arbeiterklasse organisiert sein, was bedeutet hier Demokratie, welche Rolle
spielt die kommunistische Partei, welche die übrigen Organisationen der
Arbeiterklasse?
Wie entwickelt sich das Verhältnis von Markt und Plan, welche Rolle
spielt das Wertgesetz noch?
Erst wenn wir diese Klärung durchgeführt haben, können wir zu
Vorstellungen über die gesellschaftliche Entwicklung gelangen, die nicht
mehr einfach behaupten, daß der Sozialismus die sozialen Menschenrechte
usw. verwirklicht, sondern die herleiten, auf welcher materiellen Grundlage
diese Rechte notwendigerweise zum Tragen kommen. Erst dann kommen wir von
utopischen Sozialismusvorstellungen zu einer wissenschaftlichen Begründung
unserer revolutionären Strategie für den Übergang vom
Kapitalismus zur klassenlosen Gesellschaft, zum Sozialismus, zum Kommunismus.
Begründung:
Der Entwurf der Sozialismusvorstellungen hat eine fruchtbare Diskussion
entfacht, die mit dazu dienen kann, den wissenschaftlichen Sozialismus wieder
auf die Höhe der Zeit zu bringen und damit ein zentrales Instrument zu
schärfen, das der Arbeiterbewegung als handhabbare theoretische Grundlage
für die revolutionäre Praxis Kraft und Attraktivität verleiht.
Noch sind wir davon jedoch weit entfernt. Viele Fragen, die im Interesse der
theoretischen Klarheit, der Attraktivität des Kommunismus geklärt
werden müssen, sind in dem vorliegenden Dokument noch hinter
Formelkompromissen versteckt.
Der gute Ansatz aus den Widersprüchen der heutigen kapitalistischen
Wirklichkeit die grundlegenden Bestimmungen der neuen Gesellschaftsordnung
abzuleiten, wurde nicht konsequent zu Ende geführt. Statt dessen werden in
dem Abschnitt "Was wird an die Stelle der jetzigen Gesellschaft
treten?" hehre Ziele und Ideale formuliert. Für die heute
vorliegenden Sozialismusvorstellungen gilt in gewisser Weise noch das Wort von
Friedrich Engels:
"Der Sozialismus ist ihnen allen der Ausdruck der absoluten Wahrheit,
Vernunft und Gerechtigkeit und braucht nur entdeckt zu werden, um durch eigene
Kraft die Welt zu erobern; da die absolute Wahrheit unabhängig ist von
Zeit, Raum und menschlicher geschichtlicher Entwicklung, so ist es bloßer
Zufall, wann und wo sie entdeckt wird. Dabei ist dann die absolute Wahrheit,
Vernunft und Gerechtigkeit bei jedem Schulstifter verschieden; und da bei jedem
die besondere Art der absoluten Wahrheit, Vernunft und Gerechtigkeit wieder
bedingt ist durch seinen subjektiven Verstand, seine Lebensbedingungen, sein
Maß an Kenntnissen und Denkschulung, so ist in diesem Konflikt absoluter
Wahrheiten keine andre Lösung möglich, als daß sie sich
aneinander abschleißen. Dabei konnte dann nichts anderes herauskommen als
eine Art von eklektischem Durchschnitts-Sozialismus, wie er in der Tat bis
heute in den Köpfen der meisten sozialistischen Arbeiter in Frankreich und
England herrscht, eine äußerst mannigfaltige Schattierungen
zulassende Mischung aus den weniger Anstoß erregenden kritischen
Auslassungen, ökonomischen Lehrsätzen und gesellschaftlichen
Zukunftsvorstellungen der verschiedenen Sektenstifter, eine Mischung, die sich
um so leichter bewerkstelligt, je mehr den einzelnen Bestandteilen im Strom der
Debatte die scharfen Ecken der Bestimmtheit abgeschliffen sind wie runden
Kieseln im Bach. Um aus dem Sozialismus eine Wissenschaft zu machen,
mußte er erst auf einen realen Boden gestellt werden." (aus:
"Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft",
MEW 19, S. 200 f). Der Begriff Sozialismus hat in dem Entwurf keine klaren
Konturen. Ihm werden undifferenziert sowohl Bestimmungen der
Übergangsperiode zwischen Kapitalismus und klassenloser Gesellschaft
zugeordnet, als auch Bestimmungen, die erst in der darauf folgenden ersten
Phase der klassenlosen Gesellschaft zum Tragen kommen können.
Die weitere Diskussion und Klärung ist daher unbedingt erforderlich.
Aus Antrag S 07
Der Entwurf "Sozialismus die historische Alternative zum
Imperialismus" wird nicht verabschiedet.
Begründung:
Er wird den Erfordernissen, denen ein solches Papier entsprechen muß,
nicht gerecht. Die Voraussetzungen, die ein solcher Text erfüllen
muß, sind in den Arbeiten von Marx und Engels sichtbar geworden:
Marx und Engels haben niemals ein ausgearbeitetes Sozialismuskonzept
vorgelegt auch im "Manifest der Kommunistischen Partei" nicht.
Sie haben lediglich die Probleme benannt, die innerhalb des Kapitalismus nicht
zu lösen sind und deren Behebung nur in einem "Verein freier
Menschen", den sie auch als "Kommunismus" (übrigens nie als
"Sozialismus") bezeichneten, denkbar ist.
Sie haben die bisherigen revolutionären Experimente, Projekte und
Erfahrungen solidarisch und kritisch analysiert, z.B. die Pariser Commune.
Ebenso verfuhr Rosa Luxemburg nach den ersten Monaten der russischen
Revolution.
Der Entwurf "Sozialismus die historische Alternative zum
Imperialismus" beschreibt zwar zutreffend die Probleme, Fehler,
Irrtümer und Verbrechen imperialistischer Politik, unterscheidet aber
nicht genügend zwischen solchen Problemen, die noch innerhalb des
Kapitalismus und solchen Problemen, die erst im Sozialismus zu lösen sind.
Die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen des Realen Sozialismus ist zu wenig
selbstkritisch. Externe Ursachen für seinen Zusammenbruch sind
überbewertet, interne Ursachen sind untergewichtet.
Unserer Meinung nach sollte die DKP nicht ein gesondertes Sozialismuspapier
verabschieden, sondern statt dessen in ihr künftiges Grundsatzprogramm
einen Abschnitt über unsere gesellschaftlichen Endziele einarbeiten. In
diesem sollten die oben genannten, bereits bei Marx und Engels auffindbaren
Kriterien eingehalten werden. Dort sind auch die Erfahrungen mit den bisher
praktizierten Formen von Sozialismus Realer Sozialismus,
Genossenschaftssozialismus (von Jugoslawien bis zum Kibbuz-Sozialismus),
sogenannter "Demokratischer Sozialismus" auszuwerten.
