Der Flughafenausbau aus Blickpunkt Mörfelden-Walldorf
blickpunkt
Zeitung der DKP für
Mörfelden-Walldorf |
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2002

Protest am Wasserturm
Am Wahrzeichen von Mörfelden-Walldorf wurde gestern ein 7x7 m großes
Transparent von einer Spezialfirma angebracht.
Das Transparent, es wurde von der DKP/OL-Fraktion im Stadtparlament
initiert, sollte eigentlich schon vor 6 Wochen aufgehängt werden - aber es
gab Verzögerungen bei der Herstellung.
Es soll jetzt einige Wochen oben bleiben und dann in den nächsten Jahren
immer nach Weihnachten aufgehängt werden.
Eine Idee, die man auch in anderen Städten in der Flughafenregion aufgreifen
kann.
Rudi Hechler
Redebeitrag Rudi Hechler (DKP/OL)Stadtverordnetenversammlung
in Mörfelden-Walldorf 29.1.2002
Frau Stadtverordnetenvorsteherin, meine Damen und Herren
Wir behandeln heute den geplanten Flughafenausbau an unserer Stadtgrenze,
das Raumordnungsverfahren und die Stellungnahme der Stadt zum Thema.
Wir alle sind damit mehr oder weniger gut vertraut, mit Ausnahme der
FDP-Kollegen haben sich alle im Parlament vertretenen Parteien gegen den
Ausbau ausgesprochen.
Im Kreistag war es gestern ein wenig anders, die FDP war gespalten, die CDU
votierte gegen die Kreisstellungnahme.
Ich will hier nicht darüber polemisieren "die CDU da so - und hier anders
".
Klar ist, das es taktische Varianten gibt - je nachdem wer gerade in
Wiesbaden regiert - steht man gerade oder verbiegt sich.
Wichtig ist uns trotzdem, das es hier eine einheitliche ablehnende Haltung
gegen den Flughafenausbau gibt.
Zum Raumordnungsverfahren - es gab 16 Ordner oder die entsprechenden CD's zu
begutachten. Für die Erstellung dieser Unterlagen hat Fraport 50 Millionen
Mark ausgegeben.
Für die Bürgerinnen und Bürger waren diese Ordner ein schwer durchschaubares
Paket. Ich sage bewußt "schwer durchschaubar", weil wir umso mehr die
Stellungnahme unserer Stadt würdigen können.
Hier liegt eine ausgezeichnete Arbeit mit einer klaren Aussage vor - das ist
nicht selbstverständlich - man braucht nur nach Langen oder Frankfurt zu
schauen um das zu verstehen. Die Fraktion der DKP / Offene Liste bedankt
sich bei allen die hier engagiert mitgearbeitet haben.
Liebe Kolleginnen, werte Kollegen
Beim Regierungspräsident liegen jetzt über 50.000 Einwendungen vor - ein
hervorragendes Ergebnis für die Region.
Das wäre nicht erreicht worden, wenn es nicht das Bündnis von über 60
Bürgerinitiativen gäbe, das seit vielen Jahren aufklärt und mobilisiert.
Unsere Stadt liegt mit über 3.500 Einwendungen mit an der Spitze der
eingegangenen Einwendungen. Auch das ein gutes Resultat.
Es wäre nicht zu Stande gekommen ohne die aktive Mithilfe der Stadt, des
BUND und der Bürgerinitiative.
Auch die professionelle Arbeit von ProFutura ist hier zu nennen. Allen unser
herzlicher Dank.
Die Stadt Mörfelden-Walldorf macht sich alle Stellungnahmen von Bürgerinnen
und Bürgern zu Eigen.
Dies erscheint uns wichtig nicht nur wegen dem rechtlichen Aspekt, es ist
auch ein Akt der solidarischen Verbundenheit zu den aktiv gewordenen
Einwohnern der Kommune.
Unsere Einwendungen dazu sind nun alle bald beim Regierungspräsidium.
Kann es dort ein neutrales Verfahren geben?
Ich bezweifele es - nicht nur weil Herr Dieke im vergangenen Jahr die
Erledigung in Rekordzeit angekündigt hat.
Wenn stimmt, dass dort von Fraport bezahlte Leute mitarbeiten, dann ist ja
ungefähr so, als ob die Schüler ihre Klassenarbeiten selbst bewerten.
Da wird doch der Bock zum Gärtner gemacht.
Wir sind sicher - in den nächsten Tagen wird man abwiegeln
"alles halb so schlimm", "keinen Einfluß" und so weiter.
Einige werden sagen: "es bleibt ein Geschmäckle".
Wir sollten hier nicht so schnell zur Tagesordnung übergehen.
Wir empfinden das als einen Skandal, der nicht ohne Folgen bleiben kann.
Aber wieder ein Grund mehr, das wir davor warnen, sich nur auf Behörden und
Gerichte zu verlassen, wir setzen vor allem auch auf die Entwicklung des
außerparlamentarischen Drucks.
Keiner will die Auseinandersetzungen der Startbahn/West-Zeit, aber sie
werden kommen ohne Zweifel, wenn man die Ausbau-Pläne auf diese Weise
vorantreibt.
Mit dem Abschluß des Raumordnungsverfahren ist ein Abschnitt beendet. Es ist
gut, wenn wir jetzt schon eine große Sammlung von Argumenten haben. Und die
gibt es allemal in der Stellungnahme des unserer Stadt.
Natürlich wissen wir, dass in Kassel oder Gießen keine Massenstimmung gegen
den Ausbau zu erreichen ist, wohl aber bei den Betroffenen im
Rhein-Main-Gebiet und das ist auf dem guten Weg.
Dabei sind wir realistisch: auch beim Bau der Startbahn/West gab es
Unterschriftensammlungen, Platzbesetzungen - in Wiesbaden demonstrierten im
November 1981 fast 150.000 Menschen.
Aber die Startbahn/West wurde trotzdem gebaut.
Dass man dieses Riesenprojekt damals gegen den einmütigen Widerstand der
betroffenen Bevölkerung durchsetzte - ist ein Grund das heute viele sagen:
"Die da oben machen ja doch was sie wollen!"
So wird Politik- und Politikerverdrossenheit erzeugt.
Wir können uns erinnern:
Nach dem Bau der Startbahn-West gab es kaum jemand, der glaubte, daß
innerhalb weniger Jahre erneut ein Flughafenausbau auf der Tagesordnung
steht. Damals war man sich über Parteigrenzen einig: Großprojekte mit diesen
Dimensionen dürfen nicht mehr gegen den Willen der Betroffenen durchgesetzt
werden.
Börner, der mit der Latte, sagte noch: "Kein Baum wird mehr fallen".
Aber seit dem Bau der Startbahn/West wurden am Flughafen erneut 600 Hektar
Wald gerodet.
Am 14. Dezember 1992 machte man den Frankfurter Stadtwald zum Bannwald und
alle großen Parteien forderten: Ausbau nur innerhalb der Flughafengrenzen.
Aber jetzt will man innerhalb und außerhalb wuchern - und wie!
Der Flughafen mit seinen Metastasen:
Variantenunabhängig ist eine gewaltige Erweiterung des Südbereichs
vorgesehen.
Die versiegelten Flächen sollen von 170 auf 365 Hektar ansteigen.
Erweiterung Süd, das 3. Terminal -
wie eine Stadt, die im Endausbau 35.000 Einwohner haben wird.
Für mich ist dabei klar - am liebsten hätten sie die Südvariante - am
liebsten eine Atlanta-Lösung.
Ähnlich wie es am Ende der Mediation - auch nicht ganz zufällig -
vorgeschlagen wurde -
hier heißt es:
"Die Mediatoren halten die Südvariante für beachtenswert, weil sie mehr als
andere Varianten Optionen für eine langfristige Entwicklung des Flughafens
offen hält!"
(Ich verstehe übrigens heute noch nicht, wie das Kurt Oeser unterschreiben
konnte.)
Da kann man höchstens Goethe zitieren:
"O glücklich wer noch hoffen kann aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen."
Mit der aktuellen Forderung nach einem "Bündnis für das Mediations-Ergebnis
", die Herr Wörner ins Gespräch brachte, soll jetzt der Schleiertanz
weitergehen.
Ich habe von den Hochhäusern im Norden Walldorfs schon oft Fotos gemacht -
es ist nur noch eine dünne Membrane - ein paar Bäume zwischen dem Flughafen
und der Stadt.
Wer hier an Erweiterung oder neue Bahnen denkt, kalkuliert die
Unbewohnbarkeit Walldorfs mit ein.
Aber was gilt das schon. Wenn es um Profite geht, denkt man am Flughafen und
anderswo nicht an Erklärungen und Gesetze - alles kann scheinbar geändert
werden.
Die Hessischen Unternehmerverbände fordern mal wieder den zügigen Ausbau, da
fällt mir doch schon wieder unser alter Spruch ein:
"Wer sieht den Ausbau gerne - die Banken und Konzerne!"
Und da paßt halt mal wieder das schöne Zitat:
"Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn.
Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden;
20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig;
für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß;
300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst
auf Gefahr des Galgens."
Das schrieb der englische Ökonom Dunning - Karl Marx nahm es in sein
Hauptwerk auf.
Ich möchte noch auf drei Punkte eingehen:
1. Arbeitsplätze. Da die Arbeitslosenzahlen nicht sinken - bleibt das ein
wichtiges Argument. Aber selbst Fraport hat jetzt die Mediationszahlen um
80% nach unten korrigiert. Außerdem wissen wir, das ein Ausbau durchaus auch
Arbeitsplätze verhindert oder vernichtet, wenn wir an das Caltex-Gelände
oder Ticona denken.
Wir sollten also nicht auf alle Sprüche hereinfallen die vom Flughafen von
Wiesbaden oder (jetzt mal wieder aktuell) von den Unternehmerverbänden
kommen.
Es gibt sicher niemand hier der die Bedeutung von Arbeitsplätzen
unterschätzt. Aber - auch Leute die am Flughafen arbeiten - wohnen meist in
der Region. Auch sie stellen sich natürlich die Frage: "Können wir mit
unseren Kindern morgen noch hier leben?"
2. Starts- und Landungen
Natürlich gibt es wachsende Flugbewegungen - aber sagen muß man auch: Wir
haben auch hohe Flugbewegungen, weil das Kerosin so billig ist, weil die
Folgeschäden nicht berechnet werden, weil wir an der Ausbeutung der
Entwicklungsländer teilnehmen, weil idiotische Bedürfnisse geweckt werden.
Einige machen dabei gewaltige Profite.
Aber Wald schwindet und das Umland leidet unter Krach und Abgasen.
Die einen profitieren und kaufen sich eine Villa im Taunus, die anderen
zahlen die Zeche und wohnen in der Einflugschneise.
3. Absturzgefahren.
Die weltweiten Statistiken belegen, fast alle Flugzeugunfälle gibt es bei
Starts und Landungen.
Im Luftraum wird es immer enger. Seit dem 24. Januar 2002 hat man den
Sicherheitsabstand der Flugzeuge in Reisehöhe von 600 m auf 300 m
verringert. Angeblich ist das unproblematisch, Hauptgrund aber: es wird eng
über den Wolken.
Ich gehe davon aus: Die Absturzrisiken wurden bei allen Bahnvarianten nicht
ausreichend geprüft. Die Gefahren durch Vogelschlag sind nicht in den Griff
zu bekommen, Großvögel gibt es nicht nur an Kiesgruben, sondern auch am
Rhein, am Main und ihren Nebenarmen.
Entscheidend ist: die Absturzrisiken steigen bei steigenden Flugbewegungen.
Wir sollten uns das Szenario ruhig mal vorstellen:
Bei einem Absturz eines vollgetankten Großflugzeuges auf eine Stadt können
tausende Menschen ihr Leben verlieren.
Die Manager und Politiker, die heute den Ausbau planen - sind wahrscheinlich
in 10 Jahren meist nicht mehr dabei, aber sie hinterlassen eine unbewohnbare
Gegend, wenn wir sie gewähren lassen.
