Sagt endlich, was ihr heute wollt!
Sind sie eigentlich gegen den Flughafen-Ausbau unsere örtliche
Sozialdemokraten?
Baldur Schmidt, der Erste Kreisbeigeordnete, meint: "Weil das
Mediationsverfahren zum möglichen Ausbau des Airports noch im Gange ist,
will die aus den Anrainerstädten und -gemeinden bestehende Kommunale
Arbeitsgemeinschaft Flughafen zur Zeit noch nicht laut protestieren. (FR
24.11.)
Kurt Oeser und Bernhard Brehl halten sich aus dem selben Grund
ebenfalls vornehm zurück.
H.J. Vorndran ist aber jetzt mal berechtigterweise der Kragen geplatzt.
War ja auch gar zu dreist, was da die Petra Roth,
CDU-Oberbürgermeisterin von Frankfurt, absonderte: Zwei neue Bahnen im
Süden - auch wenn unsere Stadt dann nicht mehr bewohnbar ist.
Doch auch bei Vorndran muß man konkret fragen: Ist er nur
ärgerlich, weil Petra Roth die Südbahnen forderte?
Also, wenn man die Nordbahn nimmt, oder Erbenheim, oder man steigert
auf dem bestehenden Gelände - ist das dann OK?
Für die Bürgerinnen und Bürger wäre das aber nicht
in Ordnung, denn der Krach und Dreck des immer weiter steigenden Flugverkehrs
würde ja in der kleinen Rhein-Main-Region bleiben.
Den vier genannten Sozialdemokraten, aber auch anderen, dem Jürgen
May, dem Enno Siehr, natürlich auch allen anderen örtlichen
Parteivertretern (vor allem auch der CDU), sollte man schon die Frage stellen:
Was haltet ihr überhaupt von der Ausweitung?
Auf einer Bürgerversammlung am 18. 11. 97 haben sie noch alle
einer von mir eingebrachten Resolution zugestimmt in der es hieß: "Wir
werden alles tun, damit es nicht erneut zu einer Erweiterung kommt.
Und die SPD-Fraktion legte am 28.11.97 der Stadtverordnetenversammlung
eine Resolution vor, in dem der Satz steht: "Die Forderungen . . . zum Bau
einer neuen Start- und Landebahn . . . werden entschieden
zurückgewiesen.
Hat sich an dieser Haltung etwas verändert?
Es wäre gut, man würde sich da mal äußern.
Immerhin, in gut einem Jahr sind wieder Kommunalwahlen.
Rudi Hechler
Flughafenausbau
Kommunen müssen sich gemeinsam wehren
Die DKP/OL-Fraktion brachte in der Stadtverordnetenversammlung nachfolgenden
Antrag ein:
- Es wird eine Kommission gebildet, der Vertreter aller in der
Stadtverordnetenversammlung vertretenen Parteien angehören sollen, um den
Widerstand gegen eine Flughafenerweiterung zu unterstützen.
- Für die Arbeit dieser Kommission (Öffentlichkeitsarbeit) werden
vorerst 15.000 DM bereit gestellt.
In der Begründung heißt es u.a.:
Die Mediationsrunde geht ihrem Ende entgegen. Die Pläne für
weitere Start- und Landebahnen am Flughafen Frankfurt werden zügig
vorangetrieben. Es gibt neue Rekorde im Flugverkehr. In diesem Jahr erwartet
man 45 Millionen Fluggäste (Vorjahr: 30,43 Millionen). Viele Politiker
wollen eine Erweiterung, manche sagen: Es geht nur noch um die Form des
Ausbaus, eine Null-Option sei nicht mehr dabei. Der Flughafen selbst
nimmt, was er durchsetzen kann. Eine oder zwei Bahnen und dazu noch Erbenheim
Egal wo die Bahnen hinbetoniert werden sollen, der Flugverkehr würde in
der Region bleiben.
Bei einer neuen Landebahn im Kelsterbacher Wald werden mehrere 100.000
Menschen im Rhein-Main-Gebiet von der Steigerung des Fluglärms betroffen.
In Offenbach werden rund 25.000 unter der geplanten Einflugschneise leben. Die
von der FAG positiv bewertete Nordbahn-Variante bedeutet einen
Koordinationseckwert von bis zu 139 Maschinen pro Stunde (heute 80), über
2000 Flugzeuge pro Tag (heute 1115). Hier zu beachten: am 15.9.99 gab es an
einem Tag 1404 Starts und Landungen.