Aus Antrag S 08
Das Dokument "Sozialismus die historische Alternative zum
Kapitalismus" wird vom 14. Parteitag als Diskussionsangebot für die
weitere Programmdiskussion der DKP beschlossen. Im Rahmen der Erarbeitung eines
neuen Parteiprogramms werden die in diesem Dokument entwickelten Vorstellungen
weiter diskutiert. Diese Vorstellungen werden ergänzt durch eine
Auflistung der noch nicht genügend diskutierten bzw. kontroversen Fragen.
Aus Antrag S 09
- Der Parteitag beschließt die vorgelegte Fassung der
Sozialismusvorstellungen der DKP "Sozialismus die historische
Alternative zum Kapitalismus nicht als abgeschlossenes Dokument, sondern
als den bisherigen Erkenntnisstand zu dieser Problematik, der durch eine
zielstrebige Arbeit des Parteivorstandes und der Programmkommission sowie eine
breite Diskussion in der Parteibasis erweitert und zu einem Dokument mit
programmatischem Charakter entwickelt werden muß.
- Der Parteitag beauftragt den Parteivorstand und die
Programmkommission, die Arbeit an den Sozialismusvorstellungen konzentriert auf
die sich aus der nachfolgenden Begründung und der Diskussion auf dem
Parteitag ergebenden Schwerpunkte fortzusetzen und bis zum nächsten
Parteitag im Jahre 2000 eine Endfassung zur Beratung und Beschlußfassung
vorzulegen.
Begründung:
Neben den vielen richtigen Aussagen gibt es im vorgelegten Material eine
Reihe offener bzw. nicht genügend geklärter prinzipieller
Fragen, die über Anträge an den Parteitag mit anschließender
Abstimmung nicht zu klären sind. Die Beschlußfähigkeit des
Materials ist somit nicht ausreichend gegeben.
Als offene bzw. weiter zu klärende prinzipielle Fragen und Probleme
werden betrachtet:
- Die Analyse der 40 bzw. 70 Jahre Sozialismus erscheint nicht
abgeschlossen, die Nutzung der bisher gewonnenen Erkenntnisse für die
Erarbeitung unserer Sozialismusvorstellungen nicht ausreichend und die
abgeleiteten Wertungen nicht in jedem Falle akzeptabel. Die Wertung der 40
Jahre Sozialismus z. B. als Versuch ist abwertend und steht der Tatsache
entgegen, daß die sozialistische DDR das Beste war, was die deutsche
Arbeiterbewegung hervorgebracht hat.
- Die für die Erarbeitung der Sozialismusvorstellungen der
DKP notwendige Analyse der kommunistischen Bewegung besonders hinsichtlich
einer möglichen Mitverantwortung für die Niederlage des Sozialismus
und ihrer Voraussetzungen für die Übernahme der Verantwortung bei der
Überwindung der kapitalistischen Gesellschaft unterbleibt gänzlich.
- Die Aussagen über den Weg zum Sozialismus sind nicht
eindeutig und umfassend genug und beachten darüber hinaus die
diesbezüglichen theoretischen und durch die Praxis bewiesenen Erkenntnisse
der Klassiker nicht in der erforderlichen Weise.
Die Orientierung auf die Verteidigung der sozialen und demokratischen
Errungenschaften, die Veränderung des parlamentarischen
Kräfteverhältnisses und die grundlegende
antimonopolistisch-demokratische Umgestaltung reicht nicht aus, noch dazu, da
nicht klar wird, was mit der Veränderung des parlamentarischen
Kräfteverhältnisses beabsichtigt wird, was der Inhalt der
Umgestaltung sein soll und ob sie unter den gegenwärtigen Bedingungen
realisierbar sind.
Solche Fragen wie: die Vorbereitung der Menschen auf die Revolution, die Art
und Weise der Eroberung der politischen Macht der Arbeiterklasse, die
Zerschlagung des alten Staates, die Errichtung der Diktatur des Proletariats
als Staat der Arbeiterklasse und die Verteidigung der Revolution auch mit
militärischen Mitteln werden nicht beantwortet.
Nachteilig wirkt sich auch aus, daß an keiner Stelle die Hauptetappen
der Errichtung der kommunistischen Gesellschaft die
Übergangsperiode vom Kapitalismus zum Sozialismus, der Sozialismus und der
Kommunismus genannt werden, obwohl das eine gesicherte Erkenntnis ist
und für das Verständnis unserer Gedanken nicht unerheblich wäre.
- Die Aussagen zur Demokratie sind nicht eindeutig und umfassend
genug.
- So wird kaum erkennbar, daß Demokratie im Sozialismus auch
Repressionen beinhaltet.
Des weiteren werden die Formen sozialistischer
Machtorgane unverständlich ungenau dargestellt und die Richtigkeit der
Aussage über die Zulassung einer Opposition in einem sozialistischen
Parlament von uns bezweifelt.
Die Aussagen über den Beginn des Abbaus des Staates schon im
Sozialismus widersprechen den Erfahrungen der erlebten sozialistischen Praxis
und sind somit nicht akzeptabel. Das gleiche ist zutreffend für die
Bestimmung des Platzes der kommunistischen Partei im Sozialismus.
- Die Darstellung des Aufbaus einer sozialistischen
Selbstverwaltung als Hauptinhalt der ersten Schritte zum Sozialismus im
Abschnitt Ökonomie widerspricht der richtigen Forderung nach einer
sozialistischen Planwirtschaft sowie den Erfahrungen der Vergangenheit
(Jugoslawien) und wird somit für nicht richtig gehalten.
- Gänzlich unbeachtet bleibt die Gestaltung der Landwirtschaft im
zukünftigen Sozialismus.
Aus Antrag S 10
Der Parteitag möge über den vorliegenden Entwurf noch nicht
abstimmen, sondern beschließen, die Diskussion zum Sozialismuspapier
weiterzuführen.
Begründung:
- Im vorliegenden Entwurf wird die historische Stellung des Sozialismus
ungenügend herausgearbeitet. Statt als Resultat des Wirkens
gesellschaftlicher Gesetze erscheint der Sozialismus als eine zwar
erstrebenswerte, aber keineswegs objektiv notwendige Entwicklungsstufe der
menschlichen Gesellschaft. Statt als unumgängliches Übergangsstadium
zum Kommunismus wird der Sozialismus als eigenständige
Gesellschaftsformation beschrieben. Die Formulierungen des Papiers vermitteln
darüber hinaus einen Eindruck vom Sozialismus als einem Zustandes und
nicht einer Bewegung weg vom Kapitalismus und hin zum Kommunismus.