Wir sollten es klar sehen: der Flughafen, die interessierten Banken und
Konzerne bereiten die "feindliche Übernahme" des Umlandes vor.
Sagen wir es deshalb heute deutlich:
Die eiskalt geplante weitere Steigerung der Flugbewegungen ist
Körperverletzung bei den Menschen einer ganzen Region.
Nun rechnet man damit, das die Zahl von 500.000 Flugbewegungen demnächst
überschritten wird (das entspräche dann einem Tagesschnitt von 1369). Und
ein Ende dieser Entwicklung ist - trotz gelegentlicher Einbrüche - nicht in
Sicht.
Viele Menschen haben im Kreisgebiet seit Generationen Häuser im
Familienbesitz - es sollte also niemand sagen "euch waren die
Flughafenplanungen bewußt - ihr habt trotzdem hier gebaut."
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen
Wie soll es jetzt weitergehen?
In Zeiten schwarzer Koffer merkt man's leichter: "Wer reich ist - ist
einflußreich".
Wir werden es auch beim Thema Flughafenerweiterung noch merken. Hier ist so
viel Geld im Spiel, da bleibt genug um Meinungen zu beeinflussen.
Wichtig bleibt:
Wir dürfen uns unseren Widerstand nicht abkaufen lassen! (Mancher Verein
glaubt nämlich schon, er müßte Flughafenfreundlich sein, wenn er eine Spende
der "Fraport" erhält.
Und - wir dürfen nicht resignieren.
Das heißt: Sich weiter einmischen.
Das Planfeststellungsverfahren muß ein weiterer Höhepunkt des Widerstands
werden.
Es wird viele Prozesse geben - das hat wachsende Bedeutung.
Es bleibt aber auch wichtig, das wir wieder mehr werden auf den Kundgebungen
und Demonstrationen.
Wir sollten alle dabeibleiben:
"Nein zum Flughafenausbau
Ja zum Nachtflugverbot" - aber nicht zur Mediationsnacht!
2001

Region im Eimer, Aktion auf dem evangelischen Kirchentag, Frankfurt
September 2000
Flugblatt der DKP Hessen zur Demonstration am 16.9. in Wiesbaden
Höheres Krebsrisiko durch Flughafen
Aufruf der DKP Hessen zur Demonstration am 16.9. in Wiesbaden
Fotos von der Demo in Wiesbaden: (im neuen Fenster)
Bild 1: DKP Fahnen auf der Demo
Bild 2: Ihr redet von "Arbeit" und meint "Profit"
Bild 3: Gegen Flughafenerweitering für Nachtflugverbot
Bild 4:Wer sieht den Ausbau gerne: Die Banken und Konzerne
August 2000
Aufruf zur Demonstration am 16.9. in Wiesbaden Für eine lebenswerte Region. Keine
Flughafen-Erweiterung! Nachtflugverbot von 22.00 bis 6.00 Uhr!
Der Ernstfall ist da Die Ausbaukarte
Mai 2000
Alles nur Theater - Bericht zum Landtags-Hearing
Neue Einsichten von Bürgermeister Brehl, Mitglied der Flughafenmediationsgruppe
Frankfurter CDU + SPD und die Südvariante
CDU + SPD Ortsgruppen rund um den Flughafen und ihre Konsequenzen
Das eine und das andere Zahlen für die Diskussion
FAG und Arbeitsplätze
Roland Kochs Auftritt in Walldorf und die brutalstmögliche“ Variante
Maikundgebung im Bürgerhaus Mörfelden (Rede und Fotos)
Anhörung zum Flughafen 10-12. Mai, Rudi Hechler als Vertreter benannt
April 2000
Kaufen wir uns halt eine Bürgeraktion(blickpunkt 4/00)
Sensationelles Foto: Koch erhält Bimbes
Bürgerinitiativen bei Koch(blickpunkt 4/00)
DGB-Ortskartelle lehnen Flughafen-Ausbau ab (blickpunkt 4/00)
März
"Feindliche Übernahme" abwehren, Fotos Kundgebung, Waldspaziergang (blickpunkt 3/00)
Die Mediation hinter verschlossenen Türen ist zu Ende (blickpunkt 2/00)
Überflughöhen nach einem Flughafenausbau (blickpunkt 2/00)
Kurt Oeser heute (blickpunkt 2/00)
Wer sieht den Ausbau gerne? Die Banken und Konzerne!(blickpunkt 2/00)
Die Firma der Aussichtsplattform hat neue Pläne(blickpunkt 2/00)
Korruption an der Startbahn war gang und gäbe Die Lufthansa gab Geldgeschenke, Politiker wurden nach Kreta eingeladen, Kritiker in die USA, Pressekonferenzen in Mauritius..(blickpunkt 2/00)
Startbahn Kurz vor Ende der Mediation Bericht und Einschätzung (blickpunkt 1/00)
Artikel aus 1998/99 zum Flughafenausbau
Am 16.9. war die große Demo in Wiesbaden mit mind. 12.000
Teilnehmern.
52 Bürgerinitiativen und andere Gruppen hatten aufgerufen.
Die DKP verteilte einen Faltprospekt mit untenstehendem Text.
Wer sieht den Ausbau gerne?
Die Banken und Konzerne.
Bild 4:Wer sieht den Ausbau gerne: Die Banken und Konzerne
. . . diesen Satz formulierte die
DKP, als es vor 20 Jahren um den Bau der Startbahn West ging.
Nach dem diese Bahn in den Wald betoniert worden war, gab es kaum jemand,
der glaubte, daß innerhalb weniger Jahre erneut ein Flughafenausbau auf der
Tagesordnung stehen würde. Damals war man sich in Hessen über Parteigrenzen
einig: Großprojekte mit diesen Dimensionen dürfen nicht mehr gegen den
Willen der Betroffenen durchgesetzt werden. »Kein Baum wird mehr
allen« meinte Ministerpräsident Holger Börner (SPD) und der ehemalige
Ministerpräsident Hans Eichel (SPD) sagte noch vor wenigen Monaten: »An den
Start- und Landebahnkonfigurationen wird nichts geändert...«.
Dann erklärte man den Frankfurter Stadtwald noch am 14. 12. 1992 zum
Bannwald und alle großen Parteien sagten: Ausbau nur innerhalb der
Flughafengrenzen.
Aber was gilt das schon. Wenn es um schnelle Profite geht, denkt man am
Flughafen und anderswo nicht an Erklärungen und Gesetze - alles kann auf
einmal ganz schnell geändert werden.
Mit der von Ministerpräsidenten Koch und der CDU/FDP-Landesregierung
getroffenen politischen Vorentscheidung zum Bau einer neuen Bahn am
Flughafen Rhein-Main ist der Grenzwert für die gesundheitliche Belastung
vieler Menschen in der direkten Umgebung des Flughafens weit überschritten.
Immer mehr Menschen sind in ihrem Lebensraum Verlierer des
Flughafen-Ausbaus.
Bei der von Koch vorgeschlagenen Landebahn im Kelsterbacher Wald hätten
insbesondere Kelsterbach, Raunheim, Flörsheim, Edersheim und Teile von
Hofheim zu leiden. Weiter östlich würden Offenbach, Oberrad, Sachsenhausen,
Goldstein und Schwanheim langsam an Lärm und Abgasen ersticken. Im Süden
würden Mörfelden, Groß-Gerau, Nauheim, Worfelden und Darmstadt von
Überflügen regelrecht erschlagen.
Offenbar überhaupt keine Rolle spielen bei Koch Naturschutzgebiete, der
Bannwald und die Grundwassersituation. In Kelsterbach sollen 216 Hektar
wertvoller Waldbestand geopfert werden, der für die gesamte Region als
Frischluft- und Wasserreservoir große Bedeutung hat.
Im Süden des Flughafens sollen fast 100 Hek-tar Wald zusätzlich zwischen dem
Flughafen und Walldorf der Säge zum Opfer fallen. Aber hier gibt es kaum
noch Wald. Die Bäume sind gerade hier wichtige Barriere vor dem
Flughafenbodenlärm und unentbehrlicher Luftfilter. Alles weist darauf hin,
der Flughafen will in ein paar Jahren auch im Süden erweitern.
Geplant wird schon ein neues Süd-Terminal.
Ein Nachtflugverbot soll es nach dem Willen von FAG und Lufthansa nicht
geben. Die Bevölkerung soll erneut mit leeren Versprechungen für dumm
verkauft werden. Auch das ist eine einzige Katastrophe, denn schon jetzt
werden manchmal über 200 Nachtflüge gezählt.
In diesem Jahr werden am Flughafen 460.000 Flugbewegungen erreicht, geplant
ist demnächst 600.000 bis 800.000 abzuwickeln.
Viele Bürgerinnen und Bürger in der Flughafen-Region wissen, daß man dann
hier nicht mehr leben kann.
Die FAG und ihr Aufsichtsratsvorsitzender und der Nochministerpräsident von
Hessen Koch, planen trotzdem diesen Irrsinn.
Die Gründe liegen auf der Hand: es gibt einen starken Druck der Banken und
Konzerne aus dem Rhein-Main-Gebiet.
Die Koch-CDU, die FDP, die Sozialdemokraten reagieren, fordern den Ausbau.
Zusätzlich fordert die SPD-Grüne-Bundesregierung in ihrem Flughafenkonzept
den Ausbau aller deutschen Flughäfen.
Es gehört schon eine Portion Menschenverachtung dazu, dies ständig weiter zu
betreiben. Denn die Gesundheitsgefahren durch Lärm, Abgase und die
Absturzgefahren steigen.
Mit der Koch-Entscheidung ist noch lange nichts entschieden!
Wer geglaubt hatte, mit der Flughafen-Mediation und anderen Spielereien die
Betroffenen für dumm verkaufen zu können, wird sich getäuscht haben.
Der Kampf beginnt erst. Die Kommunen des Umlandes haben
ie »Kriegskassen« für Gerichtsverfahren gefüllt, über 50 Bürgerinitiativen
sind aktiv.
Die DKP unterstützt diesen Kampf.
Keine Flughafenerweiterung
Nachtflugverbot
von 22 bis 6 Uhr!
Fotos von der Demo in Wiesbaden: (im neuen Fenster)
Bild 1: DKP Fahnen auf der Demo
Bild 2: Ihr redet von "Arbeit" und meint "Profit"
Bild 3: Gegen Flughafenerweitering für Nachtflugverbot
Arbeitsplätze - Leanproduction -
und ein seltsames
Frachtaufkommen
In den letzten 20 Jahren kam es auf dem Rhein-Main-Flughafen zu einem
Zuwachs von über 20.000 Arbeitsplätzen.
Aber - im Umland sind sie verschwunden.
Niemand unterschätzt die Bedeutung von
Arbeitsplätzen. Natürlich sind die Flughafenbeschäftigten froh, in diesen
Zeiten Arbeit zu haben. Aber einen sicheren Arbeitsplatz haben sie auf dem
Flughafen natürlich auch nicht. Auch hier werden Abteilungen ausgedünnt und
Plätze nicht wieder besetzt.
Der FAG-Betriebsrat Kollege Blonski sagte: »Die Produktivität wurde seit
1991 um 30% erhöht. Oder: 6% mehr Beschäftigte seit 1991 fertigen heute 44%
mehr Passagiere und 23% mehr Maschinen ab.« Außerdem, viele der Kolleginnen
und Kollegen wohnen mit ihre Familien im Flughafen-Umland, werden von den
steigenden Umwelt-Belastungen hart betroffen.
Seit 1992 gibt es bei den Fluggesellschaften Zuwächse bei Flugbewegungen und
Fracht von 30 Prozent - aber ein Rückgang der hier Beschäftigten von 25
Prozent.
Lean-Production also auch hier. Der Flughafen will möglichst bald an die
Börse.
Wie kommt es zu den gewaltig angestiegenen Flugbewegungen?