Man plant schon bis zu 800.000 Maschinen im Jahr.
Egal was die Mediation empfiehlt, egal wie sich Wiesbaden entscheidet,
Mörfelden-Walldorf gehört zu den direkt Betroffenen. So gesehen ist
das Thema das drängende kommunalpolitische Thema überhaupt.
Für die Zukunftsdiskussion haben auch Kommunalpolitiker Fakten zu
beachten.
Beispiele: Vor acht Jahren hatten wir ca. 80 Nachtflüge, heute sind es
bis zu 170. 1997 gab es 392.000 Flugbewegungen, 1998 schon 419.210, in diesem
Jahr gibt es einen weiteren steilen Anstieg. Man rechnet, mit den schon
vorhandenen Bahnen auf 550.000 erhöhen zu können. Ist das auf Dauer
auszuhalten?
Es wird heute nur vom Wirtschaftsstandort geredet, keiner benutzt das Wort
Lebensstandort. Das wäre aber notwendig, denn hier leben Menschen, und die
sollen auch morgen noch hier leben können. Aus alle dem folgt,
Kommunalpolitiker haben sich, wie schon die Bürgerinitiativen,
einzumischen. In einer Reihe von Städten gibt es eine enge Zusammenarbeit
zwischen Bürgerinitiativen und Verwaltung. Einige Kommunen stellen
hierfür Finanzmittel bereit, es gibt darüber hinaus Städte, die
Finanzmittel für den Klageweg bereit gestellt haben.
Beispiele: In Heusenstamm will die CDU-Fraktion 20.000 DM der
Bürgerinitiative zur Verfügung stellen. In Neu-Isenburg wurde,
ebenfalls auf Antrag der CDU, beschlossen, 100.000 DM für juristische
Beratung, 50.000 DM für die Öffentlichkeitsarbeit bereitzustellen. In
Kelsterbach, Raunheim und Rüsselsheim gibt es eine gute Zusammenarbeit
zwischen den Bürgerinitiativen und der Kommune.
Mit unserem heutigen Antrag wollen wir erreichen, daß sich die
Stadtverordnetenversammlung ihrer konkreten Verantwortung bewußt wird und
sich in die Abwehrbewegung gegen die Flughafenerweiterung einreiht. Wir
erinnern dabei ausdrücklich an die guten Erfahrungen, die mit der
Parteienaktionsgemeinschaft vor fast 20 Jahren gemacht wurden. Damals ging es
vor allem um den Verlust von Wald - die Flugbewegungen waren vergleichsweise
gering. Heute hat das Problem des Fluglärms eine existenzielle Bedeutung
erlangt.
Ergebnisoffen? Da lachen ja die Hühner!
Offenbar gibt es immer noch Leute, die glauben, die Mediation sei
ergebnisoffen. Also, wenn dort alles geprüft worden ist und es sich zeigt,
eine neue Bahn ist ökologisch nicht mehr zu vertreten - dann wird sie auch
nicht gebaut. Kinderkram. Von Anfang ging es dort nur um das wie und
nicht um das ob.
Auch wenn Kurt Oeser und Bernhard Brehl wirklich meinen, die Mediation sei
ergebnisoffen, wird die brutale Wirklichkeit darüber hinweggehen. Die
Ausbaubetreiber haben ganz andere Möglichkeiten, Meinung zu machen und
politischen Druck zu erzeugen. Wer reich ist, ist einflußreich. Da wird
mit allen Tricks gearbeitet. Die Ausbaubetreiber haben nie daran gezweifelt,
ihren Willen letztlich durchsetzen zu können.
Der Steuerzahler bezahlt für den Mediationsschleiertanz sicher mehr als
fünf Millionen Mark. Dafür wird ihm vorgegaukelt, man würde
ökologische Auswege suchen. Als könne es die bei den geplanten
800.000 Flugbewegungen im Jahr überhaupt noch geben. Perverse
Auswüchse: In der Frankfurter Neue Presse (s. Abb.) stand am 20. Juli die
Überschrift Flughafen-Mediation prüft Umsiedlung von Städten.
Eigentlich wäre es jetzt an der Zeit, daß die Mediatoren, die den
Ausbau nicht wollen, das Handtuch werfen, den Laden verlassen und den
Bürgerinnen und Bürgern die Wahrheit sagen.
