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Der Flughafenausbau aus Blickpunkt Mörfelden-Walldorf

blickpunkt

Zeitung der DKP für Mörfelden-Walldorf
blickpunkt - Mörfelden-Walldorf

Sagt endlich, was ihr heute wollt! Sind sie eigentlich gegen den Flughafen-Ausbau unsere örtliche Sozialdemokraten? (blickpunkt 12/99)

Antrag der DKP/OL-Fraktion angenommen: Ausschuß und Finanzmittel gegen Flughafenausbau. (blickpunkt 11/99)

Flughafenausbau Antrag der DKP/OL-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung. (blickpunkt 10/99)

Ergebnisoffen? Da lachen ja die Hühner! Offenbar gibt es immer noch Leute, die glauben, die Mediation sei ergebnisoffen. (blickpunkt 08/99)

Flughafenerweiterung ... hat Ministerpräsident Eichel eine Mediationsrunde zur Flughafenerweiterung eingerichtet. Hier sollen nun "Ausbaugegner" und "Ausbaubefürworter" eine begrenzte Zeit diskutieren. (blickpunkt 06/98)

Flughafenerweiterung Bei der Vorstellung in Frankfurt war auch der ehem. Ministerpräsident Holger Börner dabei. Befragt, wie er seine Entscheidungen von damals heute bewertet, meinte er: "Ich würde alles genau so wieder machen." (blickpunkt 04/98)

Flughafenerweiterung Was wäre eigentlich gewesen, wenn es rings um den Flughafen Ende des vergangenen Jahres keinen Aufschrei gegeben hätte, als der Lufthansa-Boß und einflußreiche Wirtschaftskreise eine weitere Startbahn forderten. (blickpunkt 01/98)

Sagt endlich, was ihr heute wollt!

Sind sie eigentlich gegen den Flughafen-Ausbau unsere örtliche Sozialdemokraten?

Baldur Schmidt, der Erste Kreisbeigeordnete, meint: "Weil das Mediationsverfahren zum möglichen Ausbau des Airports noch im Gange ist, will die aus den Anrainerstädten und -gemeinden bestehende Kommunale Arbeitsgemeinschaft Flughafen zur Zeit noch nicht laut protestieren“. (FR 24.11.)

Kurt Oeser und Bernhard Brehl halten sich aus dem selben Grund ebenfalls vornehm zurück.

H.J. Vorndran ist aber jetzt mal berechtigterweise der Kragen geplatzt.

War ja auch gar zu dreist, was da die Petra Roth, CDU-Oberbürgermeisterin von Frankfurt, absonderte: Zwei neue Bahnen im Süden - auch wenn unsere Stadt dann nicht mehr bewohnbar ist.

Doch auch bei Vorndran muß man konkret fragen: Ist er nur ärgerlich, weil Petra Roth die Südbahnen forderte?

Also, wenn man die Nordbahn nimmt, oder Erbenheim, oder man steigert auf dem bestehenden Gelände - ist das dann OK?

Für die Bürgerinnen und Bürger wäre das aber nicht in Ordnung, denn der Krach und Dreck des immer weiter steigenden Flugverkehrs würde ja in der kleinen Rhein-Main-Region bleiben.

Den vier genannten Sozialdemokraten, aber auch anderen, dem Jürgen May, dem Enno Siehr, natürlich auch allen anderen örtlichen Parteivertretern (vor allem auch der CDU), sollte man schon die Frage stellen:

Was haltet ihr überhaupt von der Ausweitung?

Auf einer Bürgerversammlung am 18. 11. 97 haben sie noch alle einer von mir eingebrachten Resolution zugestimmt in der es hieß: "Wir werden alles tun, damit es nicht erneut zu einer Erweiterung kommt.“

Und die SPD-Fraktion legte am 28.11.97 der Stadtverordnetenversammlung eine Resolution vor, in dem der Satz steht: "Die Forderungen . . . zum Bau einer neuen Start- und Landebahn . . . werden entschieden zurückgewiesen.“

Hat sich an dieser Haltung etwas verändert?