- Das Sozialismuspapier geht auf grundlegende Bestandteile des
Marxismus-Leninismus, vor allem der Revolutions- und der Parteitheorie, nicht
ein. Es entsteht der Eindruck, daß es noch keinerlei gesicherte
Erkenntnisse über den Weg vom Kapitalismus zum Sozialismus, über die
Stellung der Klassen oder über die Rolle der kommunistischen Parteien
gibt. Wir sind hingegen der Auffassung, daß ein Großteil gerade der
Leninschen Lehre unbedingt zu den gesicherten Erkenntnissen der
Gesellschaftswissenschaften zu rechnen ist und seinen Niederschlag in einem
solchen Dokument finden muß.
- Der Frage der sozialistischen Demokratie wird zuwenig
Aufmerksamkeit geschenkt. Die Beschreibungen von Formen demokratischer
Entscheidungsfindung schildern eine gut entwickelte bürgerliche
Demokratie, aber keine historisch völlig neue Demokratie, wie sie vor
allem von Lenin in seinen Werken ausführlich analysiert wurde. Wir halten
es für unverzichtbar, den grundlegend neuen Charakter der sozialistischen
Demokratie herauszuarbeiten und zu begründen.
- Historische Erfahrungen der Pariser Kommune und der
sozialistischen Länder, insbesondere der DDR, werden nur ungenügend
verwertet. Das Papier nennt zwar Gründe für das Ende des Sozialismus
in Osteuropa, greift aber fast gar nicht auf den reichen Erfahrungsschatz
bewährter Formen und Methoden zurück, der in der DDR und den anderen
sozialistischen Ländern entstanden ist und eine wertvolle Hilfe für
einen erneuten Versuch zum Aufbau des Sozialismus werden könnte. Wir
halten es darüber hinaus für ein Versäumnis, daß die
aktuellen Praxis von noch existierenden sozialistischen Ländern keinen
Niederschlag in diesem Dokument gefunden hat.
Generell haben wir den Eindruck, daß es sich bei der Gesellschaft, die
in dem Sozialismuspapier beschrieben wird, um eine Gesellschaft mit
bürgerlichen Mechanismen handelt, die aber viel friedlicher,
demokratischer und gerechter als der derzeitige Kapitalismus ist. Eine solche
Gesellschaft halten wir für prinzipiell unmöglich. Die im
Sozialismuspapier genannten Ziele sind nach unserer Auffassung nur zu
verwirklichen, wenn ein radikaler Bruch mit den derzeit herrschenden
Verhältnissen erfolgt, wenn die bisherigen Mechanismen und
Wirkungsprinzipien der Klassengesellschaft durch völlig neue
gesellschaftliche Beziehungen ersetzt werden.
Mit dem vorliegenden Entwurf des Sozialismuspapiers ist es noch nicht
geglückt, diese aufzuzeigen.
Aus Antrag S 11
Der Parteitag möge beschließen, die Diskussion zu den
Sozialismusvorstellungen der DKP fortzuführen mit dem Auftrag, diese
Diskussion als wesentlichen Bestandteil der Vorbereitung eines neuen
Parteiprogramms zu organisieren.
Begründung:
- Das Konzept der DKP zum Sozialismus ist bezogen auf die
Zielstellung ihrer Politik der wichtigste Bestandteil ihrer Programmatik.
- Die gegenwärtig vorliegende Fassung der
Sozialismusvorstellungen hat nach den von uns zu übersehenden Diskussionen
in wesentlichen Fragen stark unterschiedliche Positionen sichtbar gemacht.
- Ein Abschluß der Diskussion in dieser Phase würde die
dringend erforderlich theoretische Diskussion spürbar behindern und die
Ausarbeitung des neuen Parteiprogramms erschweren.
Zum Abschnitt "Mit dem Kapitalismus brechen"
Aus Antrag S 18
Neue Entwicklungen im Imperialismus
Getrieben von der kapitalistischen Konkurrenz und dem technischen
Fortschritt ist in den beiden letzten Jahrzehnten die Globalisierung der
Ökonomie rasch vorangeschritten und in Widerspruch zu nationalen
Wirtschaftsräumen und den beschränkten Möglichkeiten nationaler
Wirtschaftspolitik geraten. Nationale Wirtschaftsschranken wurden
niedergerissen, die Märkte geöffnet und die Regulierungsfunktion der
Nationalstaaten untergraben und entwertet. Mit der Liberalisierung des
internationalen Kapitalmarktes und der internationalen lnvestitionspolitik
werden die Voraussetzungen für die weltweite Mobilisierung ungeheurer
Kapitalmassen geschaffen. Das Spekulationskapital erhält besondere
Vorrechte und gewinnt eine noch nie dagewesene Bedeutung. Globalisierung,
Öffnung der Märkte, Deregulierung und Privatisierung lösten
weltweit eine gigantische Konzentrationswelle aus.
Die transnationalen Konzerne und Finanzgruppen sind die treibenden
Kräfte der Globalisierung. Sie machen die ganze Welt zum
unbeschränkten Handels-, Investitions- und Produktionsraum. Über die
Welt verteilt kombinieren sie in einem konzerninternen Netzwerk die
fortschrittlichste Technologie mit günstiger Arbeitskraft und billigen
Rohstoffen. Sie organisieren Zulieferungen und Produktion über
verschiedene Unternehmen in der ganzen Welt. Bei ihnen ist die
Internationalisierung der Mehrwertproduktion die bestimmende Erscheinung. In
transnationalen Produktionsnetzen führen sie die Produktions- und
"Kopf"arbeiter durch den engen Entwicklungs-, Produktions- und
Zuliefererverbund in einem weltweiten für diese allerdings schwer
durchschaubaren unmittelbaren Kooperations- und Konkurrenzzusammenhang
zusammen.
Ent-Industrialisierung und gleichzeitiger Aufbau modernster Fertigung wird
zu einer globalen Erscheinung. Über die ganze Welt verstreut entstehen
hochproduktive Inseln in einem weltweiten Meer des Desasters. In São
Paulo oder Singapur, in Delhi oder Mexiko entstehen Zonen der Produktion und
Konsumtion eingegliedert in das internationale Netz der
Kapitalakkumulation , die sich nur wenig von den Zentren Europas, Japans
oder der Vereinigten Staaten unterscheiden. Aber der Großteil der
Bevölkerung ist von diesem Prozeß ausgeschlossen; Arbeitslosigkeit,
Armut, Marginalisierung, Ausgrenzung und soziale Polarisierung nehmen weltweit
zu. Ebensowenig führt dieser Prozeß zu einer eigenständigen
Entwicklung der unterentwickelten Länder.
