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Jugendpolitische Forderungen

Ob es politisch gesehen jugendspezifische Themen gibt, darüber läßt sich diskutieren. Sicher ist jedoch, daß Jugendliche von bestimmten Problemen auf besondere Art betroffen sind.

1. Recht auf Arbeit und Ausbildung

1997 haben ca. 150.000 Jugendliche keinen Ausbildungsplatz gefunden. In Hessen gab es im Ausbildungsjahr 1996/97 für 50.470 BewerberInnen nur 39.200 Ausbildungsstellen (Stand Sept. 1997). Für das Ausbildungsjahr 1997/98 standen im Juni 1998 für 45.835 BewerberInnen nur 32.739 Ausbildungsplätze zur Verfügung.

Den betroffenen Jugendlichen wird von vornherein die Möglichkeit genommen, ihre Zukunft selbständig und finanziell unabhängig zu gestalten, sie stehen sozial gesehen am Rand der Gesellschaft ohne sinnvolle Perspektive. Auch die großspurige Ankündigung einer Lehrstellen-Offensive im letzten Jahr konnte das Problem nicht verringern. Das kapitalistische System ist nicht in der Lage, jungen Menschen eine Zukunft zu geben. Um schon in den Grenzen dieser Gesellschaft das Recht auf Bildung und Ausbildung zu realisieren, müssen gesetzliche Verpflichtungen geschaffen werden.

 

Die DKP Hessen fordert deshalb:

Eine gesetzliche Verpflichtung der Unternehmen, mindestens 10 Prozent der Arbeitsplätze als Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Dabei muß verhindert werden, daß sich Unternehmen von dieser Verpflichtung durch eine Lehrstellenabgabe freikaufen können. Unternehmen, die ihrer Ausbildungspflicht nicht nachkommen, müssen harte Strafen drohen. Die Unternehmen der öffentlichen Hand führen diese Quote sofort und ohne gesetzliche Grundlage ein.

Öffentliche Aufträge werden in Hessen nur noch an Unternehmen vergeben, die eine mindestens 10prozentige Ausbildungsquote erfüllen. Unternehmen, die diese Quote nicht erfüllen, erhalten keine staatlichen Subventionen.

Die hessische Landesregierung wird aufgefordert eine Gesetzesinitiative für ein Lehrstellengesetz mit einer 10prozentigen Ausbildungsquote in den Bundesrat einzubringen und sich für die sofortige Umsetzung einzusetzen.

Die Verschlechterungen, die in den letzten Jahren vorgenommen wurden, wie die Einführung von Schmalspurausbildungen, die Möglichkeit, daß Jugendliche über 18 Jahre nach einem Berufsschultag von mehr als fünf Stunden nochmals in den Betrieb müssen, müssen zurückgenommen werden, ebenso die Verschlechterung bei der Ausbildereignungsprüfung.

Ausbildung heißt qualifizierte Ausbildung. Pläne zur Einführung von weiteren zweijährigen Schmalspur-Ausbildungen müssen vom Tisch. Eine Einführung entsprechender Berufsbilder muß verhindert werden. Auszubildende dürfen nicht als billige HilfsarbeiterInnen und Aushilfen ausgebeutet werden, sondern müssen eine qualifizierte, zukunftsorientierte Ausbildung erhalten. Die Erfüllung der Ausbildungsinhalte muß regelmäßig überprüft werden.

Der Berufsschulunterricht darf nicht gekürzt werden. 12 Stunden Berufsschulunterricht verteilt auf zwei Tage sind sicherzustellen. An den Berufsschulen müssen wie an allen Schulen zusätzliche Lehrer eingestellt werden und der Lehrmittelbestand auf den heute gültigen technischen Stand gebracht werden.

Den Jugendlichen, die sich momentan in Warteschleifen, wie Berufsgrundbildungs- und Berufsvorbereitungsjahr befinden, muß eine weitere schulische Qualifizierung ermöglicht werden, die ihre Perspektiven auch tatsächlich verbessert.

Wer eine Ausbildung machen konnte, steht häufig spätestens ein halbes Jahr nach der Ausbildung auf der Straße. Er erhält nur eine geringe Arbeitslosenhilfe und hat keine Chance, Erfahrungen in dem erlernten Beruf zu sammeln.