Bei einer neuen Landebahn im Kelsterbacher Wald werden mehr als 150.000
Menschen im Rhein-Main-Gebiet von der Steigerung des Fluglärms betroffen.
In Offenbach werden rund 25.000 unter der geplanten Einflugschneise leben. Die
von der FAG positiv bewertete Nordbahn-Variante bedeutet einen
Koordinationseckwert von bis zu 139 Maschinen pro Stunde (heute 80), über
2000 Flugzeuge pro Tag (heute 1115). Man plant schon bis zu 800.000 Maschinen
im Jahr.
In Mörfelden-West, Raunheim, Büttelborn und andere Kommunen werden
die Menschen dann künftig nur mit Ohrstöpseln herumlaufen
können. Aber den Wachstumsfetischisten bei der FAG wird eine neue Bahn eh
nicht reichen, sie wollen schließlich zusätzlich Erbenheim. Machen
wir dann eine neue Mediationsrunde, um das Umland einzulullen?
Gehen wir davon aus: Brehl und Oeser sind gegen den weiteren Ausbau des
Frankfurter Flughafens. Dann sollten sie es aber auch klar und deutlich in der
Öffentlichkeit sagen. Das ist entscheidend! Damit würden sie den
betroffenen Bürgerinnen und Bürgern, den Ausbaugegnern in den
Bürgerinitiativen und anderen Organisationen außerordentlich helfen.
Niethammer, auch ein Mediator, ist da nicht so zurückhaltend. Er will den
Ausbau und sagt es öffentlich.
Entscheidend für die Zukunftsdiskussion sind Fakten.
Beispiele: Vor acht Jahren hatten wir ca. 80 Nachtflüge, heute sind es
manchmal 170.
1997 gab es 392.000 Flugbewegungen, 1998 schon 419.210, in diesem Jahr gibt
es einen weiteren steilen Anstieg. Man rechnet, mit den schon vorhandenen
Bahnen auf 550.000 erhöhen zu können. Ist das auf Dauer auszuhalten?
Reden wir vom Krach, von den Einzelschallereignissen, wie es vornehm
heißt.
In Mörfelden-West und -Süd wurden am 17.7.99 von einem Anwohner
einige Zeiten ausgewählt:
Überflüge gab es zum Beispiel um 12.00, 12.02, 12.04, 12.05,
12.16, 12.18 und 12.22 Uhr.
Oder um 19.58, 19.59, 20.02, 20.08, 20.14, 20.18, 20.20, 20.22, 20.25 und
20.32 Uhr. Oder auch um: 22.25, 22.27, 22.29, 22.31und 22.34 Uhr. Auch schon
zur Schlafenszeit: 2 mal um 22.57 und um 22.59, 23.01, 23.03, 23.05, 23.08,
23.11 Uhr. Man merkt, es gibt Stunden da gibt es keine Pause.
Es wird nur vom Wirtschaftsstandort geredet, keiner benutzt das Wort
Lebensstandort. Das wäre aber notwendig, denn hier leben Menschen, und die
sollen auch morgen noch hier leben können.
Der Flughafen nimmt, was er durchsetzen kann. Eine oder zwei Nordbahnen und
dazu noch Erbenheim . . .
Egal wo die Bahnen hinbetoniert werden sollen, der Verkehr und damit der
Krach und Dreck würde in der Region bleiben.Vielleicht können dann
auf dem Rathaus kostenlos Ohrenstöpsel und Atemmasken verteilt werden.
Rudi Hechler
Die Sache mit der Mediation
Aus Amerika soll die Methode kommen, heißt es. Scheidungsanwälte
probieren sie manchmal aus. "Mediation = Vermittlung eines Staates in einem
Streit", steht im Duden. Aus "Konfliktgegnern" sollen "Konfliktpartner"
werden. So weit so gut.
Nun hat vor einiger Zeit Ministerpräsident Eichel eine Mediationsrunde zur
Flughafenerweiterung eingerichtet. Hier sollen nun "Ausbaugegner" und "Ausbaubefürworter"
eine begrenzte Zeit diskutieren. Worüber? Nicht darüber, "ob"
die Erweiterung erfolgt, sondern darüber, "wie" sie erfolgt.