Paradoxerweise spielen die Nationalstaaten, die als Hindernis für die
weitere Entwicklung des Weltmarktes betrachtet werden, eine bedeutende Rolle im
Prozeß der Globalisierung. Sie schaffen die gesetzlichen Voraussetzungen
für die Öffnung der Märkte, die Privatisierung des
öffentlichen Eigentums zugunsten privater Monopole und für die
Mobilisierung öffentlicher Mittel für die Unterstützung
transnationaler Kapitalgruppen für deren Weltmarktexpansion. Sie
schränken demokratische Rechte ein, bekämpfen die Gewerkschaften,
deregulieren die Arbeitsbeziehungen und privatisieren die Medien, damit diese
in einem noch nie dagewesenen Ausmaß zur Manipulation und zur
Vereinzelung der Menschen eingesetzt werden können. Der sog. "Sozial-
oder Wohlfahrtsstaat" wird zu einem Hemmnis für die
Weltmarktexpansion der Monopole. In dem Maße wie die Nationalstaaten die
Globalisierung im Interesse der transnationalen Konzerne vorantreiben,
unterhöhlen sie ihre Regulierungsfähigkeit. Die Macht der Märkte
wird allgemein. Über internationale Abkommen soll den Staaten nur noch das
Recht und die Pflicht zugestanden werden, für politische Sicherheit und
ein günstiges lnvestitionsklima zu sorgen und den freien Gewinntransfer zu
garantieren. Aber auch mit Wirtschaftsblockaden und militärischen Mitteln
setzen die imperialistischen Zentren, z.Zt. v.a. die USA, ihre "Neue
Weltordnung" und den freien Zugang zu Märkten und Ressourcen durch.
Die wachsende Internationalisierung führt zur Herausbildung von
regionalen Wirtschaftsblöcken, die in Konkurrenz zueinander stehen, aber
auch vielfältig miteinander verbunden sind. Gleichzeitig wächst die
Bedeutung und der Einfluß von internationalen Institutionen wie Weltbank,
Internationaler Währungsfonds IWF, OECD, G-7-Treffen,
Welthandelsorganisation WTO. Mit Hilfe dieser Einrichtungen festigen die
imperialistischen Hauptländer ihre Hegemonie im Prozeß der
Globalisierung.
Bei der Globalisierung handelt es sich sowohl um einen objektiven
Prozeß wie auch um eine neue Phase im historischen Prozeß der
Internationalisierung des Kapitals.
Die qualitativen Veränderungen der heutigen Ökonomie, Politik und
Gesellschaft verändern auch die Bedingungen, unter denen die Linke und die
Arbeiterbewegung den Kampf um soziale Gerechtigkeit, Entwicklung, Frieden,
Demokratie und Menschenrechte führen muß.
Seite 2, Zeile 37: einfügen "Aus diesem Grunde nennen wir
diese zweite Klasse weiterhin die Arbeiterklasse, wohl wissend, daß diese
Klasse heute in sich vielfach strukturiert ist."
Es taucht eine große Vielfalt neuer sozialer Akteure auf. Der sich
globalisierende Kapitalismus globalisiert und multipliziert seine
Totengräber. Mit der antirassistischen Bewegung, in der Geschlechterfrage,
zu Umwelt- und vielen anderen Fragen agieren neue Kräfte autonom. Die
Existenz einer breiten Schicht von Ausgebeuteten und Ausgegrenzten
eröffnet die Möglichkeit und die Notwendigkeit, alle Betroffenen in
einem alternativen politischen und sozialen Projekt zusammenzuführen, sie
als Gesamtheit in ihrer Vielfalt und Autonomie zu vereinen.
weiter wie bisher: "Die Arbeiterklasse muß, der
historischen Verantwortung entsprechend, die entscheidende Kraft zur Rettung
der Zivilisation und zur Erkämpfung des Übergangs vom Kapitalismus
zum Sozialismus sein."
Aus Antrag S 21
Seite 1:
Kapitalismus, Imperialismus, Krieg
Die ökonomische Globalisierung verändert zwar das Verhältnis
der transnational operierenden Konzerne und des Finanzkapitals zu den
Nationalstaaten, sie hat aber nicht ,Entstaatlichung zur Folge, sondern
das Gegenteil. Mehr denn je wird der Staat als Machtinstrument zur Absicherung
der Kapitalinteressen, als Repressionsinstrument nach innen und als
militärischer Machtapparat nach außen gebraucht.
Nachdem der von der Sowjetunion geführte Block sozialistischer Staaten
als gemeinsamer Hauptfeind des ,Westens nicht mehr existiert,
verschärfen sich wieder die Rivalitäten zwischen den
imperialistischen Staaten, vor allem zwischen den drei wirtschaftlich
dominierenden Machtblöcken USA/NAFTA, Deutschland/EU und
Japan/Südostasien. Die imperialistischen Hauptländer erheben in
Konkurrenz zueinander Ansprüche auf den "ungehinderten Zugang zu
Märkten und Rohstoffen in aller Welt" (z.B. Verteidigungspolitische
Richtlinien, VPR, Bonn 1992). Der Konkurrenzkampf um Vorherrschaft und
Einflußgebiete wird mit allen Mitteln von Handelstransaktionen bis
hin zu Militärinterventionen ausgetragen. Im Kampf um die
Neuaufteilung der Welt versucht jeder, möglichst vorteilhafte
Ausgangsstellungen zu besetzen und strategisch wichtige Regionen den
Konkurrenten zu entziehen.
Die USA sind heute nicht mehr unumstritten die kapitalistische Weltmacht Nr.
1. Während Deutschland zum Exportweltmeister aufstieg, sank der Anteil der
USA am Weltbruttosozialprodukt von 50 % am Ende des 2. Weltkriegs auf heute
etwa 25 %. Je stärker der US-Imperialismus ökonomisch
zurückfällt, um so aggressiver verteidigt er seine bisher noch
unangefochtene militärische Führungsrolle. Erklärtes Ziel der
USA ist es, "dem Aufstieg jedes möglichen Konkurrenten globaler
Dimension zuvorzukommen" ("No-rivals"-Papier des Pentagon,
1992).
Nach Jahren aufgezwungener außenpolitischer Beschränkung hat sich
als neue Großmacht Deutschland auf der weltpolitischen Bühne
zurückgemeldet. Als Kraftquelle für seinen dritten Aufstieg soll ihm
Europa dienen. Der deutsche Imperialismus will nicht mehr nur ökonomisch,
sondern auch politisch und militärisch zur Führungsmacht in Europa
werden. Nach dem Motto " ... und bist du nicht willig, so brauch ich
Gewalt" hat Kanzler Kohl die Einigung Europas nach deutschem Konzept zur
"Frage von Krieg und Frieden im 21. Jahrhundert" erklärt.