Es wäre gut, man würde sich da mal äußern. Immerhin, in gut einem Jahr sind wieder Kommunalwahlen.

Rudi Hechler

Antrag der DKP/OL-Fraktion angenommen:

Mit den Stimmen der SPD, der Grünen und der DKP/OL, gegen die Stimmen der CDU wurde folgender Antrag in der Stadtverordnetenversammlung angenommen:

1. Zur Unterstützung des Widerstands gegen eine Flughafenerweiterung wird durch Beschluß der Stadtverordnetenversammlung ein fünfköpfiger Ausschuß gebildet, in dem alle Fraktionen vertreten sind.

2. Zur Entwicklung einer kontinuierlichen Öffentlichkeitsarbeit zum Thema "Flughafenerweiterung" werden im Nachtragshaushalt 1999 DM 15.000,- eingestellt.

Flughafenausbau

Kommunen müssen sich gemeinsam wehren

Die DKP/OL-Fraktion brachte in der Stadtverordnetenversammlung nachfolgenden Antrag ein:

  1. Es wird eine Kommission gebildet, der Vertreter aller in der Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien angehören sollen, um den Widerstand gegen eine Flughafenerweiterung zu unterstützen.
  2. Für die Arbeit dieser Kommission (Öffentlichkeitsarbeit) werden vorerst 15.000 DM bereit gestellt.

In der Begründung heißt es u.a.:

Die Mediationsrunde geht ihrem Ende entgegen. Die Pläne für weitere Start- und Landebahnen am Flughafen Frankfurt werden zügig vorangetrieben. Es gibt neue Rekorde im Flugverkehr. In diesem Jahr erwartet man 45 Millionen Fluggäste (Vorjahr: 30,43 Millionen). Viele Politiker wollen eine Erweiterung, manche sagen: „Es geht nur noch um die Form des Ausbaus“, eine Null-Option sei nicht mehr dabei. Der Flughafen selbst nimmt, was er durchsetzen kann. Eine oder zwei Bahnen und dazu noch Erbenheim Egal wo die Bahnen hinbetoniert werden sollen, der Flugverkehr würde in der Region bleiben.

Bei einer neuen Landebahn im Kelsterbacher Wald werden mehrere 100.000 Menschen im Rhein-Main-Gebiet von der Steigerung des Fluglärms betroffen. In Offenbach werden rund 25.000 unter der geplanten Einflugschneise leben. Die von der FAG „positiv“ bewertete Nordbahn-Variante bedeutet einen Koordinationseckwert von bis zu 139 Maschinen pro Stunde (heute 80), über 2000 Flugzeuge pro Tag (heute 1115). Hier zu beachten: am 15.9.99 gab es an einem Tag 1404 Starts und Landungen.

Man plant schon bis zu 800.000 Maschinen im Jahr.

Egal was die Mediation empfiehlt, egal wie sich Wiesbaden entscheidet, Mörfelden-Walldorf gehört zu den direkt Betroffenen. So gesehen ist das Thema das drängende kommunalpolitische Thema überhaupt.

Für die Zukunftsdiskussion haben auch Kommunalpolitiker Fakten zu beachten.

Beispiele: Vor acht Jahren hatten wir ca. 80 Nachtflüge, heute sind es bis zu 170. 1997 gab es 392.000 Flugbewegungen, 1998 schon 419.210, in diesem Jahr gibt es einen weiteren steilen Anstieg. Man rechnet, mit den schon vorhandenen Bahnen auf 550.000 erhöhen zu können. Ist das auf Dauer auszuhalten?