Die unbefristete Übernahme im erlernten Beruf nach der Ausbildung muß gesetzlich festgeschrieben werden.

 

 

2. Recht auf ein selbstbestimmtes Leben

Die Probleme bei Bildung und Ausbildung sowie die zunehmenden Kürzungen bei kulturellen Einrichtungen haben Auswirkungen auf den gesamten Bereich der Lebensgestaltung. Diese Maßnahmen führen zu massiven Einschränkungen der Möglichkeiten vor allem bei Jugendlichen aus Familien, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, die von Arbeitslosen- oder Sozialhilfe leben müssen.

Vor allen diese Jugendlichen können ihr Leben nur dann eigenständig gestalten, wenn ihnen die Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Hier geht es sowohl um die Schaffung und Beibehaltung von Möglichkeiten im kulturellen Bereich als auch um eine entsprechende finanzielle Absicherung der Jugendlichen.

 

 

Deshalb fordert die DKP:

Schaffung von Freiräumen für Jugendliche, wie sie selbstverwaltete Jugendzentren bieten.

Keine Kürzung der Mittel für öffentliche Sporteinrichtungen

Zusätzliche Mittel für öffentliche kulturelle Bildungseinrichtungen, Volkshochschulen sowie Musik- und Kunstschulen.

Fördermittel für private Initiativen im kulturellen Bereich (Theatergruppen, Bands ...)

Einführung eines kostenlosen Ausbildungstickets für Auszubildende, SchülerInnen, StudentInnen für den jeweiligen Verkehrsverbund

Aufstockung der Ausbildungsvergütung ab dem 1. Ausbildungsjahr sowie des BAföG auf einen Betrag, der sich an den durchschnittlichen Lebenshaltungskosten orientiert.

Schaffung von günstigem Wohnraum für Jugendliche, die ein selbständiges von ihren Eltern unabhängiges Leben führen möchten.

Zur Gestaltung eines eigenständigen Lebens gehört auch, daß Jugendliche nicht zur Ableistung von Zwangsdiensten, wie Zivil- und Wehrdienst, herangezogen werden dürfen.

 

 

3. Kinder- und Jugendkriminalität: Ursachen bekämpfen statt bestrafen

Glaubt man dem Horrorszenarium von CDU/CSU/FDP und Teilen der SPD, so wimmelt es nur von schwerkriminellen Jugendlichen. Dagegen hilft angeblich nur, wenn mehr Jugendliche länger eingesperrt werden, die Strafmündigkeit auf 12 Jahre herabgesetzt wird, Hessen endlich wieder geschlossene Heime einführt und kriminelle ausländische Jugendliche abgeschoben werden.

Daß die Kriminalität unter Jugendlichen allerdings nicht wesentlich zugenommen hat und in einigen Bereichen sogar rückläufig ist, wird verschwiegen. Berechtigte Ängste und Unbehagen der Menschen werden umgelenkt und auf ein neues Feindbild projiziert. Der Ausweg wird in verschärfter Bestrafung gesucht, statt die gesellschaftlichen Ursachen, wie Jugendarbeitslosigkeit, Bildungsmisere, Perspektivlosigkeit, benennen und anzugehen. Somit wird die drastische Einschränkung von Grund- und Freiheitsrechten, die totale Überwachung durch den Staat legitimiert. Gleichzeitig wird mit der Diskussion über Jugendkriminalität von den Verbrechen des Kapitals abgelenkt.

Die DKP sagt: Die beste Kriminalitätsprävention ist eine gute Sozialpolitik und nicht die Verschärfung des Strafrechts oder die Ausweitung der Polizeistaatlichkeit.

 

Die DKP Hessen fordert:

Eine soziale Absicherung, die ein menschenwürdiges Leben ermöglicht

Statt Unterbringung von Jugendlichen in geschlossenen Heimen oder Strafanstalten sozialpädagogische Betreuung, die den Jugendlichen bei der Bewältigung ihrer Probleme hilft

Keine Herabsetzung der Strafmündigkeit

Keine Abschiebung von "straffällig" gewordenen minderjährigen MigrantInnen und ihrer Eltern


http://www.dkp-hessen.de/
• Autor: DKP Hessen •



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