Kein Wunder, wenn da die eigenen Leute sauer werden. Jürgen May,
SPD-Landtagsabgeordneter, bemängelte, daß Eichel mit diesem
Verfahren, "das kein ergebnisoffener Dialog" sei, den Ausbau der
politischen Entscheidung entzogen habe.
Aber darum geht es den Strategen bei der FAG, in den diversen
"Wirtschaftsförderungsvereinen",
der Industrie- und Handelskammer und in der Landeshauptstadt. Alle haben den
Krach von den Startbahnkämpfen noch im Ohr. Und leider steht ja mal wieder
eine Landtagswahl ins Haus. Also raus mit dem Thema aus dem politischen Gerangel
und hinein in die ruhige, kulturvolle Mediationsrunde.
Das haben sie sich so ausgedacht, aber es wird nicht funktionieren. Immer mehr
Ausbaugegner verweigern sich mit gutem Grund. Und damit platzt sie, die ganze
schöne Mediation.
Rudi Hechler, blickpunkt, Zeitung der DKP Mörfelden-Walldorf,
Juni 98
Die Bürgerinitiativen und die Mediation
Seit einigen Jahren hören Mitglieder von Bürgerinitiativen
öfter die Wörter Mediation, Dialog, Gespräch. Aus
"Konfliktgegnern" sollen "Konfliktpartner"
werden.
Im Duden: Mediation = Vermittlung eines Staates in einem
Streit.
Wenn Konflikte in allen Bereichen zunehmen und härter werden,
werden wohl auch Mediations-Versuche zunehmen. In Südhessen wird
jetzt zunehmend über die geplanten Ausbaumaßnahmen des
Frankfurter Flughafens diskutiert. Da keine Seite die Kämpfe
gegen die Startbahn/West vergessen hat, sind jetzt
"Gespräche" im Vorfeld möglicher neuer
Auseinandersetzungen auf der Tagesordnung.
Ministerpräsident Eichel hat eine Dialogrunde eingerichtet,
der Flughafen-Aufsichtsratsvorsitzende Bender will mit den
Stadtverordneten von Mörfelden-Walldorf Gespräche führen und
beim Bürgermeister Brehl von Mörfelden-Walldorf wurde eine
Gesprächsrunde mit der südhessischen Polizeiführung
installiert.
Neben den Fraktionsvorsitzenden im Stadtparlament waren
Mitglieder der Bürgerinitiativen geladen. Die Bürgerinitiative
gegen die Flughafenerweiterung und Einzelpersonen nahmen an dem
kurzfristig anberaumten Gespräch nicht teil. Ihre Stellungnahmen
lagen aber auf dem Tisch.
Die BI schrieb u.a.: "Weder die Landesregierung, noch die
Polizeiführung haben in all den Jahren nach dem Bau der
Startbahn/West wirklich den Dialog mit der Bevölkerung gesucht.
Im Gegenteil: bei den Demonstrationen gegen das Projekt Cargo
City Süd 1994 mußten wir erneut feststellen, daß die
Polizeiführung aus Frankfurt gezielt gewaltbereite Provokateure
eingesetzt hat, um unsere politische Arbeit zu diskreditieren.
Diese Form der Begegnung mit Bürgern ist einer Demokratie
unwürdig."
Die "Interessengemeinschaft zur Bekämpfung des
Fluglärms" erklärte u.a.: "Es ist unverständlich,
warum ausgerechnet jetzt die Polizeiführung mit uns sprechen
will, während sie dies in den vergangenen Jahren nie für
norwendig gefunden hat."
Rudi Hechler schrieb: "Ich nehme an dem kurzfristig
angesetzten Gespräch mit der Polizeiführung aus Termingründen
nicht teil. Ich sehe allerdings auch zum jetzigen Zeitpunkt
keinen Anlaß für solche Diskussionsrunden, zumal die vielen
Dialog- und Mediationsveranstaltungen offenbar darauf zielen, die
Ausbaugegner psychologisch auszuhebeln. Es versteht sich von
selbst, daß die Polizei Aufgaben hat, die von mir unterstützt
werden. Ich habe Verständnis für viele Entwicklungen, die es
gestern in unserer Region gab und heute möglicherweise wieder
anstehen. Leider müssen Polizisten auch immer das ausbaden, was
eine falsche Politik ihnen einbrockt. Das ist so bei den
Castor-Transporten und war so bei den Auseinandersetzungen um die
Startbahn-West.