Es wird heute nur vom Wirtschaftsstandort geredet, keiner benutzt das Wort Lebensstandort. Das wäre aber notwendig, denn hier leben Menschen, und die sollen auch morgen noch hier leben können. Aus alle dem folgt, Kommunalpolitiker haben sich, wie schon die Bürgerinitiativen, einzumischen. In einer Reihe von Städten gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen Bürgerinitiativen und Verwaltung. Einige Kommunen stellen hierfür Finanzmittel bereit, es gibt darüber hinaus Städte, die Finanzmittel für den Klageweg bereit gestellt haben.

Beispiele: In Heusenstamm will die CDU-Fraktion 20.000 DM der Bürgerinitiative zur Verfügung stellen. In Neu-Isenburg wurde, ebenfalls auf Antrag der CDU, beschlossen, 100.000 DM für juristische Beratung, 50.000 DM für die Öffentlichkeitsarbeit bereitzustellen. In Kelsterbach, Raunheim und Rüsselsheim gibt es eine gute Zusammenarbeit zwischen den Bürgerinitiativen und der Kommune.

Mit unserem heutigen Antrag wollen wir erreichen, daß sich die Stadtverordnetenversammlung ihrer konkreten Verantwortung bewußt wird und sich in die Abwehrbewegung gegen die Flughafenerweiterung einreiht. Wir erinnern dabei ausdrücklich an die guten Erfahrungen, die mit der Parteienaktionsgemeinschaft vor fast 20 Jahren gemacht wurden. Damals ging es vor allem um den Verlust von Wald - die Flugbewegungen waren vergleichsweise gering. Heute hat das Problem des Fluglärms eine existenzielle Bedeutung erlangt.

Ergebnisoffen? Da lachen ja die Hühner!

Offenbar gibt es immer noch Leute, die glauben, die Mediation sei ergebnisoffen. Also, wenn dort alles geprüft worden ist und es sich zeigt, eine neue Bahn ist ökologisch nicht mehr zu vertreten - dann wird sie auch nicht gebaut. Kinderkram. Von Anfang ging es dort nur um das wie und nicht um das ob.

Auch wenn Kurt Oeser und Bernhard Brehl wirklich meinen, die Mediation sei ergebnisoffen, wird die brutale Wirklichkeit darüber hinweggehen. Die Ausbaubetreiber haben ganz andere Möglichkeiten, Meinung zu machen und politischen Druck zu erzeugen. Wer reich ist, ist einflußreich. Da wird mit allen Tricks gearbeitet. Die Ausbaubetreiber haben nie daran gezweifelt, ihren Willen letztlich durchsetzen zu können.

Der Steuerzahler bezahlt für den Mediationsschleiertanz sicher mehr als fünf Millionen Mark. Dafür wird ihm vorgegaukelt, man würde ökologische Auswege suchen. Als könne es die bei den geplanten 800.000 Flugbewegungen im Jahr überhaupt noch geben. Perverse Auswüchse: In der Frankfurter Neue Presse (s. Abb.) stand am 20. Juli die Überschrift Flughafen-Mediation prüft Umsiedlung von Städten.

Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit, daß die Mediatoren, die den Ausbau nicht wollen, das Handtuch werfen, den Laden verlassen und den Bürgerinnen und Bürgern die Wahrheit sagen.

Bei einer neuen Landebahn im Kelsterbacher Wald werden mehr als 150.000 Menschen im Rhein-Main-Gebiet von der Steigerung des Fluglärms betroffen. In Offenbach werden rund 25.000 unter der geplanten Einflugschneise leben. Die von der FAG positiv bewertete Nordbahn-Variante bedeutet einen Koordinationseckwert von bis zu 139 Maschinen pro Stunde (heute 80), über 2000 Flugzeuge pro Tag (heute 1115). Man plant schon bis zu 800.000 Maschinen im Jahr.

In Mörfelden-West, Raunheim, Büttelborn und andere Kommunen werden die Menschen dann künftig nur mit Ohrstöpseln herumlaufen können. Aber den Wachstumsfetischisten bei der FAG wird eine neue Bahn eh nicht reichen, sie wollen schließlich zusätzlich Erbenheim. Machen wir dann eine neue Mediationsrunde, um das Umland einzulullen?

