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Internationale Solidarität statt Ausgrenzung und Abschiebungen

Seit der faktischen Abschaffung des Asylrechts 1993 hat sich die Praxis des staatlichen Umgangs mit Flüchtlingen und MigrantInnen drastisch verschärft. Mehr als 300.000 Menschen wurden seitdem aus der BRD in ihre jeweiligen Herkunftsländer abgeschoben, viele davon in den sicheren Tod. Durch die Verschärfungen des Asylbewerberleistungsgesetzes und des Ausländergesetzes, die Einführung der Visumspflicht für minderjährige Kinder von MigrantInnen, die noch zunehmende Kasernierung von Flüchtlingen und die Ausweitung des Instruments der Abschiebehaft wurden Akzente gesetzt, die für viele hier lebende Menschen einen zunehmend unerträglichen Druck bedeuten.

Diese, durch den rassistischen Kurs der inzwischen abgewählten konservativen Bundesregierung diktierte Politik findet ihren Niederschlag auch in der Situation von Flüchtlingen und MigrantInnen in Hessen. Während jedoch noch vor einigen Jahren die hessische Landesregierung immerhin zaghaft versuchte, dagegen zu steuern (vor allem mit dem mehrmals verlängerten und vom damaligen Bundesinnenminister öffentlich scharf kritisierten Abschiebestopp für kurdische Flüchtlinge), sind inzwischen kaum noch alternative hessische Akzente in der Flüchtlingspolitik erkennbar. Der Regierungswechsel in Bonn läßt, trotz der halbherzigen Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft, in dieser Hinsicht bisher keinen Wandel zum Positiven erkennen. Es gibt jedoch einige Möglichkeiten über die die hessische Landesregierung verfügt. Diese sollten genutzt werden, auch um Druck auf die Bundesregierung für die Verbesserung der Situation von Flüchtlingen in der BRD auszulösen:

- Anwendung der Möglichkeit des zeitlich befristeten und verlängerbaren Abschiebestopps für Flüchtlinge, hier kann die hessische Landesregierung ein öffentliches Signal setzen, das Auswirkungen sowohl für von Abschiebung bedrohter Flüchtlinge als auch auf die Asylpolitik bundesweit hätte. Das heißt: Genereller Abschiebestopp sofort!

- Dezentrale menschenwürdige Unterbringung statt Kasernierung von Flüchtlingen!

Auszahlung von Sozialhilfe an Flüchtlinge in Bargeld statt Lebensmittelgutscheinen! Dies liegt im Kompetenzbereich des hessischen Sozialministeriums und muß genutzt werden, um, anders als in anderen Bundesländern, Flüchtlingen die einen Asylantrag gestellt haben, ein Leben auch außerhalb ihrer Unterkünfte zu ermöglichen

- Das Instrument der Abschiebehaft in der Flüchtlingspolitik muß weg! Damit hierzu ein erster Schritt wenigstens in Hessen gemacht werden kann, ist es möglich und notwendig, Druck auf das hessische Innenministerium auszuüben.

- Die Schaffung eines Runden Tisches, der regelmäßig tagen würde und Konzepte für eine menschenwürdige Flüchtlingspolitik erarbeiten müßte, die öffentlich zur Diskussion gestellt werden.

Beteiligt sollten daran vor allem sein:

die Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Hessen (AGAH), antirassistische Initiativen, Organisationen wie Pro Asyl und Amnesty International, MigrantInnenorganisationen und die hessische Landesregierung.

- Eine Bundesratsinitiative zur Wiederherstellung des individuellen Grundrechts auf Asyl in der Form von vor 1993. Eine solche Initiative der hessischen Landesregierung müßte in Absprache mit den betroffenen Gruppen eingebracht und gleichzeitig Bestandteil einer außerparlamentarischen Kampagne sein, um nicht im Räderwerk der Bonner Bürokratie zu verschwinden.

 

Die DKP Hessen stellt diese, sicherlich unvollständigen Forderungen an die hessische Landesregierung, sieht sie aber auch als Diskussionsangebot an die in Hessen tätigen MigrantInnenorganisationen, antifaschistischen und antirassistischen Initiativen. Wir wollen auch in diesem Bereich Widerstand und Selbstorganisation stärken helfen statt Stellvertreterpolitik ohne die Betroffenen zu betreiben. Eine Perspektive für Flüchtlinge und MigrantInnen sehen wir nicht in erster Linie in der Politik dieser oder jener parlamentarischen Partei, sondern in einem breiten gesellschaftlichen Bündnis aller Kräfte, die für gleiche Rechte und Lebensperspektiven aller hier lebenden Menschen eintreten. Der politische Druck von unten, wie ihn etwa in Frankreich die Bewegung der "Sans Papiers" erzeugt hat, ist für uns das zentrale Element der Veränderung.


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



Löwe von DKP Hessen


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