Zentrale Bedeutung wird dabei der Herstellung eigenständiger
militärischer Handlungsfähigkeit unabhängig von den USA
beigemessen (z.B. im Kerneuropa-Papier der CDU/CSU, 1994), denn
"trotz prinzipieller Übereinstimmung werden sich die deutschen
Interessen nicht in jedem Einzelfall mit den Interessen der Verbündeten
... decken" (VPR). Unbeschadet seiner konkurrierenden Ambitionen
kollaboriert der deutsche Imperialismus überall dort und in dem Maß,
wo bzw. wie es ihm zur Stärkung seiner Machtpositionen nützlich
erscheint, mit dem US-Imperialismus. Dies gilt für die (vorerst noch)
,friedliche Erweiterung seines Hinterlandes (Ost-Erweiterung von NATO und
EU) und die Unterwerfung Rußlands und der übrigen Länder der
ehemaligen Sowjetunion unter imperialistische Machtansprüche ebenso wie
für die Anzettelung von Kriegen, die sich nutzen lassen, um die
,Normalisierung Deutschlands im Sinne der Wiederherstellung der
militärischen Kriegsfähigkeit sowie der innen- und
außenpolitischen Akzeptanz weltweiter Kriegseinsätze der Bundeswehr
voranzutreiben (Jugoslawien, Golf etc.). Aufgrund seiner "globalen
Interessen" lasse sich die künftige Militärpolitik Deutschlands
"weder inhaltlich noch geographisch eingrenzen", so die
Verteidigungspolitischen Richtlinien.
Wer 1989/91 noch glaubte, die Welt würde durch die Niederlage des
Sozialismus friedlicher, konnte seither beobachten, daß das Gegenteil der
Fall ist und die Aggressivität, mit der die Konkurrenz zwischen den
Imperialisten ausgetragen wird, sich in den letzten Jahren bereits wieder
erheblich verschärft hat.
Zum Abschnitt "Leistungen und Fehlentwicklungen des realen
Sozialismus"
Aus Antrag S 15
Seite 4, Zeile 9: In den sozialistischen Ländern wurde also
kein neuer, dem Sozialismus entsprechender Typ der
Produktivkraftentwicklung geschaffen, der aber notwendig geworden war, um
die Aneignung der Natur, die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse und
die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen zueinander auf moderne,
wissenschaftliche und humane Art voranzutreiben.
Seite 4, Zeile 13: Eine der inneren Ursachen für die Niederlage
des Sozialismus sehen wir darin, daß das garantierte Grundrecht der
Bürger auf Mitbestimmung und Mitgestaltung nicht in einem umfassenden
Maße zur moralischen Verpflichtung eines jeden werden konnte. Dadurch
fehlten der Gesellschaft die Menschen, die die Widersprüche innerhalb des
Sozialismus hätten bewältigen können, um so entsprechend
dem erreichten Entwicklungsstand der Gesellschaft immer neue
revolutionäre Entwicklungsschübe zu geben. Statt dessen erstarrten
die gesellschaftlichen Verhältnisse mehr und mehr.
Aus Antrag 18
6. Stern, 2. Absatz einfügen nach "Partei und Staat
verschmolzen mehr und mehr zu einem administrativ-bürokratischen
Apparat."
Entgegen dem Leninschen Ansatz der Machtausübung durch die Massen
dem Fundament einer neuen politischen Ordnung wurde unter den
außerordentlichen Bedingungen eines rückständigen Landes, des
Bürgerkrieges, der internationalen Isolierung und der extremen
äußeren Bedrohungssituation des neuen Sowjetstaates die gesamte
Macht bei der Staats- und Parteiführung konzentriert. Der Ausnahmezustand
eines revolutionären Übergangs wurde als Dauerzustand gerechtfertigt,
soziale und politische Konflikte innerhalb der neuen Ordnung mit Terror und
administrativem Zwang unterdrückt und die Verstaatlichung auf alle
gesellschaftlichen Bereiche ausgedehnt. Die sozialistische Demokratie blieb
nicht nur unterentwickelt, sie wurde durch die Mißachtung sozialistischer
Rechtsstaatlichkeit massiv verletzt.
gestrichen wird: "Die extreme äußere
Bedrohungssituation der Sowjetunion führte nach innen zu Repression und
Terror. Bloße Verstaatlichung trat an die Stelle wirklicher
Vergesellschaftung. Die Folge war eine zunehmende Entfremdung vom
sozialistischen Eigentum."
Ergänzung - nach dem 6. Stern einen neuen Punkt einfügen:
(Seite 3, Zeile 57)
* Politische Macht wurde auf die Eroberung und Verteidigung der Staatsmacht
reduziert. Der Sozialismus sollte mittels der Allmacht eines sozialistischen
Staates durchgesetzt werden. Durch die Verstaatlichung des gesamten
gesellschaftlichen Lebens gab es keine Mechanismen zur Konsensbildung
unterschiedlicher sozialer und politischer Interessen. Die ungenügende
Entwicklung einer sozialistische Demokratie und das Fehlen einer
sozialistischen "Zivilgesellschaft" wurden in den letzten Jahren der
Existenz der sozialistischen Länder zu einem immer schwerwiegenderen
Hemmnis für eine dynamische Entwicklung. Dadurch wurde der sozialistische
Staat zur Staatsgewalt, ohne daß die Klasse, der dieser Staat zur
Herrschaft verhelfen sollte, eine führende Rolle in der Gesellschaft
ausübte. Der sozialistische Staat konnte sich durch einen Ausbau der
staatlichen Gewalt eine Zeitlang als herrschende Macht behaupten, entfremdet
sich aber zunehmend von der Gesellschaft und auch von der ihn tragenden Klasse.
Durch einen Ausbau des Gewaltapparats konnte diese grundlegende Krise
jahrzehntelang verdeckt, aber nicht gelöst werden. Das Resultat war die
vollkommene Unterhöhlung der politischen Ordnung, die schließlich
widerstandslos zusammenbrach.
In den sozialistischen Ländern trat an die Stelle einer wirklich
führenden Partei, die sich im gesellschaftlichen Wettstreit der Meinungen
als überlegen erweist, eine Partei, deren Führungsrolle zunehmend nur
mehr mit der Staatsmacht behauptet wurde. Die führende Rolle der Partei
wurde nicht in der ideologisch-politischen Auseinandersetzung unter Beweis
gestellt, sondern es wurde auf administrativem Weg ein Führungsanspruch
durchgesetzt. So verloren die Kommunisten die Fähigkeit, konkret die
Partei der revolutionären Volksmacht und die Vorkämpfer einer neuen
Gesellschaft zu sein. Die Ansätze zur Identifizierung mit dem Sozialismus
wurden untergraben.