Gehen wir davon aus: Brehl und Oeser sind gegen den weiteren Ausbau des Frankfurter Flughafens. Dann sollten sie es aber auch klar und deutlich in der Öffentlichkeit sagen. Das ist entscheidend! Damit würden sie den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern, den Ausbaugegnern in den Bürgerinitiativen und anderen Organisationen außerordentlich helfen. Niethammer, auch ein Mediator, ist da nicht so zurückhaltend. Er will den Ausbau und sagt es öffentlich.

Entscheidend für die Zukunftsdiskussion sind Fakten.

Beispiele: Vor acht Jahren hatten wir ca. 80 Nachtflüge, heute sind es manchmal 170.

1997 gab es 392.000 Flugbewegungen, 1998 schon 419.210, in diesem Jahr gibt es einen weiteren steilen Anstieg. Man rechnet, mit den schon vorhandenen Bahnen auf 550.000 erhöhen zu können. Ist das auf Dauer auszuhalten?

Reden wir vom Krach, von den Einzelschallereignissen, wie es vornehm heißt.

In Mörfelden-West und -Süd wurden am 17.7.99 von einem Anwohner einige Zeiten ausgewählt:

Überflüge gab es zum Beispiel um 12.00, 12.02, 12.04, 12.05, 12.16, 12.18 und 12.22 Uhr.

Oder um 19.58, 19.59, 20.02, 20.08, 20.14, 20.18, 20.20, 20.22, 20.25 und 20.32 Uhr. Oder auch um: 22.25, 22.27, 22.29, 22.31und 22.34 Uhr. Auch schon zur Schlafenszeit: 2 mal um 22.57 und um 22.59, 23.01, 23.03, 23.05, 23.08, 23.11 Uhr. Man merkt, es gibt Stunden da gibt es keine Pause.

Es wird nur vom Wirtschaftsstandort geredet, keiner benutzt das Wort Lebensstandort. Das wäre aber notwendig, denn hier leben Menschen, und die sollen auch morgen noch hier leben können.

Der Flughafen nimmt, was er durchsetzen kann. Eine oder zwei Nordbahnen und dazu noch Erbenheim . . .

Egal wo die Bahnen hinbetoniert werden sollen, der Verkehr und damit der Krach und Dreck würde in der Region bleiben.Vielleicht können dann auf dem Rathaus kostenlos Ohrenstöpsel und Atemmasken verteilt werden.

Rudi Hechler

Die Sache mit der Mediation

Aus Amerika soll die Methode kommen, heißt es. Scheidungsanwälte probieren sie manchmal aus. "Mediation = Vermittlung eines Staates in einem Streit", steht im Duden. Aus "Konfliktgegnern" sollen "Konfliktpartner" werden. So weit so gut.

Nun hat vor einiger Zeit Ministerpräsident Eichel eine Mediationsrunde zur Flughafenerweiterung eingerichtet. Hier sollen nun "Ausbaugegner" und "Ausbaubefürworter" eine begrenzte Zeit diskutieren. Worüber? Nicht darüber, "ob" die Erweiterung erfolgt, sondern darüber, "wie" sie erfolgt.

Kein Wunder, wenn da die eigenen Leute sauer werden. Jürgen May, SPD-Landtagsabgeordneter, bemängelte, daß Eichel mit diesem Verfahren, "das kein ergebnisoffener Dialog" sei, den Ausbau der politischen Entscheidung entzogen habe.

Aber darum geht es den Strategen bei der FAG, in den diversen "Wirtschaftsförderungsvereinen", der Industrie- und Handelskammer und in der Landeshauptstadt. Alle haben den Krach von den Startbahnkämpfen noch im Ohr. Und leider steht ja mal wieder eine Landtagswahl ins Haus. Also raus mit dem Thema aus dem politischen Gerangel und hinein in die ruhige, kulturvolle Mediationsrunde.