Beim Studium aller Flugbewegungen kam der BUND auf 87.000 Flüge, deren Ziele
vom Frankfurter Hauptbahnhof aus - zum Teil schon heute - in vier Stunden
mit der Bahn zu erreichen sind.
Wir haben z.Zt. bei der Lufthansa jährlich 3600 Flüge zwischen Frankfurt und
Stuttgart.
Muß das sein?
In Anzeigen konnte man lesen: »Shopping in New York«, »Golfen rund um die
Welt«, oder »...für 99 Mark nach München« fliegen etc.
Die Luftfracht nahm in den letzten Jahren um Millionen Tonnen zu.
In Zeitungen kann man lesen, warum:
»Es werden elektronische Bauteile in Deutschland produziert, nach Taiwan
geflogen, dort verpackt und wieder nach Deutschland zurückgeflogen«.
Pkw-Kunststoffbauteile werden in Asien billigst hergestellt und dann zur
Montage hier eingeflogen. Jeanshosen in Deutschland vorproduziert, in Asien
genäht und wieder zurückgeholt.
Autokotflügel in Detroit gefertigt, nach Frankfurt geflogen und nach Turin
gefahren.
Vertreter machen Angebote: »Lassen Sie doch in Malaysia drucken.«
Der Unsinn rechnet sich für die Banken und die großen Konzerne.
Wir haben hohe Flugbewegungen, weil das
Kerosin so billig ist, weil die Folgeschäden die Menschen bezahlen müssen,
weil auch Deutschland an der Ausbeutung armer Länder teilnimmt, und weil
immer wieder neue Bedürfnisse geweckt werden.
Einige machen dabei gewaltige Profite.
Aber Wald schwindet und das Umland leidet unter Krach und Abgasen.
Die einen profitieren und kaufen sich eine Villa im Taunus, die anderen
zahlen die Zeche und wohnen in der Einflugschneise.
Dieses System kann nicht unser System sein.
DKP
Deutsche Kommunistische Partei Hessen
Frankfurt am Main - Hansteinstraße 4
ViSdP: Rudi Hechler, Hochstraße 22, Mörfelden-Walldorf
Höheres Krebsrisiko durch
Flughafen
Die Luftverschmutzung durch den Flughafen Chicago O’Hare erhöht das
Krebsrisiko in weitem Umfeld um den Flughafen auf ein nicht akzeptierbares
Niveau. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die von den benachbarten
Vororten in Auftrag gegeben worden war.
Nach dieser Studie erhöhen die Luftschadstoffe des Flugverkehrs das
Krebsrisiko auf das Hundertfache des US-Zielwertes von 1 zu 1 Million. Vom
erhöhten Risiko sind 98 Gemeinden betroffen. Die höchsten Risiken gibt es in
den flughafennahen Gemeinden und im Norden und Osten des Flughafens,
entsprechend der vorherrschenden Windrichtungen West und Süd.
In einer zweiten Studie wurden Luftproben aus der Umgebung des Flughafens
untersucht. Insbesondere wurden in Lee zum Flughafen erhöhte Werte an
Aldehyden, insbesondere das unter Krebserregungsverdacht stehende
Formaldehyd gefunden.
Das Potential für Gesundheitsgefahren außerhalb des Krebsrisikos wurde für
Gebiete am Flughafenzaun 23 mal höher angesetzt als Vergleichsproben von
Naperville, einem Level, das die Bundesumweltbehörde EPA bereits als
„bedenklich für potentielle Gesundheitsschäden“ bewertet hat.
Die für die Gesundheitsgefährdung an der Flughafengrenze wichtigsten
Chemikalien - Aldehyde, Benzol und Naphtalin - sind üblicherweise in
Flugzeugabgasen zu finden.
Aus: BI Info, Nr. 51
Der Wahrheit ins Auge sehen
Ministerpräsident Koch will die Landebahn Nord-West. 216 Hektar Wald müßten
gerodet werden. Verschwiegen hat er auf seiner Pressekonferenz: weitere 97
Hektar Wald sollen zwischen dem Flughafen und Walldorf der Säge zum Opfer
fallen.
Wir müssen der Wahrheit ins Auge sehen, denn hier gibt es kaum noch Wald.
Jeder soll sich deshalb das Foto auf dieser Seite genau ansehen. Die Bäume
sind gerade hier wichtige Barriere vor dem Flughafenbodenlärm und
unentbehrlicher Luftfilter.
Davon abgesehen, es ist ziemlich sicher, der Flughafen will in ein paar
Jahren auch im Süden erweitern. Aber schon heute soll keiner sagen: „Jetzt
trifft’s mal die Kelsterbacher“ - denn alle gelandeten Maschinen müssen auch
wieder in die Luft. Man muß durchaus damit rechnen, daß bei einer Landebahn
Nord-West von der StartbahnWest dann stündlich 30 Maschinen zusätzlich über
Mörfelden donnern und ihre Abgaswolken hinterlassen. Der Lärmterror für
viele Kommunen wird so oder so ungeheuerlich anwachsen. Der Bodenlärm kommt
zusätzlich hinzu, denn die gelandeten Maschinen müssten über eine
Autobahn-Brücke zum Terminal rollen.
Die FAG versucht jetzt mit einer millionenschweren Werbekampagne den Leuten
den Ausbau schmackhaft machen. Ein Werbebus fährt durch’s Land, es gibt
Riesenplakate auf denen u.a. steht: „Dies ist eine Informationsaktion der
FAG“. Ministerpräsident Koch sagte am 29. März 2000 in der Walldorfer
Stadthalle: „Meine Damen und Herren, der Flughafen gehört doch Ihnen!“ Wenn
er uns gehören würde, dann würden wir für eine solche Kampagne keine Mark
ausgeben. Täglich werden wir durch Krach und Abgase belästigt, jetzt auch
noch durch die „Desinformationsaktion“ der FAG. Es wird Zeit, daß Koch und
seine Ausbaubetreiber merken: Auch die Ausbaugegner können „belästigen“!
Wir wissen natürlich, es ist schon ein bedrückendes Szenario: Der nicht mehr
gewählte Sozialdemokrat Klimmt von der Saar fällt die Treppe hinauf und
fordert jetzt als Verkehrminister den schnellen Ausbau der Flughäfen.
Bundeskanzler Schröder meinte in Kassel, wo auch die Hessen-SPD für den
Ausbau votierte: „über das Ob wird nicht mehr diskutiert“.
Der durch einen miesen ausländerfeindlichen Wahlkampf ins Amt gekommene und
trotz Schwarzgeldaffären immer noch im Amt befindliche hessische
Ministerpräsident Koch hat natürlich auch von weiteren Rodungsplänen der FAG
nichts gewußt.
Der CDU-Landtagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Haselbach stellt sich
hinter diese Pläne und meint, „der Giftbecher ist an uns vorbeigegangen“.
Nichts ist vorbeigegangen. Wenn das so weiter geht, kann man hier nicht mehr
leben. Lärm, schlechte Luft und das Gefühl, denen da oben ausgeliefert zu
sein, machen die Menschen krank. Soll keiner später sagen, er hätte es nicht
gewußt.
Wir bitten deshalb alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt: Streifen Sie
die Resignation ab, fassen Sie Mut.
Beteiligen Sie sich an den Protesten gegen den Ausbau des Flughafens.
Rudi Hechler
PRESSEERKLÄRUNG der DKP Hessen
Frankfurt, Sonntag, 10. September 2000
Die DKP Hessen ruft auf, sich am Protestzug zum Hessischen Landtag
„Sagt NEIN zur Flughafen-Erweiterung! Sagt JA zu unserer lebenswerten
Region" am 16. September 2000 in Wiesbaden zu beteiligen.
Der Protestzug beginnt um 12.00 Uhr am Hauptbahnhof Wiesbaden
Das Ziel der Flughafenerweiterung, egal welche Variante, ist primär
die Steigerung der Profite von FAG, Fluggesellschaften, Banken und
Großindustrie. Dafür ist die Landesregierung bereit die Gesundheit und
Lebensqualität von hunderttausenden Bürgerinnen und Bürger im
Rhein-Main-Gebiet zu opfern. Zur Zeit gibt es Ansätze die Schäden auf
juristischem Weg zu begrenzen. Städte und Bürgerinnen und Bürger
klagen gegen den Ausbau des Flughafens. Dies reicht jedoch nicht aus.
Deshalb unterstützt die DKP die Bürgerinnen und Bürger der Region und
ihre Bürgerinitiativen, die ihren Protest auch auf die Straße tragen.
Wenn dies zahlreich und geschieht kann der Kampf für ein Lebenswertes
Rhein-Main-Gebiet erfolgreich sein.
Karte zur Erweiterung
So ungefähr stellt sich Ministerpräsident Koch die Frankfurter
Flughafenerweiterung vor. Er will die Landebahn Nord-West bei Kelsterbach.
Doch es gibt auch hier große Waldverluste und der Lärmterror für viele
Kommunen wäre ungeheuerlich. Die gelandeten Maschinen müssten über eine
Autobahn-Brücke zum Terminal rollen. Soll keiner sagen: „Jetzt trifft’s mal
die Kelsterbacher“ - alle gelandeten Maschinen müssen auch wieder in die
Luft. Man muß durchaus damit rechnen, daß dann von der Startbahn/West
stündlich 30 Maschinen zusätzlich über Mörfelden und andere Städte donnern
und ihre Abgaswolken hinterlassen. Aber das ist noch nicht alles: Schon
denkt man an ein Süd-Terminal auf dem Gelände der ehemaligen US Air-Base,
das heißt: die Südbahn ist für die Planer weiter im Gespräch.
Soll keiner später sagen, er hätte es nicht gewußt. Deshalb: Resignation
abstreifen, Mut fassen. Mitmachen bei der großen Demonstration am 16.
September 2000 in Wiesbaden. Motto: „Für eine lebenswerte Region. Keine
Flughafen-Erweiterung! Nachtflugverbot von 22.00 bis 6.00 Uhr!“
Presseerklärung DKP Mörfelden-Walldorf
Der Ernstfall ist da
Zwar geht das große Staatstheater weiter. Nach Mediation und Landtagshearing
kam das Regionale Dialogforum, demnächst gibt’s den Scoping-Termin. Manche
glauben immer noch, die ganze Inszenierung verteidigen zu müssen.
Verständlich - Lernprozesse sind schmerzlich, gerade, wenn man glaubte das
Schlimmste abwehren zu können.
Nun ist der Ernstfall da. Koch will die Landebahn Nord-West. Zu den
Waldverlusten dort sollen weiter 97 Hektar Wald im Süden gerodet werden.
Der Lärmterror für viele Kommunen würde ungeheuerlich anwachsen. Die
gelandeten Maschinen müssten über eine Autobahn-Brücke zum Terminal rollen.
Soll keiner sagen: „Jetzt trifft’s mal die Kelsterbacher“ - alle gelandeten
Maschinen müssen auch wieder in die Luft. Man muß durchaus damit rechnen,
daß dann von der Startbahn/West stündlich 30 Maschinen zusätzlich über
Mörfelden donnern und ihre Abgaswolken hinterlassen.
Aber das ist noch nicht alles: Schon denkt man an ein Süd-Terminal auf dem
Gelände der ehemaligen US Air-Base, das heißt: die Südbahn ist für die
Planer weiter im Gespräch.
Die FAG versucht jetzt mit einer millionenschweren Werbekampagne den Leuten
den Ausbau schmackhaft machen. Ein Werbebus fährt durch’s Land, es gibt
Riesenplakate auf denen u.a. steht: „Dies ist eine Informationsaktion der
FAG“. Ministerpräsident Koch sagte am 29. März 2000 in der Walldorfer
Stadthalle: „Meine Damen und Herren, der Flughafen gehört doch ihnen!“ Wenn
er uns gehören würde, dann würden wir für eine solche Kampagne keine Mark
ausgeben. Täglich werden wir durch Krach und Abgase belästigt, jetzt auch
noch durch die „Desinformationsaktion der FAG“. Es wird Zeit, das Koch und
seine Ausbaubetreiber merken: Auch die Ausbaugegner können „belästigen“!