Aber es gibt in der Polizei auch Verhaltensweisen, die ich
nicht akzeptieren kann. Es kann kein Zufall sein, daß bei
Zusammenrottungen von Neonazis meist die
"Republikaner", die NPD, die "Glatzköpfe mit
Springerstiefeln" geschützt werden, während
antifaschistische Gegendemonstranten eingekesselt und
erkennungsdienstlich behandelt werden.
Bei den Konflikten der Vergangenheit sind mir viele Ereignisse
in bleibender Erinnerung. Dazu gehören der Einsatz des
Gasvernebelungsgerätes "Pepperfog", der Einsatz von
"Blend-Schock-Wurfkörpern", furchtbare Knüppel- und
Tränengasorgien der SEKs, die Kriminalisierung der
Startbahn-Gegner, der massenhafte und belegte Einsatz von
Polizei-Provokateuren, die versuchten, eine jeweils passende
taktische Lage zu schaffen.
Zu den erschreckenden Vorgängen gehört natürlich auch die
Ermordung von zwei Polizisten am Ende der grossen Bürgerbewegung
gegen die Startbahn-West.
Gespräche zwischen Staat, Polizeiführung und Demonstranten
können sinnvoll sein. Im konkreten Fall und in unserer Region
muß man aber auch die Frage stellen: Was wurde gelernt, gibt es
Selbstkritik auch in Wiesbaden und bei den Polizeioberen?
Leider, so scheint es mir, verlangt man immer nur von den
Bürgerinitiativen, selbstkritisch zu sein, während die
Gegenseite in alten, falschen und rechthaberischen Positionen
verharrt.
Beispiele: Im Jahre 1996, also 15 Jahre nach den
Startbahn-Auseinandersetzungen, hat Dr. Hartmut Johnsen
(früherer Konsistorialpräsident der Ev. Kirche) ein Buch
herausgegeben, in dem Interviews mit den ehemaligen Kontrahenten
abgedruckt sind.
Bei der Vorstellung in Frankfurt war auch der ehem.
Ministerpräsident Holger Börner dabei. Befragt, wie er seine
Entscheidungen von damals heute bewertet, meinte er: "Ich
würde alles genau so wieder machen." Auch im Buch gibt es
lehrreiche Passagen:
Wenn man das Interview des ehem. Innenministers Ekkehard Gries
liest, fragt man sich schon, mit welchen Qualitäten man in
diesem Lande Minister werden kann. Immer noch behauptet er, die
Startbahngegner seien Gewalttäter gewesen, schließlich hätten
sie sogar Kontakte zu den japanischen Kamikaze-Flughafengegnern
gehabt. Dann meint er: "Da standen alte Frauen, mit Hertie-
und Kaufhaustüten. Ich wußte natürlich, wer und was
dahintersteckte. Wesentliche Drahtzieher dieser fast
bürgerkriegsähnlichen Bewegung waren natürlich Kommunisten -
und der Rudi Hechler war dem Verfassungsschutz natürlich
bekannt." Außerdem bezahlte die DKP laut Gries die
Tagegelder für die Dauerdemonstranten. Die Ev. Kirche hätte
sich opportunistisch der Bürgerinitiative angeschlossen, viele
Protestler waren bezahlt und fremdbestimmt und viele Leute in
Mörfelden-Walldorf hätten ihre Häuser auf Grundstücken, wo
der Wald vorher gerodet worden sei.
Leider kommt ähnliches auch von den
"Polizeidirektoren": Pfarrer Oeser hätte eher
schürend als dämpfend gewirkt, professionelle Krachmacher
hätten mitgewirkt und natürlich - die DKP.
Im übrigen, die Räumung des Hüttendorfes war ein einfacher
Trick, so triumphierend Polizeidirektor Robert Philippi, der dann
erstmals Einzelheiten verrät. Vorwürfe gegen die Polizei hätte
es gegeben, aber nur an einen Bruchteil der Vorwürfe sei etwas
dran gewesen.