Aus Antrag S 27
Seite 3, Zeile 58: Ersetze den Spiegelstrich: "Dieses
Sozialismusmodell wurden nach dem zweiten Weltkrieg auf die Länder
übertragen ... mußte destabilisieren." durch:
"Nach dem Sieg der Anti-Hitler-Koalition wurde in den von der Roten
Armee befreiten Gebieten Osteuropas und Deutschlands die Grundlage für
eine alternative Entwicklung zum Kapitalismus gelegt. Nach der Lösung der
zunächst dringendsten Aufgaben, der Beseitigung der faschistischen
Herrschaftsstrukturen und der Wiederherstellung der zerstörten
Volkswirtschaften, begann eine Etappe der antifaschistisch-demokratschen
Neuordnung, die in den verschiedenen Ländern zu neuartigen und
unterschiedlichen Entwicklungsvarianten von Übergängen zum
Sozialismus führten. Konnten trotz der Nachkriegswirkungen und der Folgen
des Kalten Krieges zunächst bedeutende wirtschaftliche Erfolge erreicht
werden, so erwiesen sich diese Sozialismusvarianten später als zu wenig
flexibel, um die Anforderungen der wissenschaftlich-technischen Revolution zu
meistern. Widersprüche, die sich auf der neuen Grundlage entwickelten,
wurden nicht ausreichend produktiv genutzt. Die Folge war, daß die
sozialistischen Länder in der Entwicklung der Arbeitsproduktivität
und des materiellen Lebensstandards immer weiter hinter den entwickelten
kapitalistischen Ländern zurückblieben. Das mußte
destabilisieren."
Schließe an die obige Änderung einen neuen Spiegelstrich
an: "In der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands entstand mit
der späteren DDR der erste sozialistische Staat auf deutschem Boden. Die
Erfahrungen des sozialistischen Aufbaus der DDR bilden gerade für die
deutschen Kommunistinnen und Kommunisten den Erfahrungsschatz, den sie vor
allen antisozialistischen Geschichtsklitterungen zu bewahren haben. Die DDR war
insgesamt die größte Errungenschaft, die die revolutionäre
deutsche Arbeiterbewegung vorzuweisen hat. Unter den ungünstigen
politischen, militärischen, wirtschaftlichen und ideologischen
Umständen entstand ein Staat der Arbeiter, Bauern und der werktätigen
Intelligenz, der in 40 Jahren vorerst einmalige soziale, politische und
kulturelle Bedingungen für die Arbeitenden schuf.
Ein Drittel des Herrschaftsbereiches des deutschen Imperialismus wurde
seinem Einfluß entzogen. Damit hatte er sich nach 1945 nie abgefunden.
Seine geballten politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Apparate waren
über die ganze Zeit darauf ausgerichtet, die Bevölkerung der DDR von
den Vorzügen des "freien Westens" und der "sozialen
Marktwirtschaft" zu überzeugen Diese Rechnung ging, begünstigt
durch ökonomische und politische Defizite, Deformationen und Fehler der
DDR, auf. Die Hoffnungen und Erwartungen der Antifaschisten, Sozialisten und
Kommunisten nach 1945 in Deutschland auf einen dauerhaften Sieg einer
sozialistischen Alternative blieben unerfüllt. Die Niederlage der DDR
stellt eine schwere Niederlage für alle dar, die sich für eine
Alternative zum Kapitalismus einsetzen.
Die DKP steht zu den Erfahrungen der DDR; sie verteidigt alle diejenigen,
die heute wegen ihrer aktiven Mitwirkung am Aufbau des ersten sozialistischen
deutschen Staates verfolgt und diskriminiert werden."
Füge neu ein als letzten Absatz in diesem Kapitel: "Der
reale Sozialismus war und bleibt die bislang größte Errungenschaft
der internationalen Arbeiterbewegung. Durch seine Existenz, durch die Kraft
seines Beispiels und durch praktische Solidarität erwies er darüber
hinaus allen für ihre soziale und nationale Befreiung kämpfenden
Kräften in der Welt Rückhalt und Unterstützung.
Mit wachsendem Abstand zu seiner Niederlage in den Ländern des
Warschauer Paktes wird deutlicher, daß er selbst noch in der Phase seines
Niedergangs den werktätigen Massen und Schichten eine lebenswerte
Perspektive geboten hatte als der nach dem Sieg der Konterrevolution
neuerrichtete Kapitalismus. Massenarbeitslosigkeit, soziale Deklassierung,
Verarmung, millionenfacher Hunger, Kinderelend, Prostitution und
überbordende Kriminalität sind unübersehbar geworden Die krassen
sozialen Gegensätze zwischen einer neuen Bourgeoisie und immer
größeren Schichten des werktätigen Volkes, die in Not und Armut
versinken, all dies sind neue Erfahrungen, die bei Millionen Menschen zu einer
Rückbesinnung auf die Errungenschaften des realen Sozialismus geführt
haben."
Zum Abschnitt "Wesensmerkmale des künftigen Sozialismus"
Aus Antrag S 17
Seite 5, Zeile 6: vor der Zwischenüberschrift "Was wird an die
Stelle ...")
Ersatzlos streichen den ganzen Absatz von "Letzten Endes ..." bis
"... geprägt ist."
Begründung:
Der Sozialismus wird sich nur dann bewähren, wenn er zum Kommunismus
voranschreitet, wenn die Klassen aufgehoben werden, die Ausbeutung des Menschen
durch den Menschen keinerlei ökonomische Grundlage mehr hat und der neue
Mensch entstanden ist. Hingegen bewahrt uns auch eine weltweite Verbreitung des
Sozialismus (Übergangsgesellschaft!!!) nicht vor der Konterrevolution.
Aus Antrag S 27
Seite 2, Zeile 57: Füge an nach Brot: "Er erwächst
nicht zuletzt auch aus der Entwicklung der Produktivkräfte, die eine
weltumspannende proletarische Organisation der Produktion
ermöglichen."
Zum Abschnitt "Was wird an die Stelle der jetzigen Gesellschaft
treten?
Seite 5, Zeile 37: Internationalismus: Ersetze:
"Die Sozialisten aller Welt arbeiten zusammen mit dem Ziel, eine
Kampfgemeinschaft ... herzustellen." durch: "Die
Sozialisten der ganzen Welt arbeiten zusammen Sie bilden eine Kampfgemeinschaft
gegen den Imperialismus und für die Bewahrung des Friedens. Sie üben
aktive Solidarität mit allen Unterdrückten und Ausgebeuteten dieser
Welt und unterstützen ihre Befreiung und Entwicklung; sie fördern das
freundschaftliche Zusammenleben der Völker in gegenseitiger Achtung und
stellen die notwendige Zusammenarbeit der Parteien und Staaten her, die sich
auf dem Wege zum Sozialismus befinden."