Aber es ist schon ein bedrückendes Szenario: Der nicht mehr gewählte
Sozialdemokrat Klimmt von der Saar fällt die Treppe hinauf und fordert jetzt
als Verkehrminister den schnellen Ausbau der Flughäfen.
Der durch einen miesen ausländerfeindlichen Wahlkampf ins Amt gekommene und
trotz Schwarzgeldaffären immer noch im Amt befindliche hessische
Ministerpräsident Koch hat natürlich auch von weiteren Rodungsplänen der FAG
nichts gewußt.
Der CDU-Landtagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Haselbach stellt sich
hinter diese Pläne und meint „der Giftbecher ist an uns vorbeigegangen“.
Nichts ist vorbeigegangen. Langsam kann man hier nicht mehr leben. Die
Menschen werden krank. Lärm, schlechte Luft und das Gefühl, denen da oben
ausgeliefert zu sein wird auf Dauer dazu führen.
Soll später keiner später sagen, er hätte es nicht gewußt.
Wir bitten deshalb alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt: Streifen sie
die Resignation ab, fassen sie Mut.
Eltern und Großeltern müssen jetzt etwas tun, damit Kinder und Enkel morgen
hier noch leben können. Machen sie mit bei der großen Demonstration am 16.
September 2000 in Wiesbaden. Motto: „Für eine lebenswerte Region. Keine
Flughafen-Erweiterung! Nachtflugverbot von 22.00 bis 6.00 Uhr!“
31-8-2000
Alles nur Theater
Da sitzt man drei Tage beim Landtags-Hearing in Wiesbaden. Hört sich die
„wichtigen“ Leute an. Da wimmelte es nur so von Professoren,
Diplom-Ingenieuren, Beauftragten, Rechtsanwälten. Und wen sie alles
vertraten, auch hier illustre Namen: Managements Consults, Ministerien,
Ärztekammern, Unternehmerverbände. Alles sehr beeindruckend. Vor allem die
neue Generation der aalglatten, rhetorisch versierten Jungmanager versuchten
ihren Auftrag zu erfüllen. Da redete der Vertreter der Vereinigung der
hessischen Unternehmerverbände ebenso, wie der Vertreter von Siemens. Leider
kein DGB-Vertreter, weil die Meinungsbildung nicht abgeschlossen sei.
Natürlich wurde das Hearing auch benutzt die Meinung der Bürgerinitiativen,
der Umweltverbände zu sagen. Auch der ehemalige Mediator Oeser u.a. hoben
sich wohltuend ab von den Salven, die von den Ausbaubetreibern abgeschossen
wurden.
Viele interessante Fakten wurden natürlich auch vorgetragen - so daß man
eigentlich sagen müßte: ein Ausbau ist nicht zu verantworten.
Aber man fragt sich trotzdem, was bringt es? Wird auch nur um Zentimeter die
Meinung der Entscheidungsträger beeinflusst? Jeder, der sich auch nur ein
bißchen auskennt wird sagen: auf keinen Fall. Die
CDU-SPD-FDP-Zweidrittel-Ausbau-Mehrheit ist gegeben. Sie werden den Ausbau
beschließen.
Die Bevölkerung, so Mediator Hänsch in seiner Ansprache, muss sich mit dem
Ausbau abfinden.
Sollte er dann durchgesetzt werden, drohen ungeheure weitere Waldverluste,
dann wird der Krach enorm zunehmen, dann wird die Atemluft noch mehr
belastet, dann werden Absturzgefahren zunehmen, dann wird es große
Belastungen der sozialen Verhältnisse geben, dann wird der Schaden für die
Demokratie noch größer werden als vor zwanzig Jahren.
Was ist zu tun? Sicher ist es notwendig, dass die Juristen der Städte und
Gemeinden jetzt eingreifen. Aber viel wichtiger ist eine weiter anwachsende
Bürgerbewegung, die gegen den Ausbau antritt. Dazu ist es notwendig. daß
viele, auch in unserer Stadt, die Resignation abstreifen und aktiv werden.
Positiv
Es gibt Lernprozesse. Bürgermeister Brehl Mitglied der
Flughafenmediationsgruppe meinte, dass es vielleicht besser gewesen wäre,
wenn die kommunalen Vertreter aus der Mediationsgruppe ausgestiegen wären.
„Wir hätten härter sein müssen“, sagte er. Für Brehl stellt sich die Frage,
„welchen Wert der Mediationsbericht noch hat“. Er glaubt, dass die
Optimierungsvorschäge nur den Zweck hätten „Nebelkerzen zu werfen“.
Wir freuen uns über diese Einsichten, vergessen aber nicht: vor wenigen
Wochen hat er uns für solche Sätze hart kritisiert.
Negativ
In Frankfurt fordern Bürgermeister Achim Vandreike (SPD) und
Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) die Südbahn. Ganz offen wird dabei der
Referent von Petra Roth Felix Semmelroth (so heißt der wirklich). Er meint,
ganz offen im Sinne seiner Chefin: „Die Südvariante ist die
zukunftsträchtigste, weil sie weitere Erweiterungsmöglichkeiten zulässt“.
Anders ausgedrückt: Den Süden könnt ihr vergessen, Hauptsache wir haben die
Steuern. Ein ganz schlimmer Finger also.
Manchmal ist aber solche Offenheit ganz gut. Es wird leichter die
Ausbau-Mafia genau zu lokalisieren.
Abgesprochen?
Sozialdemokraten in den Städten und Gemeinden rund um den Flughafen, auch
die dort gewählten Landtagsabgeordneten und die Kreistagsfraktion, sind
meist gegen den Ausbau. Die Landespartei und die Mehrheit der
Landtagsfraktion sind für eine neue Bahn am Flughafen. Bei der CDU ist es
noch deutlicher. Der Stadtverband ist dagegen und die Kreispartei
(Kreistagsfraktion inklusiv des Landtagsabgeordneten Haselbach) ist dafür.
Logisch wäre jetzt, öffentlicher massiver Protest der örtlichen
Parteigruppen, bis hin zu Austrittsandrohungen.
So sehe ich es jedenfalls!
Heinz Hechler
Das eine und das andere
Das eine: Im Jahre 2006 will man am Flughafen eine neue Bahn eröffnen.
Ausgeben will man dafür mindesten 5 Milliarden DM. Im Jahre 2001 will die
FAG an die Börse. Im vergangenen Jahr hat man ein mit einem Umsatzerlös 2,6
Milliarden ein Superergebnis eingeflogen. 211 Millionen Mark Steuern wurden
abgeführt. Die Anteilseigner erhielten eine Dividende von 50 Millionen Mark.
Das andere: Die Zahl der Flugbewegungen stieg im letzten Jahr um 5,5% auf
439.093 Starts und Landungen.
Täglich waren es 1200 Flieger, die über unsere Köpfe donnerten.
Beiläufig: Schon denkt man an bis zu 800.000 Flugbewegungen.
„Zahlen die FAG-Beschäftigten die Zeche?“
. . . diese Frage hört man jetzt öfter auf dem Flughafen. Die Angst geht um.
„Wir wissen nicht, ob oder wo wir unseren Arbeitsplatz wiederfinden“. Der
Grund: Der Aufsichtsrat denkt über ein Papier nach (es liegt dem „blickpunkt
“ vor) in dem die Zerschlagung der FAG in rechtlich selbstständige
Firmengesellschaften vorgesehen ist. Außerdem: Der vorgesehene Ausbau kostet
Milliarden und die FAG will an die Börse. Die ÖTV fordert die Beibehaltung
von einheitlichen tariflichen Rahmenbedingungen. Die Vorgänge auf dem
Airport sind ein weiterer Beleg für die Unsicherheit der Arbeitsplätze auch
bei der FAG.Nachbetrachtungen zu
Roland Kochs Auftritt in Walldorf
„Wie sehr grinsen sich die politischen Kulissenschieber eins, wenn sie den
Andrang der Menschen auf die neueste Attraktion in der politischen Kino-Show
beobachten.”
Emma Goldman (1869-1940)
Am Ende der IFOK-Werbeverkaufsshow für den Flughafenausbau in der
Stadthalle ergriff der Medienprofi Roland Koch das Wort. Seine Ausführungen
waren, wie jetzt deutlich wird, an Verlogenheit und Heuchelei nur schwer zu
übertreffen. In etwa sagte er folgendes: Er sei hier nach Mörfelden-Walldorf
gekommen, um sich die Sorgen der möglicherweise Betroffenen anzuhören.
Danach werde er nach Hause gehen und dann in nächster Zeit, nach langem
Abwägen eine furchtbar schwere Gewissensentscheidung treffen. Das können wir
uns alle richtig ausmalen: Koch, der FAG-Aufsichtsratsvorsitzende, im
stillen Kämmerlein. Dabei ist er ganz allein mit dieser ihn ach so quälenden
und kniffeligen Entscheidung, bei der, welch Zufall, doch der Ausbau am Ende
“hinten rauskommt”.
Erste Ergebnisse der Gewissensentscheidung wurden jetzt bekannt. FAG und
Landesregierung planen unter anderem, eine optimierte Südbahnvariante, die
400 Meter näher an Walldorf heranrücken würde. Optimiert wurden Waldverlust
und Lärm für Walldorf, sowie die Möglichkeiten die Anwohner der drei
verbliebenen Varianten gegeneinander auszuspielen. Dies zeigt einmal mehr,
welch “Kulissenschieberei” das Mediationsverfahren war, denn die
Auswirkungen dieser Variante wurden in ihr gar nicht untersucht, denn sie
stand überhaupt nicht zur Debatte.
Vielleicht wird die “Kochsche Entscheidung” ja doch nicht im stillen
Kämmerlein gefällt? martin wilker
Koch will „brutalstmögliche“ Variante
Die Regierung Koch, die Flughafen AG (FAG) und die Bundesflugsicherung haben
in den letzten Wochen ohne Beteiligung der Mediatorenrunde eine weitere
Südvariante unter der Bezeichnung: optimierte Südvariante vorbereitet.
Die Allianz der Umweltzerstörer beabsichtigt eine neue südlich Cargo City
Süd liegende 3.600 Meter lange Start- und Landebahn. Diese soll entgegen den
seitherigen Plänen 400 Meter weiter südlich Richtung Walldorf liegen. Eine
zweite, kürzere neue Südbahn (volle “Atlanta Variante”) würde dann angeblich
nicht mehr drohen.
Diese um 400 m näher an Walldorf liegende Südbahn bedeutet veränderte
Einflug- und Ausflugschneisen gegenüber seitherigen Planungen. Neu-Isenburg
und Zeppelinheim würden weiter südlich überflogen. Weiteres Ziel: die FAG
möchte keine der sonst fehl geplanten Gebäude im Osten von Cargo City Süd
abreißen.
Das Vorgehen der Landesregierung konterkariert einmal mehr die Arbeit des
“Frankfurter Verfahrens” (der sog. Mediation). Diese Bahnvariante wurde dort
nie vorgeschlagen, diskutiert, bewertet und einer kritischen Prüfung
unterzogen.
Die Flugsicherung spielte dabei den Helfershelfer der Drahtzieher. Über
Monate konnte die Flugsicherung angeblich keine Zahlen über Flugrouten,
Höhen und den daraus resultierenden Lärm vorlegen. Nun werden die Zahlen auf
einmal vorgelegt werden. Teilnehmer der Mediation fühlen sich daher seit
Monaten von der BFS getäuscht.
Das Bündnis der Bürgerintiativen protestiert einmal mehr gegen das
undemokratische Verhalten der Allianz der Umweltzerstörer. Weder die
betroffene Bevölkerung, noch die Parteien, Kommunen und die Teilnehmer der
sog. Mediation sind an dem “Koch‘schen Verfahren” beteiligt worden.