Das haben sie sich so ausgedacht, aber es wird nicht funktionieren. Immer mehr Ausbaugegner verweigern sich mit gutem Grund. Und damit platzt sie, die ganze schöne Mediation.

Rudi Hechler, blickpunkt, Zeitung der DKP Mörfelden-Walldorf, Juni 98

Die Bürgerinitiativen und die Mediation

Seit einigen Jahren hören Mitglieder von Bürgerinitiativen öfter die Wörter Mediation, Dialog, Gespräch. Aus "Konfliktgegnern" sollen "Konfliktpartner" werden.

Im Duden: Mediation = Vermittlung eines Staates in einem Streit.

Wenn Konflikte in allen Bereichen zunehmen und härter werden, werden wohl auch Mediations-Versuche zunehmen. In Südhessen wird jetzt zunehmend über die geplanten Ausbaumaßnahmen des Frankfurter Flughafens diskutiert. Da keine Seite die Kämpfe gegen die Startbahn/West vergessen hat, sind jetzt "Gespräche" im Vorfeld möglicher neuer Auseinandersetzungen auf der Tagesordnung.

Ministerpräsident Eichel hat eine Dialogrunde eingerichtet, der Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzende Bender will mit den Stadtverordneten von Mörfelden-Walldorf Gespräche führen und beim Bürgermeister Brehl von Mörfelden-Walldorf wurde eine Gesprächsrunde mit der südhessischen Polizeiführung installiert.

Neben den Fraktionsvorsitzenden im Stadtparlament waren Mitglieder der Bürgerinitiativen geladen. Die Bürgerinitiative gegen die Flughafenerweiterung und Einzelpersonen nahmen an dem kurzfristig anberaumten Gespräch nicht teil. Ihre Stellungnahmen lagen aber auf dem Tisch.

Die BI schrieb u.a.: "Weder die Landesregierung, noch die Polizeiführung haben in all den Jahren nach dem Bau der Startbahn/West wirklich den Dialog mit der Bevölkerung gesucht. Im Gegenteil: bei den Demonstrationen gegen das Projekt Cargo City Süd 1994 mußten wir erneut feststellen, daß die Polizeiführung aus Frankfurt gezielt gewaltbereite Provokateure eingesetzt hat, um unsere politische Arbeit zu diskreditieren. Diese Form der Begegnung mit Bürgern ist einer Demokratie unwürdig."

Die "Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des Fluglärms" erklärte u.a.: "Es ist unverständlich, warum ausgerechnet jetzt die Polizeiführung mit uns sprechen will, während sie dies in den vergangenen Jahren nie für norwendig gefunden hat."

Rudi Hechler schrieb: "Ich nehme an dem kurzfristig angesetzten Gespräch mit der Polizeiführung aus Termingründen nicht teil. Ich sehe allerdings auch zum jetzigen Zeitpunkt keinen Anlaß für solche Diskussionsrunden, zumal die vielen Dialog- und Mediationsveranstaltungen offenbar darauf zielen, die Ausbaugegner psychologisch auszuhebeln. Es versteht sich von selbst, daß die Polizei Aufgaben hat, die von mir unterstützt werden. Ich habe Verständnis für viele Entwicklungen, die es gestern in unserer Region gab und heute möglicherweise wieder anstehen. Leider müssen Polizisten auch immer das ausbaden, was eine falsche Politik ihnen einbrockt. Das ist so bei den Castor-Transporten und war so bei den Auseinandersetzungen um die Startbahn-West.

Aber es gibt in der Polizei auch Verhaltensweisen, die ich nicht akzeptieren kann. Es kann kein Zufall sein, daß bei Zusammenrottungen von Neonazis meist die "Republikaner", die NPD, die "Glatzköpfe mit Springerstiefeln" geschützt werden, während antifaschistische Gegendemonstranten eingekesselt und erkennungsdienstlich behandelt werden.