Zum Abschnitt "Ökonomie"
Aus Antrag S 18
Werden die gesellschaftlichen Ziele in einem demokratischen Prozeß
erarbeitet, dann kann auch herausgefunden werden, wieviel Plan und wieviel
Markt benötigt werden, um diese Ziele zu erreichen.
Der zentrale, demokratisch bestimmte Plan ist das entscheidende Instrument
sozialistischer Ökonomie. Im Plan werden allerdings nur die
Grundproportionen und Hauptrichtungen der wirtschaftlichen und technologischen
Orientierung bestimmt. In der Kombination von Plan und Markt, von makro- und
mikroökonomischen Anreizen müssen Regulierungsmechanismen wirken, die
zu einem effizienten Umgang mit der gesellschaftlichen Arbeitszeit führen
und den technologischem Fortschritt zur Produktivitätssteigerung und
Ressourceneinsparung fördern. Zur Messung der Effizienz müssen die
Betriebe in einem unmittelbaren Kontakt zu den Abnehmern stehen. Innerhalb der
Betriebe müssen die Produzenten umfassende
Mitbestimmungsmöglichkeiten ausüben können, damit sie nicht zum
Objekt fremder Entscheidungen werden bzw. die Konsequenzen fremder
Entscheidungen tragen müssen. Auf diese Weise kann die Marktregulierung
zur Erreichung der gemeinschaftlich geplanten Ziele eingesetzt und als Element
des Planungsprozesses integriert werden.
Über einen langen Zeitraum wird der Sozialismus eine gemischte
Wirtschaft zur Erreichung gesellschaftlicher Ziele nutzen. Bei den
entscheidenden Produktionsmitteln, den Großkonzernen und Banken wird das
private Eigentum gebrochen sein. Daneben wird genossenschaftliches und privates
Eigentum an Produktionsmittel existieren. Die Herausbildung sozialistischen
Eigentums und der Übergang zu einer sozialistischen Produktionsweise wird
wahrscheinlich nur in einem langwierigen, komplexen gesellschaftlichen
Prozeß erfolgen können.
Aus Antrag S 27
Seite 6, Zeile 10: Ersetze: "Der Sozialismus führt einen
grundlegenden Bruch ... Planung und Leitung." durch:
"Der Sozialismus bricht grundlegend mit der kapitalistischen
Wirtschaftsweise, die auf Erzielung maximalen Profits durch die Ausbeutung der
menschlichen Arbeitskraft und den verschwenderischen Umgang mit den
Naturressourcen gerichtet ist. Im Sozialismus befriedigen die Menschen Ihre
materiellen und kulturellen Bedürfnisse durch eine hohe Produktivität
der gesellschaftlichen Arbeit. Auf der Grundlage gesellschaftlicher Planung und
Leitung wenden sie eine neue, die natürlichen Reichtümer bewahrende
Wirtschaftsweise an."
Seite 6, Zeile 44: Ersetze: "Nach und nach werden immer weitere
Bereiche durch gemeinschaftliche Tätigkeit ... garantiert sein,"
durch: "Nach und nach werden immer weitere Bereiche durch
gemeinschaftliche Tätigkeit statt durch die privatwirtschaftlichen
Marktgesetze geprägt. Bislang in den individuellen Bereich
abgedrängte reproduktive Tätigkeiten (Hausarbeit) können wieder
gesellschaftlich ausgeübt werden die Grenzen zwischen
gesellschaftlicher Produktion und individueller Reproduktion werden aufhebbar.
Von Anfang an werden gesellschaftlich sinnvolle Arbeit, menschenwürdiges
Wohnen, gesunde Nahrung, Kleidung und Bildung garantiert sein."
Aus Initiativ-Abänderungsanträgen:
Seite 8, vor Zeile 44: Das persönliche Eigentum an Konsumtionsmitteln,
bestehend aus Ersparnissen, Wohneigentum, Grund und Boden für
Erholungszwecke usw. wird garantiert. Es entsteht im Sozialismus neu
ausschließlich auf der Grundlage eigener Arbeitsleistung und wird
besonders geschützt und entwickelt.
Seite 8, Zeile 44, bis Seite 9, Zeile 13, soll durch folgenden Text ersetzt
werden:
Die unterschiedlichen Formen des gesellschaftlichen Eigentums und das
vorhandene Privateigentum an den Produktionsmiteln erfordern im Sozialismus
noch Äquivalentenaustausch und damit Warenproduktion.
Warenproduktion und Marktbeziehungen sind im Sozialismus jedoch Grenzen
gesetzt. Vor allem hört die Arbeitskraft auf, eine Ware zu sein. Damit
wird die Ausbeutung des Menschen überwunden.
Weite Bereiche des gesellschaftlichen Lebens wie
- Bildung
- Gesundheit
- Soziale Sicherungssysteme
- Sport
- Erholung
- Schutz der Natur
- Kultur
werden dem Marktmechanismus zunehmend entzogen. Von Anfang an werden das
Recht auf Arbeit, das Recht auf Wohnung, Nahrung und Kleidung garantiert sein.
Da im Sozialismus der Reichtum jedoch noch nicht so weit entwickelt ist, um
eine unmittelbare Verteilung der Produkte nach Bedürfnissen zu
gewährleisten, und die verschiedenen Produktionskollektive ihre
Erzeugnisse entsprechend der von ihnen notwendig verausgabten Arbeit
austauschen müssen, existieren objektiv Warenproduktion und Wertgesetz des
Sozialismus. Unter diesen Bedingungen wird auch die Leistung des Einzelnen
Maßstab für die Entlohnung seiner Arbeit sein.
In den internationalen Austauschbeziehungen sind insbesondere den
Völkern der Dritten Welt Preise zu garantieren, die dem Aufwand an
notwendiger Arbeit in ihren Ländern gerecht werden.
Zum Abschnitt "Demokratie"
Aus Antrag S 18
Seite 7, Zeile 22: einfügen "Der Beginn des sozialistischen
Weges ist nicht als Putsch denkbar, sondern nur als Ergebnis des Handelns von
Millionen also als Ausdruck tiefer Demokratie."