Die brutalstmöglichen Ausbaupläne werden nicht nur für Walldorf,
Neu-Isenburg, Raunheim, Rüsselsheim und Nauheim unabsehbare Folgen haben.
Niemand soll sich etwas vormachen: die neuen Pläne werden eine Verdoppelung
der Flüge und damit des Lärms in den nächsten zwanzig Jahren bringen. Das
sog. “Atlanta Modell” ist damit nicht vom Tisch, sondern immer noch möglich
in der Form, dass eine weitere 2.800-Meter-Piste zwischen Cargo City Süd
und Startbahn 18-West gebaut werden kann.
Die Schließung der 18-West ist von den Umweltzerstörern nicht geplant.
Aus: „BI Info“, Nr. 50, Mai 2000
1. Mai Kundgebung im Bürgerhaus Mörfelden
DKP-Stadtverordneter Rudi Hechler spricht zum geplanten Flughafenausbau:
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen
Nach dem Bau der Startbahn-West gab es kaum jemand, der glaubte, daß
innerhalb weniger Jahre erneut ein Flughafenausbau auf der Tagesordnung
steht.
Damals war man sich über Parteigrenzen einig: Großprojekte mit diesen
Dimensionen dürfen nicht mehr gegen den Willen der Betroffenen durchgesetzt
werden.
Dann kam die Zusage von Ministerpräsident Holger Börner: „Kein Baum wird
mehr fallen“.
Aber der Flughafen wucherte weiter, es kam Cargo City und in wenigen Jahren
waren schon wieder 140 ha Wald gerodet.
Manche dachten trotzdem: Wir haben noch Sicherheiten.
Immerhin hatte man den Frankfurter Stadtwald am 14. Dezember 1992 zum
Bannwald erklärt und alle großen Parteien sagten: Ausbau nur innerhalb der
Flughafengrenzen.
Aber was gilt das schon. Wenn es um Profite geht, denkt man am Flughafen und
anderswo nicht an Erklärungen und Gesetze - alles kann geändert werden.
Bemerkenswert ist allenfalls, wie schnell sich die oberen Partei- und
Gewerkschaftsvorstände auf die neuen Ausbauwünsche einstellen. Da allerdings
bleibt noch einiges aufzuklären.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen
Wir wissen es, das Hauptargument der Ausbaubefürworter heißt: Arbeitsplätze.
Heute sind am Flughafen über 60.000 Menschen beschäftigt.
In den letzten 20 Jahren kam es dort zu einem Zuwachs von über 20.000
Arbeitsplätzen.
Aber - im Umland sind sie verschwunden.
Nun gibt es sicher niemand hier der die Bedeutung von Arbeitsplätzen
unterschätzt. In unserer Stadt leben über 3000 Menschen die auf dem
Flughafen arbeiten. Natürlich sind sie froh in diesen Zeiten einen
Arbeitsplatz zu haben. Aber einen sicheren Arbeitsplatz haben sie auf dem
Flughafen natürlich auch nicht. Auch hier werden Abteilungen ausgedünnt und
Plätze nicht wieder besetzt. Der FAG-Betriebsrat Kollege Blonski sagt: „Die
Produktivität wurde seit 1991 um 30% erhöht. Oder: 6% mehr Beschäftigte seit
1991 fertigen heute 44% mehr Passagiere und 23% mehr Maschinen ab.“
Nehmen wir Zahlen aus dem Bundesverkehrsministerium:
Seit 1992 gibt es bei den Fluggesellschaften Zuwächse bei Flugbewegungen und
Fracht von 30 Prozent - aber ein Rückgang der hier Beschäftigten von 25
Prozent.
Lean-Production also auch hier. Der Flughafen will möglichst bald an die
Börse.
Wie kommt es zu den gewaltig angestiegenen Flugbewegungen?
Kann von der Politik gegengesteuert werden?
Beim Studium aller Flugbewegungen kam der BUND auf 87.000 Flüge, deren Ziele
vom Frankfurter Hauptbahnhof aus - zum Teil schon heute - in vier Stunden
mit der Bahn zu erreichen sind.
Wir haben z.Zt. bei der Lufthansa jährlich 3600 Flüge zwischen Frankfurt und
Stuttgart. Muß das sein?
In Anzeigen konnte man lesen:
Beispiele: „Shopping in New York“, „Golfen rund um die Welt“, oder „. . .
für 99 Mark nach München“ fliegen etc.
Die Luftfracht nahm in den letzten Jahren um Millionen Tonnen zu.
In Zeitungen konnte man lesen, warum:
„Es werden elektronische Bauteile in Deutschland produziert, nach Taiwan
geflogen, dort verpackt und wieder nach Deutschland zurückgeflogen.
Pkw-Kunststoffbauteile in Asien billigst hergestellt und dann zur Montage
hier eingeflogen.
Jeanshosen in Deutschland vorproduziert, in Asien genäht und wieder
zurückgeholt.
Autokotflügel in Detroit gefertigt, nach Frankfurt geflogen und nach Turin
gefahren“ etc., etc.
Ein Vertreter machte das Angebot: „Lassen Sie doch in Malaysia drucken.“
Der Unsinn rechnet sich. Wir haben also auch hohe Flugbewegungen, weil das
Kerosin so billig ist, weil die Folgeschäden nicht berechnet werden, weil
wir an der Ausbeutung der Entwicklungsländer teilnehmen,weil idiotische
Bedürfnisse geweckt werden.
Einige machen gewaltige Profite.
Aber Wald schwindet und das Umland leidet unter Krach und Abgasen.
Die einen profitieren und kaufen sich eine Villa im Taunus, die anderen
zahlen die Zeche und wohnen in der Einflugschneise.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen
Als Gewerkschafter haben wir das alles auch zu beachten.
Wir müssen uns für Arbeitsplätze einsetzen - sollten aber nicht auf alle
Sprüche hereinfallen die vom Flughafen kommen.
Gewerkschafter haben sich auch einzusetzen für die Gesundheit der hier
lebenden Kolleginnen und Kollegen.
Wir spüren die immer schlechter werdende Luft im Rhein-Main-Gebiet.
Und wir wissen: Lärm macht krank! Gerade hier sind die Grenzen der
Belastbarkeit überschritten.
Rudi Müller, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Opel wies gerade darauf
hin: Die Arbeitsstättenverordnung sieht vor, das an Büroarbeitsplätzen eine
Lärmbelastung von 55 Dezibel nicht überschritten werden darf. Im
Rhein-Main-Gebiet sind aber jetzt schon 548.000 Menschen 62 Dezibel
ausgesetzt, bei einem Ausbau würden weitere 328.000 hinzukommen. In
Mörfelden haben wir viele Überflüge die Tag und Nacht 80 Dezibel
überschreiten.
Heute erleben wir z.B. seit 4.20 Uhr einen anhaltenden Lärmterror. Diese
geballten Überflüge werden sich bald verdoppeln wenn wir uns alles gefallen
lassen.
Betrachten wir die „Nachtflugbeschränkungen“.
Vor 8 Jahren hatten wir 40 Nachtflüge -
heute sind es manchmal 160.
Wer immer wieder nachts aufwacht bekommt sehr schnell
Herz-Kreislauf-Probleme.
Betrachten wir die Flugbewegungen. Wir hatten 1997 392.000 im Jahr, 1998
gab es 413.000, im nächsten Jahr 2002 sollen es 524.000 werden, am Flughafen
plant man 600.000 bis 800.000 Flugbewegungen im Jahr.
Wenn das so weiter geht, kann man von moderner Käfighaltung reden. Die
Menschen können sich im Garten, auf der Terrasse, beim Waldspaziergang nicht
mehr erholen. Die dreifachverglasten Fenster müssen zu bleiben.
Die Manager und Politiker, die das heute planen - sind wahrscheinlich dann
zwar nicht mehr dabei, aber sie hinterlassen eine unbewohnbare Gegend.
Sagen wir es deshalb heute deutlich: Das ist die eiskalt geplante
Körperverletzung bei Menschen einer ganzen Region.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen
Hinter uns liegt die Mediation. Ich möchte bei dieser Veranstaltung keine
Einschätzung und Bewertung dieser Mediationsrunde vornehmen.
Die einen sagen: „Es wurde eine Menge erreicht“, die anderen: „Die
Ausbaubetreiber werden sich eh nicht daran halten, es war verlorene Zeit“.
Wie soll es jetzt weitergehen?
In Zeiten der schwarzen Koffer merkt man’s leichter: „Wer reich ist - ist
einflußreich“.
Wir werden es auch beim Thema Flughafenerweiterung noch merken. Hier ist so
viel Geld im Spiel, da bleibt genug um Meinungen zu beeinflussen.
Wichtig bleibt: Wir dürfen uns unseren Widerstand nicht abkaufen lassen!
Ministerpräsident Roland Koch stellt sich in der Walldorfer Stadthalle hin
und sagt: „Meine Damen und Herren, der Flughafen gehört doch ihnen“. Also
eine Art VEB-FAG.
Davon abgesehen, daß es eine arrogante Frechheit ist, so aufzutreten,
müßten wir jetzt sagen, wenn er uns gehört dann müßten wir auch mitbestimmen
und gehört werden.
Aber - wir sollten auch die Grundwahrheit nicht vergessen: Koch (oder
andere) ganz egal - im Lande herrscht das Kapital. Vor 20 Jahren gab es hier
ein Transparent: „Wer sieht die Startbahn gerne, die Banken und Konzerne“.
Der Satz bleibt richtig.
Beim Gespräch mit den Bürgerinitiativen bietet Koch an, einen Vertreter ins
jetzt geplante regionale Dialogforum zu entsenden - sagt aber gleichzeitig:
„Meine Herren, der Ausbau wird durchgezogen“.
Wenn unsere Informationen stimmen wird dieser Ministerpräsident
wahrscheinlich in der nächsten Woche die für unsere Stadt „brutalstmögliche
Bahn-Variante“ auf den Tisch legen. Spätestens dann werden sich einige
fragen müssen, ob sie in den letzten Jahren nicht genau über diesen Tisch
gezogen wurden.
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen
In den teuren Zeitungen der FAG und der Lufthansa steht oft das Wort „gute
Nachbarschaft“. So wie die Pläne heute sind - sieht das eher aus wie eine
„feindliche Übernahme des Umlandes“ mit Waldverlusten die um das mehrfache
den Waldverlust für die Startbahn/West übertreffen.
Dagegen wollen wir uns wehren.
Welche Chancen haben wir?
Viele, auch Kurt Oeser, sagen: Es ist noch nicht zu spät den Ausbau zu
verhindern.
Die Entscheidungsgremien sitzen vor allem in Wiesbaden. In der belasteten
Region sind Parteien, Gewerkschaften, Kirchen gegen den Ausbau - weiter oben
sieht das anders aus.
Also müssen die da oben merken, was die da unten bedrückt. Da gibt es viele
Druckmittel - auch bei Wahlen.
Der Widerstand in der Region wächst täglich. Mittlerweile gibt es rings um
den Frankfurter Flughafen 47 Bürgerinitiativen die gegen den Ausbau
antreten. Viele Städte haben finanzielle Rücklagen für Prozesse gebildet.
Wir brauchen Aktivität, Entschlossenheit und einen langen Atem.
Wir brauchen viele neue Leute, die mitmachen - zum Beispiel am 7. Mai, wenn
es eine erste große Kundgebung im Wald gibt.
Wenn an der Nordsee die Dämme zu brechen drohen, schleppen alle die
Sandsäcke herbei. Bei uns schwappt die Flut demnächst am Gundhof.
Denken wir immer an den alten Satz der Gewerkschaften:
„Wer kämpft, kann verlieren -
wer nicht kämpft hat schon verloren.“
Rudi Hechler
Ernst, Rudi, oder Kittner?