Man merkt da schon: Börner, Gries und andere der Gegenseite
von einst haben nichts gelernt und nichts begriffen. Meine erste
Frage an Abteilungsdirektor Heinrich Bernhardt vom
Polizeipräsidium Frankfurt wäre deshalb schon gewesen, ob und
wo es vielleicht doch eine neue, andere Haltung gibt. Ich
vermute, es ist da wenig zu erwarten und ich befürchte, es wird
erneut zu Konflikten kommen, mit den gleichen schrecklichen
Folgen wie bei den Auseindersetzungen um die Startbahn-West, wenn
Waldrodungen und andere Ausbaumaßnahmen vorangetrieben
werden."
Für den 20. Mai ist ein weiteres Gespräch mit der oberen
Polizeiführung geplant. Man wird sehen, was die
"Konfliktpartner" sich zu sagen haben. Mediation ist
von den Oberen offenbar als Mittel der "psychologischen
Kriegsführung" gedacht. Wachsamkeit bleibt notwendig.
Rudi Hechler, blickpunkt, Zeitung der DKP
Mörfelden-Walldorf, April 98
Erhaltet den Bannwald
Was wäre eigentlich gewesen, wenn es rings um den Flughafen
Ende des vergangenen Jahres keinen Aufschrei gegeben hätte, als der
Lufthansa-Boß und einflußreiche Wirtschaftskreise eine weitere
Startbahn forderten. Mut hätten sie gefaßt, die Herrschaften und ihre
Pläne vorangetrieben. So aber gab es den vielstimmigen Protest und auch
weiter "oben" merkte man, daß "unten" noch nicht alles
vergessen ist. Eigentlich doch noch ein später Erfolg der großen Bürgerbewegung
gegen die Startbahn-West.
Aber man soll nicht denken, die Ausbaubetreiber würden klein beigeben. Sie
überlegen schon, wie der nächste Anlauf aussehen soll.
Favorisiert ist jetzt eine dritte Parallelbahn im Schwanheimer Wald. Das ist
zwar Bannwald, aber "was soll's", denken sich die Herrschaften in den
Chefetagen.
Hochinteressant auch ein paar Erscheinungen die man von früher kennt:
Damals: CDU, SPD, F.D.P. "oben" dafür, "unten" dagegen.
Ähnliches auch jetzt. Die CDU will "oben" kein rot-grünes
Tabu für die Erweiterung - "unten" zieren sie sich noch..
Und bei der SPD? Karl Starzacher, Finanzminister und
FAG-Aufsichtsratsvorsitzender fordert zynisch: "Ein Airport, der in der
Weltliga mitspielen will, kann kein naturbelassenes Biotop und kein friedlicher
Ort der Ruhe und Einkehr sein". Armin Clauss, Chef der
SPD-Landtagsfraktion: "Man muß über den Zaun hinaus denken".
Nun sollten die Flughafen-Anrainer aber langsam mal beginnen "über den
Zaun hineinzudenken". Die Belastungen die schon jetzt vom Airport ausgehen,
sind kaum noch zu ertragen. Dabei sind viele der "Geschäfte" die
dort gemacht werden schlichtweg kriminell und pervers.
Ich weiß wirklich nicht, ob man "Shopping in New York" braucht.
In der "Welt am Sonntag" (14.12.97) wird sogar angeboten "Golfen
rund um die Welt". Andere inserieren "für 99 Mark nach München",
wieder andere wollen schnellstens eine Spielbank auf dem Flughafen. Man kann es
endlos fortsetzen.
Natürlich gibt es einflußreiche Leute, die in 21 Tagen rund um den
Globus golfen wollen und können. Wer fragt da nach CO2-Emissionen und
Stickoxiden, nach Waldverlusten und Krach. Also muß man öffentlich
Druck entwickeln. Nicht alles was technisch machbar ist, darf auch gemacht
werden. Der Flughafen ist nicht nur ein umzäuntes Gelände. Drumherum
wohnen Leute, und sie müssen hier auch leben können. Es geht nicht nur
um Arbeitsplätze, es geht auch um die Gesundheit der Menschen, die hier
wohnen, um lebenswerte Zukunft für die nach uns kommenden.
Deshalb ist verstärkter Widerstand weiterhin nötig und die Gründung
einer Bürgerinitiative für die Erhaltung des "Bannwaldes" in
Schwanheim zu begrüßen. Der Beschluß des Ortsbeirates 5 gegen
die Erweiterung des Flughafens ist ein Zeichen der Politik vor Ort. Jetzt muß
der Widerstand breiter werden.
Rudi Hechler, blickpunkt Zeitung der DKP Mörfelden-Walldorf,
Januar 98