Bei den Konflikten der Vergangenheit sind mir viele Ereignisse in bleibender Erinnerung. Dazu gehören der Einsatz des Gasvernebelungsgerätes "Pepperfog", der Einsatz von "Blend-Schock-Wurfkörpern", furchtbare Knüppel- und Tränengasorgien der SEKs, die Kriminalisierung der Startbahn-Gegner, der massenhafte und belegte Einsatz von Polizei-Provokateuren, die versuchten, eine jeweils passende taktische Lage zu schaffen.

Zu den erschreckenden Vorgängen gehört natürlich auch die Ermordung von zwei Polizisten am Ende der grossen Bürgerbewegung gegen die Startbahn-West.

Gespräche zwischen Staat, Polizeiführung und Demonstranten können sinnvoll sein. Im konkreten Fall und in unserer Region muß man aber auch die Frage stellen: Was wurde gelernt, gibt es Selbstkritik auch in Wiesbaden und bei den Polizeioberen?

Leider, so scheint es mir, verlangt man immer nur von den Bürgerinitiativen, selbstkritisch zu sein, während die Gegenseite in alten, falschen und rechthaberischen Positionen verharrt.

Beispiele: Im Jahre 1996, also 15 Jahre nach den Startbahn-Auseinandersetzungen, hat Dr. Hartmut Johnsen (früherer Konsistorialpräsident der Ev. Kirche) ein Buch herausgegeben, in dem Interviews mit den ehemaligen Kontrahenten abgedruckt sind.

Bei der Vorstellung in Frankfurt war auch der ehem. Ministerpräsident Holger Börner dabei. Befragt, wie er seine Entscheidungen von damals heute bewertet, meinte er: "Ich würde alles genau so wieder machen." Auch im Buch gibt es lehrreiche Passagen:

Wenn man das Interview des ehem. Innenministers Ekkehard Gries liest, fragt man sich schon, mit welchen Qualitäten man in diesem Lande Minister werden kann. Immer noch behauptet er, die Startbahngegner seien Gewalttäter gewesen, schließlich hätten sie sogar Kontakte zu den japanischen Kamikaze-Flughafengegnern gehabt. Dann meint er: "Da standen alte Frauen, mit Hertie- und Kaufhaustüten. Ich wußte natürlich, wer und was dahintersteckte. Wesentliche Drahtzieher dieser fast bürgerkriegsähnlichen Bewegung waren natürlich Kommunisten - und der Rudi Hechler war dem Verfassungsschutz natürlich bekannt." Außerdem bezahlte die DKP laut Gries die Tagegelder für die Dauerdemonstranten. Die Ev. Kirche hätte sich opportunistisch der Bürgerinitiative angeschlossen, viele Protestler waren bezahlt und fremdbestimmt und viele Leute in Mörfelden-Walldorf hätten ihre Häuser auf Grundstücken, wo der Wald vorher gerodet worden sei.

Leider kommt ähnliches auch von den "Polizeidirektoren": Pfarrer Oeser hätte eher schürend als dämpfend gewirkt, professionelle Krachmacher hätten mitgewirkt und natürlich - die DKP.

Im übrigen, die Räumung des Hüttendorfes war ein einfacher Trick, so triumphierend Polizeidirektor Robert Philippi, der dann erstmals Einzelheiten verrät. Vorwürfe gegen die Polizei hätte es gegeben, aber nur an einen Bruchteil der Vorwürfe sei etwas dran gewesen.

Man merkt da schon: Börner, Gries und andere der Gegenseite von einst haben nichts gelernt und nichts begriffen. Meine erste Frage an Abteilungsdirektor Heinrich Bernhardt vom Polizeipräsidium Frankfurt wäre deshalb schon gewesen, ob und wo es vielleicht doch eine neue, andere Haltung gibt. Ich vermute, es ist da wenig zu erwarten und ich befürchte, es wird erneut zu Konflikten kommen, mit den gleichen schrecklichen Folgen wie bei den Auseindersetzungen um die Startbahn-West, wenn Waldrodungen und andere Ausbaumaßnahmen vorangetrieben werden."