Rudi Hechler, Hochstrasse 22, 64546 Mörfelden-Walldorf
An
Stadt Mörfelden-Walldorf, Stadtverordnetenvorsteher, Westendstraße 18, 64529 Mörfelden-Walldorf
18-4-2000
Sehr geehrter Herr Oeser
die Stadtverordnetenfraktion der DKP/OL mich als Vertreter bei der „Anhörung
zum Flughafen am 10.-12. 5. 2000 benannt. Dabei teile ich selbstverständlich die Bedenken
anderer kommunaler Vertreter, die jetzt das Gefühl haben sie würden als Kulisse mißbraucht.
In der von Ihrem Büro weitergeleiteten Anforderung des Landtags für die
Kartenausstellung wird Namen, Anschrift und Geburtsdatum verlangt.
Damit die Erfassung in Wiesbaden zügig erfolgt, teile ich ergänzend mit:
Meine Erfassung im Bundesamt für Verfassungsschutz ist unter der
Kenn-Nr. I A 41-244-S-250 002-402-6 zu finden
beim Landesamt für Verfassungsschutz Hessen ist die RH-Akte unter der
Nr. G/Ö-M-028-S-240000-13/7
oder unter HSG 13-028-S-240000-60/92 abgelegt.
Weitere Unterlagen liegen beim „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des
Staatssicherheitsdienstes“ Außenstelle Erfurt, Petersberg Haus, 99084 Erfurt,
unter der Nr. Mfs - ha II/19 - 7748.
In einem Brief des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz wurde mir
mitgeteilt, das alle meine
„Aktivitäten und Veröffentlichungen“ dem LfV Hessen seit Jahren bekannt
sind.
Da ich in keinem Fall der Schaffung des „Gläsernen Menschen“ entgegenstehen
und den „Diensten“ die Arbeit erleichtern will, mache ich folgende
ergänzende Angaben:
- Ich bin nach wie vor Stadtverordneter der DKP/OL,
- bin verantwortlich für die Monatszeitung „blickpunkt“,
- bin in diversen gewerkschaftlichen Gremien verankert
- und engagiere mich als Vorsitzender des Parlamentsauschusses gegen
Flughafenerweiterung und in den Bürgerinitiativen aktiv gegen den Ausbau des
Frankfurter Flughafens.
In der Anlage erhalten Sie zur Weiterleitung einen Abdruck meiner rechten
Hand und die Aufnahme meines linken Auges für die Iris-Identifizierung.
In der Hoffnung damit den Verantwortlichen für Sicherheitsfragen beim
Landtagshearing gedient zu haben,
grüße ich Sie
Rudi Hechler
Mfg Rudi Hechler
Kaufen wir uns halt eine Bürgeraktion
In Neu-Isenburg wurde namens einer „schweigenden Mehrheit“ eine Bürgeraktion
pro Flughafen gegründet. „Agitation, Halb- und Unwahrheiten“ würden über den
geplanten Flughafenausbau verbreitet, deshalb gründete sich ein Verein gegen
die Arbeit von Bürgerinitiativen, Kommunen und Naturschutzverbänden.
Mit der Zielsetzung „Die schweigende Mehrheit soll zum Sprechen gebracht
werden“, finden sich Politiker, einflussreiche Unternehmer und andere
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zusammen. Mit welchem Recht dieser
elitäre Zirkel eine schweigende Mehrheit aktivieren, geschweige denn
repräsentieren will, bleibt unklar. Nicht unklar sind dagegen die Gründe.
Hier soll natürlich der Anschein erweckt werden, es gebe eine breite
Bewegung pro Ausbau.
Es ist dazu festzustellen, dass in Hessen die schweigende Mehrheit aus zwei
Gruppen besteht: Erstens aus den Menschen, die vom Fluglärm nicht betroffen
sind, und die daher auch kein Problembewusstsein haben. Und zweitens aus den
Menschen, die betroffen sind, aber Angst haben und schon resigniert haben,
weil „die da oben sowieso machen, was sie wollen“. Die Bürgerinitiativen
bieten diesen Menschen eine Perspektive, die weit über Slogans wie der vom
Flughafen als dem „Herzen, das schlagen muss, damit die Region leben kann“,
hinausgeht.
Mit eingängigen Sprüchen ist das Problem nicht zu lösen. Und Prominente, die
überall wohnen, aber kaum in den betroffenen Gemeinden, haben eigentlich
weder das moralische Recht noch die Kompetenz, für irgendwelche schweigenden
Mehrheiten zu sprechen.
Es ist schlichtweg eine Frechheit dieser bezahlten Agitatoren, wenn sie
ausgerechnet den Bürgerinitiativen Angstmacherei vorwerfen, nachdem FAG und
Lufthansa jahrelang mit der Arbeitsplatzkeule drohen, um den Ausbau
durchzusetzen. Und wenn Städte und Gemeinden Steuergelder ausgeben, um ihre
Bürger vor dem Lärmgefängnis zu bewahren, dann ist das gut angelegtes Geld
und entspricht dem Auftrag dieser demokratisch gewählten Gremien, dem Bürger
zu dienen!
Beiläufig sollte man sicher erwähnen, bei dem geplanten Flughafenausbau geht
es um Milliarden. Schon beim Bau erwartet man Millionen-Profite bei Banken
und Großfirmen. Sollte da nicht ein paar Mark übrig sein für Leute, die sich
jetzt massiv für den Ausbau einsetzen - nach der Devise: Kaufen wir uns mal
eine Bürgeraktion.
Eine Informationsveranstaltung zum Flughafenausbau in Frankfurt sollte es
geben. Über 400 Leute waren im Saal der Walldorfer Stadthalle.
Vier Stunden vorher war durchgesickert, der Hessische Ministerpräsident
Roland Koch (CDU) kommt „zum Zuhören“.
Die Ausbaugegner empfingen ihn mit einem gellenden Pfeifkonzert. Großer
Beifall, als DKP-Stadtverordneter Rudi Hechler, als Stadthallen-Hausmeister
verkleidet, dem Ministerpräsidenten einen „Bimbes-Koffer“ überreichte, der
“gerade von einem Auto der Flughafen-AG“ abgeliefert worden sei.
Bürgerinitiativen bei Koch
Eine Delegation des Bündnisses der Bürgerintiativen erläuterte am 7. 4.
2000, dem hessischen Ministerpräsidenten Koch in Wiesbaden die Positionen
der 45 Gruppen im Rhein-Main-Gebiet gegen eine Flughafenerweite-rung.
In einer anschließenden Presseerklärung heißt es u.a.:
„Die Bürgerintiativen (BI) sind nach wie vor der Ansicht, daß die Mediation
nicht ergebnisoffen war und sehen ihre ablehnende Position sowohl in dem
Verfahrensweg als auch im Ergebnis bestätigt. So findet sich in dem Ergebnis
keine sog. Nullvariante wieder. Die Mediatoren plädierten für einen Ausbau
unter Einschränkungen. Die Teilnehmer der Mediation, aber auch die
Landespolitiker, picken sich nun ihre “Rosinen” aus den Empfehlungen der
Mediation heraus, je nach Interessenlage und Standpunkt. Von einem
einträchtigen Gesamtvotum kann keine Rede sein.
Optimierung des bestehenden Systems
Bei der Ausgangslage von 420.000 Flugbewegungen im Jahr 1998 (in diesem
Jahr werden es ca. 478.000 sein!), würde eine Optimierung zusätzliche 84.000
Flüge (+30 %) bedeuten.
Unter dem Strich bedeutet dies nach Aussagen der Mediatoren und der FAG eine
Kapazitätssteigerung gegenüber heute auf 571.000 Flugbewegungen. Dies sind
bereits ohne den Bau einer Start- und/oder Landebahn 36% mehr
Flugbewegungen. Die BIs begrüßen die Verlagerung von Flügen auf die Schiene,
lehnen jedoch jegliche Steigerung von Flugbewegungen ab, da die Belastung
der Bevölkerung bereits heute zu groß ist.
Kapazitätserweiterung durch Ausbau
Die von der Mediation übernommene Zielvorstellung der FAG von 120
Flugbewegungen pro Stunde entspricht einer Steigerung von 50% gegenüber
heute. Bei einer Ausgangslage von 420.000 Flügen in 1998 sind dies 630.000
Flugbewegungen. Mit der Optimierung würden bereits (siehe Punkt 1) 571000
Flugbewegungen erreicht. Eine zusätzliche Start- und/oder Landebahn
ermöglicht mindestens weitere 120.000 Flugbewegungen. Dies ergibt 691.000
Flüge pro Jahr auf Rhein-Main. Interessanterweise führt die Empfehlung der
Mediation keine Obergrenze der Flugbewegungen und keine absolute Zahl als
Ziel eines Ausbaues an. Die Aussage „120 Bewegungen pro Stunde“ läßt Raum
für weitere Belastungen für das Rhein-Main-Gebiet.
Nachtflugverbot
Bereits 1980 wurde im Rahmen der öffentlichen Diskussion um den Bau der
Startbahn 18 West ein absolutes Nachtflugverbot von 22–6 Uhr für die neue
Bahn versprochen. Ein Nachtflugverbot existiert faktisch nicht. Die derzeit
bestehenden Nachtflugbeschränkungen sind Landebeschränkungen mit vielen
Ausnahmen und erlauben 24 Stunden unbeschränkt Starts auf Rhein-Main. Wir
fordern unabhängig vom weiteren Verfahren eine sofortige Einführung eines
absoluten Nachtflugverbotes von 22-6 Uhr, so wie es viele große
Verkehrsflughäfen auf der Welt als Schutz für ihre Anwohner einhalten.
“Nachtflugbeschränkungen”, die wie heute 132 Flüge jede Nacht bedeuten,
führen zu ständigen Schlafstörungen, alle 5 Minuten!
Anti-Lärm-Pakt
Die Maßnahmen des sogenannten Anti-Lärm-Paktes sind kein Ersatz für den
Verlust der Ruhe. Die betroffenen Menschen haben mit Fug und Recht Angst,
nach einem Ausbau noch mehr Lärm als heute ertragen zu müssen. Jeder
Aufenthalt im Freien würde zur Qual. Kinder verlieren ihren natürlichen
Lebensraum zum Spielen. Auch Erwachsene können sich nicht im Freien erholen
oder ohne Lärmstreß bewegen. Die Maßnahmen des Anti-Lärm-Paktes sind
unabhängig vom Ausbau bereits heute notwendig. Sie dürfen jedoch nicht als
Grundlage für eine weitere Steigerung der Lärmbelastung missbraucht werden.
Regionales Dialogforum
Ein Dialog mit dem Flughafenbetreiber erfordert zunächst, daß die FAG und
die Lufthansa vertrauensbildende Maßnahmen ergreifen. Die Bevölkerung wurde
über Jahrzehnte sowohl von der FAG, als auch von Seiten der
Fluggesellschaften, aber auch von der Landespolitik systematisch betrogen
und belogen. Zusagen wurde nicht eingehalten – die Belastungen sind immer
mehr gewachsen.
Wenn das sogenannte regionale Dialogforum weiterhin als Beruhigungsmaßnahme
bzw. zur Herstellung von Akzeptanz der einseitigen Ausbaupläne gedacht ist,
werden wir daran nicht teilnehmen. Wir erwarten daher von Seiten der
Flughafen AG und der Deutschen Lufthansa, ihren guten Willen unter Beweis zu
stellen. Dies könnte z.B. damit hörbar geschehen, in dem sofort des Nachts
eine erste Ruhephase von 2 – 4 Uhr umgesetzt wird.
Wir befürchten jedoch, daß selbst für dieses Signal keine echte Bereitschaft
seitens der Ruhestörer besteht.“
Bei der Veranstaltung am 29. März in Walldorf soll ein Koch-Begleiter
aufgrund einer oder mehrerer Trillerpfeifen einen Gehörsturz erlitten haben.
Sollte dies zutreffen, dann ist das zu bedauern.
Koch erklärte, bei Trillerpfeifen-Schäden künftig auf Körperverletzung zu
klagen.
Bleibt die Frage, ob die lärmgeplagten Bürger rings um den Flughafen künftig
auch Klagemöglichkeiten haben?