Die sozialistische Revolution ist nicht die Überwindung der
bürgerlichen Gesellschaft, sondern zunächst die Übernahme der
Staatsmacht. Dieser politische Durchbruch wird ermöglicht und stabilisiert
in dem Maße als sich die Arbeiterklasse als Repräsentant der
gesamten Gesellschaft verankert, die führende Rolle in der Gesellschaft
erringt. Das Feld dieser Auseinandersetzung ist die "Zivile
Gesellschaft", jener Bereich zwischen Ökonomie und Staat, in der das
Einverständnis der Menschen mit den sozialen, kulturellen und politischen
Verhältnissen hergestellt wird. Auch der Sozialismus braucht diese
Sphäre in der Gesellschaft, die im heutigen Kapitalismus zu einem
hocheffektiven Teil des Herrschaftssystems geworden ist. Der Kampf vor und nach
der politischen Revolution ist durch den Kampf um die Hegemonie verbunden. Die
politische Revolution selbst kann vielfältige Formen annehmen; sie wird
nur dauerhaft sein, wenn die Entmachtung der Bourgeoisie und die Entwicklung
neuer Formen der Volksmacht im revolutionären Prozeß zunehmend mit
der Herausbildung einer sozialistischen Zivilgesellschaft einhergeht.
Außerdem, und dies ist der wesentliche Aspekt, hat die weltweite
Erfahrung der letzten Jahre sehr klar gemacht, daß die sozialistische
Macht demokratisch sein muß. In ihrem partizipativen demokratischen
Charakter, und nicht in der puren Fähigkeit etwas zu erzwingen, liegt
für die revolutionäre Macht die Garantie, auch angesichts einer sich
restaurierenden Konterrevolution zu überleben. In ihrem demokratischen und
partizipativen Charakter liegt auch die Garantie für ökonomische
Leistungsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit und Emanzipation. Demokratie ist
ein struktureller Bestandteil des künftigen Sozialismus. Sozialistische
Demokratie muß die Errungenschaften der bürgerlichen Demokratie in
sich aufheben und sie muß weiter gehen als die durch Klasseninteressen
begrenzte bürgerliche Demokratie.
Aus Antrag S 27
Seite 8, Zeile 34: Füge ein nach: "... Widerstand des
Großkapitals durchsetzen." den neuen Satz:
"Die historischen Erfahrungen aller sozialistischen Revolutionen
nicht zuletzt auch die Erfahrungen von Chile 1973 verbieten alle
Illusionen über einen freiwilligen Rücktritt der Kapitalistenklasse
von der Macht und einen gemütlichen, rein parlamentarisch-reformerischen
"Spaziergang zum Sozialismus."
(Weiter mit dem bestehenden Satz:) "Auseinandersetzungen werden
im Sozialismus andauern, ..."
Zum Abschnitt "Der Weg zum Sozialismus"
Aus Antrag S 22
Wir beantragen bei der Verabschiedung und weiteren Ausarbeitung der
"Sozialismusvorstellungen der DKP" als Arbeits- und
Diskussionsgrundlage für die künftige Programmarbeit der DKP, die
Aussagen zu folgenden Bereichen zu konkretisieren:
- Zu den ehemaligen sozialistischen Ländern Europas ( Sowjetunion u.
a.);
- Zu bereits bestehenden sozialistischen Ländern auf anderen
Kontinenten;
- Zu den allgemein gültigen Wesensmerkmalen des Sozialismus.
* * * * *
Aus Antrag S 01
- Antrag "Sozialismus - die historische Alternative zum Imperialismus -
Sozialismusvorstellungen der DKP" wird als Arbeits- und
Diskussionsgrundlage für die weitere Programmarbeit beschlossen.
- Als Diskussions- und Arbeitsgrundlage beschlossenes Material und
weitere Fragestellungen werden in einem Anhang zu dem Text als
Diskussionsangebot veröffentlicht.
- Die Programmkommission wird beauftragt, weitere Diskussionen im
Rahmen der Erarbeitung unseres neuen Parteiprogramms zu organisieren.
- Der Parteivorstand wird beauftragt, eine ständige
Kommission zu bilden, die die Aufgabe erhält, den Sozialismus der DDR zu
erforschen. Zum 50. Jahrestag der Gründung der DDR soll eine erte
Arbeitskonferenz durchgeführt werden. Die Kommission soll
Ost-West-paritätisch besetzt sein und von einem Parteivorstandsmitglied
geleitet werden.
Aus Antrag S 12
Der 14. Parteitag beschließt, mit der Erarbeitung eines neuen
Parteiprogramms zu beginnen. Wir können auf das Statut und wichtige
programmatische Bausteine aufbauen, so auf die Thesen zur programmatischen
Orientierung und das Aktionsprogramm. Einbezogen werden die von diesem
Parteitag als Arbeits- und Diskussionsgrundlage beschlossenen
Sozialismusvorstellungen der DKP. Der Parteivorstand wird beauftragt, einen
Entwurf zu erarbeiten.
Begründung
Die DKP benötigt ein neues Parteiprogramm, in dem dargelegt wird, wie
wir uns Alternativen zu diesem Gesellschaftssystem vorstellen können und
welcher Weg aus unserer Sicht notwendig ist, um zu diesem Ziel zu gelangen. Mit
einem neuen Programm erarbeiten wir zugleich wesentliche Erfahrungen, die sich
aus dem Zusammenbruch und der Zerschlagung des Sozialismus in Europa ergeben.
Die DKP profiliert sich als eine Partei, die die wissenschaftliche
Weltanschauung, die Theorien von Marx, Engels und Lenin und anderer
marxistischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bewahrt und auf dieser
Grundlage neue, zukunftsorientierte Antworten gibt. Die gründliche
Erarbeitung inner- und außerhalb der Partei kann ein wichtiger
Bestandteil des notwendigen Dialogs der Linken in der Bundesrepublik
Deutschland sein. Gleichzeitig dient diese Diskussion der
Selbstverständigung der Mitglieder der DKP. Das Programm ist eine
Möglichkeit, vor allem interessierten jungen Menschen ein politisches
Angebot zu machen. Es kann ein Werbeträger für die DKP sein.
Beschluß des 14. Parteitags der DKP:
"Sozialismusvorstellungen der DKP:
Sozialismus - die historische Alternative zum Kapitalismus"
- Der Antrag "Sozialismus - die historische Alternative zum
Imperialismus - Sozialismusvorstellungen der DKP" wird als Arbeits- und
Diskussionsgrundlage für die weitere Programmarbeit beschlossen.
- Als Arbeits- und Diskussionsgrundlage beschlossene Anträge
und weitere Fragestellungen werden in einem Anhang zu dem Text als
Diskussionsangebot veröffentlicht.
- Die Programmkommission wird beauftragt, weitere Diskussionen im
Rahmen der Erarbeitung unseres neuen Parteiprogramms zu organisieren.
- Der Parteivorstand wird beauftragt, eine ständige
Kommission zu bilden, die die Aufgabe erhält, den Sozialismus der DDR zu
erforschen. Zum 50. Jahrestag der Gründung der DDR soll eine erste
Arbeitskonferenz durchgeführt werden. Die Kommission soll
Ost-West-paritätisch besetzt sein und von einem Parteivorstandsmitglied
geleitet werden.
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