Für den 20. Mai ist ein weiteres Gespräch mit der oberen Polizeiführung geplant. Man wird sehen, was die "Konfliktpartner" sich zu sagen haben. Mediation ist von den Oberen offenbar als Mittel der "psychologischen Kriegsführung" gedacht. Wachsamkeit bleibt notwendig.

Rudi Hechler, blickpunkt, Zeitung der DKP Mörfelden-Walldorf, April 98

Erhaltet den Bannwald

Was wäre eigentlich gewesen, wenn es rings um den Flughafen Ende des vergangenen Jahres keinen Aufschrei gegeben hätte, als der Lufthansa-Boß und einflußreiche Wirtschaftskreise eine weitere Startbahn forderten. Mut hätten sie gefaßt, die Herrschaften und ihre Pläne vorangetrieben. So aber gab es den vielstimmigen Protest und auch weiter "oben" merkte man, daß "unten" noch nicht alles vergessen ist. Eigentlich doch noch ein später Erfolg der großen Bürgerbewegung gegen die Startbahn-West.

Aber man soll nicht denken, die Ausbaubetreiber würden klein beigeben. Sie überlegen schon, wie der nächste Anlauf aussehen soll.

Favorisiert ist jetzt eine dritte Parallelbahn im Schwanheimer Wald. Das ist zwar Bannwald, aber "was soll's", denken sich die Herrschaften in den Chefetagen.

Hochinteressant auch ein paar Erscheinungen die man von früher kennt: Damals: CDU, SPD, F.D.P. "oben" dafür, "unten" dagegen. Ähnliches auch jetzt. Die CDU will "oben" kein rot-grünes Tabu für die Erweiterung - "unten" zieren sie sich noch..

Und bei der SPD? Karl Starzacher, Finanzminister und FAG-Aufsichtsratsvorsitzender fordert zynisch: "Ein Airport, der in der Weltliga mitspielen will, kann kein naturbelassenes Biotop und kein friedlicher Ort der Ruhe und Einkehr sein". Armin Clauss, Chef der SPD-Landtagsfraktion: "Man muß über den Zaun hinaus denken". Nun sollten die Flughafen-Anrainer aber langsam mal beginnen "über den Zaun hineinzudenken". Die Belastungen die schon jetzt vom Airport ausgehen, sind kaum noch zu ertragen. Dabei sind viele der "Geschäfte" die dort gemacht werden schlichtweg kriminell und pervers.

Ich weiß wirklich nicht, ob man "Shopping in New York" braucht. In der "Welt am Sonntag" (14.12.97) wird sogar angeboten "Golfen rund um die Welt". Andere inserieren "für 99 Mark nach München", wieder andere wollen schnellstens eine Spielbank auf dem Flughafen. Man kann es endlos fortsetzen.

Natürlich gibt es einflußreiche Leute, die in 21 Tagen rund um den Globus golfen wollen und können. Wer fragt da nach CO2-Emissionen und Stickoxiden, nach Waldverlusten und Krach. Also muß man öffentlich Druck entwickeln. Nicht alles was technisch machbar ist, darf auch gemacht werden. Der Flughafen ist nicht nur ein umzäuntes Gelände. Drumherum wohnen Leute, und sie müssen hier auch leben können. Es geht nicht nur um Arbeitsplätze, es geht auch um die Gesundheit der Menschen, die hier wohnen, um lebenswerte Zukunft für die nach uns kommenden.

Deshalb ist verstärkter Widerstand weiterhin nötig und die Gründung einer Bürgerinitiative für die Erhaltung des "Bannwaldes" in Schwanheim zu begrüßen. Der Beschluß des Ortsbeirates 5 gegen die Erweiterung des Flughafens ist ein Zeichen der Politik vor Ort. Jetzt muß der Widerstand breiter werden.

Rudi Hechler, blickpunkt Zeitung der DKP Mörfelden-Walldorf, Januar 98


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



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