„. . . soviel Cash wie möglich“
Die Bürgerinitiativen waren bei Koch und der Mann kam schnell zur Sache:
Nicht zur Disposition stehe der Ausbau.
Dieser sei beschlossene Sache und werde durchgezogen.
Man müsse sich darüber klar sein, dass das Unternehmen FAG die Aufgabe habe,
"soviel Cash wie möglich" zu machen.
Koch erklärte weiter, die Vorschläge eines Dialogforums werden für die FAG
wie für die Landesregierung eine „hohe Bindungswirkung haben“. Mit anderen
Worten: Keine Verbindlichkeit.
Es sollen möglichst alle relevanten Kräfte einbezogen werden, auch BIs und
Naturschutzverbände, man wolle einen neutralen Moderator einsetzen, die
Finanzierung übernehme der hess. Landtag (unter Hinzuziehung der FAG), die
Regierung selbst werde im Forum keinen Sitz und Stimme haben.
Auf die Forderung, dass FAG und Landesregierung zunächst mal ein Zeichen
setzen sollten, um überhaupt als vertrauenswürdige Partner gegenüber der
Bevölkerung akzeptiert zu werden, ging Koch nicht ein. Als ein solches
Zeichen wurde von den BIs ein umgehendes Nachtflugverbot von 2 bis 4 Uhr als
erster Schritt vorgeschlagen.
Man versucht also erneut die Bürgerinitiativen einzubinden, das ist immerhin
ein Beleg dafür, daß man in Wiesbaden durchaus die wachsende Stärke der
vielen Bürgerinitiativen einkalkuliert.
Der Widerstand gegen die Flughafen-Erweiterung ist in den letzten Wochen
gewaltig angewachsen und er wird weiter wachsen.
Im Grunde ist das alles, was zählt, vor allem, wenn Wahlen am Horizont
auszumachen sind.
Soll also keiner sagen, der Kampf sei nicht zu gewinnen. Er beginnt erst.
DGB-Ortskartelle lehnen Flughafen-Ausbau ab
Einmütig abgelehnt haben die DGB-Ortskartelle des DGB-Kreises Starkenburg,
die an einer zentralen Ortskartelltagung in Mörfelden im „Goldenen Apfel”
teilgenommen haben, jeden weiteren Ausbau des Frankfurter Flughafens. Eine
von Rudi Hechler und dem Rüsselsheimer DGB-Vorsitzenden Bernhard Grunewald
vorgelegte Resolution soll dem DGB-Landesbezirksvorstand bis zu seiner
nächsten Sitzung am 17. April zugeleitet werden. In der Resolution heißt es:
„Gleichzeitig wird vom DGB-Landesbezirk erwartet, dass er eine sachliche
Diskussion über die Zukunft des Rhein-Main-Flughafens und der Region mit den
DGB-Ortskartellen sicherstellt. An dieser Diskussion müssen auch die
Beschäftigten des Flughafens und ihre Interessenvertreter beteiligt werden.“
Dem Resolutionsbeschluß vorausgegangen war eine ausführliche Information der
rund 30 versammelten Gewerkschafter durch den Mörfelden-Walldorfer
Bürgermeister Bernhard Brehl als Mediationsmitglied und seine Referentin
Inge Auer über das Flughafen-Mediationsverfahren.
Nur rund ein Drittel der Verspätungen im Flugverkehr ist auf
Kapazitätsengpässe am Boden zurückzuführen, so laut Bernhard Brehl eine
Aussage der Flugsicherung. Weitere 15 Prozent gingen auf fehlendes Personal,
die restlichen rund 50 Prozent unter anderem auf den Einsatz falscher
Technik zurück. Das Kapazitätserweiterungsziel des Flughafens wäre bei dem
Einsatz der richtigen Technik und ausreichendem Personal ohne Ausbau
erreichbar.
Zu den möglichen künftigen Beschäftigtenzahlen nach einem Ausbau stellte
Brehl fest, sämtliche Gutachter hätten betont, dass die aus einer ganzen
Reihe von Annahmen resultierenden Aussagen lediglich Trends widerspiegelten.
Auf Nachfrage von Gerd Schulmeyer und Rudi Hechler bestätigte Brehl, dass
das Mediationsergebnis rechtlich niemanden bindet. Das Ergebnis sei
bestenfalls, Entscheidungsgrundlage für die Politik. Er befürchtet, daß sich
FAG, Lufthansa und BARIG nicht binden lassen.
"Feindliche Übernahme" abwehren
Bürgerversammlung im Bürgerhaus Mörfelden. Für die DKP/OL ist
Stadtverordneter Rudi Hechler im Podium. Er sagte u.a.:
"Die heutige Versammlung sollte eigentlich schon im Januar sein.
Bürgermeister Brehl ließ sie verschieben, weil die Leute vom Flughafen nicht
wollten.
Ich wollte die Leute damals nicht auf dem Podium und ich will sie eigentlich
auch heute nicht auf der Bühne. Ich weiß nicht, was uns das bringen soll.
Es sind halt (mit Verlaub Herbert Becker) hochbezahlte Meinungsmacher der
Gegenseite.
In den teuren Zeitungen der FAG und der Lufthansa steht oft das Wort "gute
Nachbarschaft". So wie die heutigen Pläne sind - sieht das eher aus wie eine
"feindliche Übernahme des Umlandes".
Dagegen wollen wir uns wehren.
Meine Fraktion setzt auf eine breite Abwehrfront. Wer den "blickpunkt"
liest, weiß: Wir haben eine Menge Kritik am Mediationsverfahren, an Kurt
Oeser und Bernhard Brehl.
Trotzdem: Wir setzen darauf, sie alle im Boot zu haben.
Dabei sollten wir durchaus realistisch sein.
Wir leben im Bimbesland. In Zeiten der schwarzen Koffer merkt man's
leichter: "Wer reich ist - ist einflußreich".
Wir werden es auch beim Thema Flughafenerweiterung noch merken.
Wichtig bleibt: Wir dürfen uns unseren Widerstand nicht abkaufen lassen!
Sagen muß man auch, wir alle haben es ja gar nicht geglaubt, noch einmal auf
die Barrikaden gehen zu müssen.
Als im November 1997 Herr Weber von der Lufthansa den ersten Vorstoß
startete, waren viele Leute wie vor den Kopf geschlagen. Immerhin hatten wir
doch noch die Zusage von Ministerpräsident Holger Börner im Ohr: "Kein Baum
wird mehr fallen". Allerdings waren damals schon 140 ha für diverse
Erweiterungen umgesägt worden.
Manche dachten: da gibt es doch Sicherheiten. Immerhin hatte man den
Frankfurter Stadtwald am 14. Dezember 1992 zum Bannwald erklärt.
Aber was gilt das schon. Wenn es um Profite geht schmeißt man am Flughafen
auch nach einem Jahr ein 14-Millionen-Bahnhofsdach auf den Schrott.
Dann hatte man in Wiesbaden und anderswo eine Idee - die Mediation. Börner
hatte die Dachlatte und Eichel die Mediation.
Man versuchte uns einzureden - es geht auch um die Nullvariante.
Viele Leute blickten durch - andere ließen sich vom Mediationsschleiertanz
abhalten, rechtzeitig Widerstand zu organisieren.
Dann kam vor vier Wochen die Empfehlung, von den drei Mediatoren
unterschrieben (ich zitiere): "Den Mediatoren erscheinen die bei der Südbahn
erzielbaren Optimierungspotentiale am größten" und "Die Mediatoren halten
die Südvariante auch deshalb weiter für beachtenswert, weil sie mehr als
andere Varianten Optionen für eine langfristige und flexible Entwicklung des
Flughafens offen hält . . .".
Von diesem Tag an explodierte der Widerstand in der Region. Aber fragen muß
man trotzdem: Was wäre gewesen, wenn dieser Widerstand 2 Monate früher
gekommen wäre?
Die Mediation wäre nicht so ausgegangen und Kurt Oeser hätte die Schlußsätze
so nicht unterschrieben.
Bleibt die Frage nach den Chancen unseres Widerstandes.
Raunheims Bürgermeister Herbert Haas sagte: "Ich betone, für nichts ist es
zu spät - die Entscheidung liegt nicht bei der FAG - sondern bei der
Landespolitik". Landtagsabgeordneter Jürgen May meint: "Die Entscheidung
über das Ob des Ausbaues ist noch nicht gefallen." Bürgermeister Brehl (SPD)
formulierte: "Der Ausbau wird kommen." Und Rudi Haselbach (CDU): "Wir wissen
ja, dass der Ausbau kommen wird." Uns bleibt, den Widerstand zu
organisieren.
Wir stehen besser da, als zu Zeiten der Startbahn/West. 43
Bürgerinitiativen. Viele Millionen für Prozesse. Eine politisch breite
Abwehrbewegung. Aber - wir brauchen einen langen Atem. Wir brauchen viele
neue Leute, die mitmachen. Wenn an der Nordsee die Dämme zu brechen drohen,
schleppen alle die Sandsäcke herbei. Bei uns schwappt die Flut bald am
Gundhof.
Wer kämpft, kann verlieren - wer nicht kämpft hat schon verloren.
"Der Flughafenausbau kommt..." Mit dieser Aussage reist Bernhard Brehl
durchs Land. "Ein richtig echter Mutmacher!" Die Bürgermeister in Neu
Isenburg, Rüsselsheim, Raunheim, Kelsterbach u.a. treten da anders auf.
Wenn man sagt: "Der Ausbau kommt in jedem Fall", dann braucht man sich
nicht zu wundern, wenn es Leute gibt, die sagen, da kann ich auch zu Hause
bleiben, da brauche ich nicht zu demonstrieren gegen die alles bedrohenden
Ausbaupläne.
Auch bei Kurt Oeser gibt es unverständliches Verhalten. Es ist ja auch kaum
zu begreifen, wenn er einerseits als Mediatior einer Südbahn zustimmt und
als Stadtverordnetenvorsteher gegen Flughafenerweiterung auftritt.
Dieses Verhalten gibt es übrigens auch bei Kreistagsabgeordneten die sich im
Kreisparlament, bei einer gleichen Sache, anders verhalten als im
Stadtparlament. Mit politisch konsequenten Verhalten hat das jedenfalls
nichts zu tun.
Bei den anstehenden Wahlen muß man also jetzt genauer hinsehen. Über die
Wählbarkeit einer Partei sollte z.B. beim Thema Flughafenerweiterung, nach
den Partei-Beschlüssen in Wiesbaden entschieden werden. Denn was nützt es,
wenn zwei Landtagsabgeordnete aus der Region in Wiesbaden dagegen sein
dürfen - die Gesamtpartei aber den Ausbau beschließt?
Viele hundert Teilnehmer kamen zum informativen Waldspaziergang der
Bürgerinitive. Die "Spaziergänger" liefen die Strecke der geplanten Südbahn
ab und kamen nach 21/2 Stunden am Ausgangspunkt Gundhof wieder an. Immer
wieder hörte man: "Was für eine Riesengelände". Es ist 4000 m lang und 600 m
breit - wertvolles Waldgebiet das für immer verloren ginge.
Unterwegs gab es Informationen: Dipl.-Ing. Reinhold Zang: "Über 200 Tonnen
Kerosin werden täglich am Frankfurter Flughafen bei Starts und Landungen
verbrannt. Dabei entstehen giftige Stickoxyde, Säuren und krebserzeugende
Rußpartikel." "Bei einem Bau der Südbahn", so Zang "müßte der nördliche Teil
des Walldorfer Gewerbegebiets geräumt werden" und "am südlichen Zipfel von
Cargo City, 500 m von Walldorf entfernt, würden die Flugzeuge aufsetzen."
Die Mediation hinter verschlossenen
Türen ist zu Ende -
jetzt geht der Kampf erst richtig los
Die Flughafen-Mediation ist zu Ende, die Ergebnisse wurden in Frankfurt vorgestellt.
Die Runde hat mehr als 5 Millionen Steuergeld gekostet. Fünf Millionen vor
allem für Untersuchungen, die eigentlich von der FAG bezahlt werden müßten.
Noch-Ministerpräsident Koch sagt: Es geht jetzt nur noch um das "Wie" und
nicht mehr um das "Ob" des Ausbaus. Sie haben also gut zugearbeitet, die
Mediatoren. Die Mediatoren sagen: "das Ergebnis ist ein Paket", also ohne
Nachtflugverbot kein Ausbau. Alles einlullende Schwärmerei. "Das
Nachtflugverbot hat keine Chance" heißt es jetzt schon landauf, landab.
Da "wichtige" Leute im Umland, während der Mediation stumm waren, wurde
lange die Illusion aufrechterhalten, aus dieser Runde könne doch etwas
Vernünftiges herauskommen. Man muß es deutlich sagen: Der selbstverordnete
Mediations-Maulkorb hat die Herausbildung des politischen Widerstands
behindert. Aber auch nach Mediationsende gibt es höchst unterschiedliche
Äußerungen. So protestiert der Rüsselsheimer Ehrenbürgermeister Gerhard
Löffert deutlich und entschieden, während Bürgermeister Bernhard Brehl,
wenig Mut machend und nicht gerade mobilisierend meint, der Ausbau sei nicht
zu verhindern.
Wo Druck ist entsteht Gegendruck
Die Landesregierung und die FAG machen jetzt vermehrt Druck. Sie operieren
mit ihrer "Erfolgszahl" 439.000 Flugbewegungen im vergangenen Jahr. Aber,
was für die einen der Erfolg, wird für die Flughafenanwohner zum Martyrium.
Gleichzeitig mit der Mediationsvorstellung am 31.1.2000 gab es auf dem
Frankfurter Römerberg eine Kundgebung (unser Foto).
Seit diesem Tag finden praktisch täglich Protestveranstaltungen statt. In
Mörfelden-Walldorf kamen über 1000 Menschen in die Stadthalle. In der Stadt
gibt es auf Antrag der DKP/OL auch einen Ausschuß der
Stadtverordnetenversammlung, der gegen die Flughafenerweiterung auftritt. In
einer Reihe von anderen Städten der Flughafenregion wurden Millionen für
juristische Schritte und Öffentlichkeitsarbeit bereitgestellt.
Ganz wichtig: Es gibt bereits 43 Bürgerinitiativen rings um den Flughafen
die gegen den Ausbau antreten.
Der Kampf gegen die Startbahn/West vor zwanzig Jahren hat die
Flughafenregion Frankfurt bekanntgemacht. Man kann mittlerweile sicher sein,
die Bewegung gegen die neuen Erweiterungspläne wird einen gleichen
Stellenwert erhalten.
Rudi Hechler
Überflughöhen nach einem
Flughafenausbau
Wir fotografierten vom Walldorfer Rathaus und montierten ein Flugzeug
hinein. Es wurde ein Horrorbild. Aber so könnte es aussehen, wenn man die
Südbahnen bauen würde.
Überflughöhen
Südbahn "Atlanta-Variante":
375 m über Neu-Isenburg
317 m über Rüsselsheim
140 m über Zeppelinheim
73 m über Walldorf
Noch wird versucht evtl. betroffene Regionen gegeneinander auszuspielen.
Wir sagen: Es gibt keine erträgliche Variante! Deshalb: Sagt Nein!
rh
O glücklich, wer noch hoffen kann,
aus diesem Meer des Irrtums
aufzutauchen!
J.W.v.Goethe, "Faust"
Denk mal
Versammlung der Bürgerinitiativen in der Walldorfer Stadthalle. Über 1000
Leute sind da - und sie sind sauer. Gerade wurde das Mediationsergebnis
vorgestellt. Da steht auch: "Den Mediatoren erscheinen aber die bei der
Südbahn erzielbaren Optimierungspotentiale am größten" und "Die Mediatoren
halten die Südvariante auch deshalb weiter für beachtenswert, weil sie mehr
als andere Varianten Optionen für eine langfristige und flexible Entwicklung
des Flughafens offen hält . . .". Unterschrieben wurde diese Empfehlung von
den Mediatoren Hänsch, Niethammer und Kurt Oeser.
Bürgermeister Brehl, der sich sicher auch über Oeser ärgert, stellte sich
vor ihn - von wegen Lebenswerk und Verdiensten. Nun gibt es diese Verdienste
ohne Zweifel (übrigens auch bei Menschen die nicht der SPD angehören).
Festhalten muß man jedoch: Das Oeser-Denkmal hat Risse bekommen.
Mittlerweile sagt Kurt Oeser: An seiner Haltung, der Ablehnung der neuen
Bahn, habe sich nichts geändert.
Nehmen wir es mal zur Kenntnis.
rh
Wer sieht den Ausbau gerne?
Die Banken und
Konzerne!
Anfang der 80er Jahre wurde die Startbahn 18 West gegen massive
Bürgerproteste durchgesetzt. Die DKP formulierte damals: "Wer sieht die
Startbahn gerne? Die Banken und Konzerne!" Heute kann man den selben Satz
schreiben. Wieder sind es die selben Kreise, die massiv den Ausbau des
Frankfurter Flughafens fordern.
(Man kann es sogar im Mediations-Bericht nachlesen: "Je größer die Bedeutung
eines Flughafens ... ist, desto größer ist die Bedeutung des Finanzsektors
...".)
Nach dem Bau der Startbahn/West sagte Hessens Ministerpräsident Börner
(SPD), dass nunmehr kein weiterer Baum für eine Flughafenerweiterung fallen
werde. Falls überhaupt, sagten dann Sozialdemokraten, sollte eine
Kapazitätserweiterung nur "innerhalb des Zauns" stattfinden.
Alles vergessen! Es soll erweitert werden - koste es was es wolle!
Perverse Profitmacherei
Unter anderem denkt man auch an die sogenannte Atlanta-Variante. Eine
perverse Idee. Zeppelinheim und ganze Stadtteile müßten umgesiedelt werden.
Die projektierten südlichen Parallelbahnen gingen schon über die Stadtgrenze
von Mörfelden-Walldorf. Lärm und Kerosingestank würden unerträglich.
Was geht eigentlich in den Köpfen solcher Leute vor, die sich das ausdenken.
An die hier lebenden Menschen denkt man hier schon lange nicht mehr - was
zählt und was ganz vorn rangiert ist Profitmacherei.
Es heißt: Wenn Rhein-Main nicht im Wettbewerb mit den anderen europäischen
Großflughäfen Amsterdam, Paris und London mithalten könne, seien die
derzeitigen 58.000 Arbeitsplätze aufs höchste gefährdet.
Die Rationalisierungen auf dem Airport, die tatsächliche Personalentwicklung
am Flughafen und im Umland spricht nachweislich eine andere Sprache. Man
kann es nachprüfen. Vor dem Bau von Cargo-City hatte man 6000 versprochen -
528 wurden es.
Undurchsichtiges
CDU-Ministerpräsident Koch ist Aufsichtsratschef der FAG. Die Flughafen AG
gehört zu 45,2% dem Land Hessen, zu 28,9% der Stadt Frankfurt und zu 25,9%
der Bundesrepublik Deutschland gehört.
Der Ministerpräsident ist gleichzeitig FAG-Aufsichtsratsvorsitzender. In
seiner Funktion als Regierungschef ist er auch oberster Dienstherr der
Genehmigungsbehörde für den Flughafenausbau. So wie seine undurchsichtige
Verstrickung im Spendensumpf, ist auch seine undurchsichtige Rolle in dieser
zweifelhaften Doppelfunktion.
Rausgeschmissenes Geld
Noch die vorige Landesregierung hat eine Einrichtung geschaffen, die nach
Möglichkeit einen Kompromiss finden sollte zwischen den
Forderungen/Bedürfnissen der FAG und den durch den Ausbau betroffenen
Menschen der Region.
Die Umwelt- und Naturschutzverbände sowie die Mehrzahl der Bürgerinitiativen
erkannten jedoch sehr früh, dass die Mediation auf Grund ihrer Konzeption
eine Alibi-Veranstaltung zu werden drohte. Das hat sich jetzt bestätigt.
Die erarbeiteten Gutachten werden jetzt wahrscheinlich die
Genehmigungsverfahren beschleunigen. So gesehen: rausgeschmissenes Geld.
Kurt Oeser verteidigte seine Mediations-Mitarbeit mit dem Satz: "Wir
brauchen eine andere Form der Willensbildung". Als gäbe es die im Regieplan
der Herrschenden.
In wenigen Wochen soll nun der Landtag die Mediationsergebnisse absegnen und
den Ausbau beschließen. Stellen wir uns darauf ein, daß die Betroffenen
nicht schweigen werden. Die "Willensbildung" hat gerade erst richtig
angefangen!
Die DKP Mörfelden-Walldorf erklärt aus diesem Anlaß klar und deutlich:
Wir sind gegen einen weiteren Flughafenausbau!
Wir wollen ein absolutes Nachtflugverbot!
Wir erwarten, dass sich Bürgermeister Brehl und Stadtverordnetenvorsteher
Oeser deutlich gegen jede Flughafenerweiterung aussprechen und den
Widerstand unterstützen.
Von Priestern und Bronze-Ochsen
Vor zwei Jahren wollte der Regionalpark Rhein-Main GmbH für 80.000 Mark
südlich der Startbahn-West eine etwas eigenwillige Plattform bauen. In der
Begründung für das Stahlgerüst hieß es: "Hier wird ein Aussichtspunkt
entstehen ... von dem sich die einschwebenden Flugzeuge gut verfolgen lassen
".
Brehl warb für das Kunstwerk - aber die meisten Leute schüttelten nur den
Kopf.
Schade, dass es nicht angenommen wurde, sagte jetzt einer der Planer.
Da aber der Regionalparks-Verein Geld hat, kam wieder mal eine neue Idee
aufs Tapet, und die sieht so aus: "Wir bauen eine Erlebnisstraße. Mitten in
den Wald kommt ein Priester, dann ein Ochse mit Leichenwagen und eine
Figuren-Gruppe. Alles vandalensicher aus Bronze und lebensgroß. Dann könnte
da noch ein Steg gebaut werden und natürlich diverse Hinweisschilder." Die
heißen dann aber Stelen.
Das Ganze soll bei den Hügelgräbern an der alten Rüsselsheimer Straße in der
Nähe von Mönchbruch aufgestellt werden. Passend zum Flughafenausbau könnte
alles montiert sein, denkt sicher der Hauptsponsor FAG.
Nun ist ja wirklich keiner gegen ausgebaute Radwege und Kunstwerke im Wald
bei denen man den Kindern etwas erzählen kann.
Aber ein paar andere Bemerkungen sollte man doch auch machen.
In unserer Region gehen täglich tausende Quadratmeter Natur verloren - durch
sauren Regen, Siedlungs- und Straßenbau. Der Flughafen selbst frißt seit
Jahren Wald und versaut den Himmel mit Lärm und Dreck. Dafür braucht man
Feigenblätter. Während einer Veranstaltung in der Mönchbruchmühle wurden sie
von einer jungdynamischen Männergruppe mit Samsonite-Koffern aus denen die
Handys piepsten modern präsentiert.
Die Bronzeochsen-Pläne in Mönchbruch, sollten sie jemals Wirklichkeit
werden, sind nichts anderes, als das materiell gewordene schlechte Gewissen
dieser Gesellschaft.
RH
Erich Fried
Gründe
"Weil das alles nicht hilft
Sie tun ja doch was sie wollen
Weil ich mir nicht nochmals
die Finger verbrennen will
Weil man nur lachen wird:
Auf dich haben sie gewartet
Und warum immer ich?
Keiner wird es mir danken
Weil da niemand mehr durchsieht
sondern höchstens noch mehr kaputtgeht
Weil jedes Schlechte
vielleicht auch sein Gutes hat
Weil es die Sache des Standpunktes ist
und überhaupt wem soll man glauben?
Weil auch bei den anderen
nur mit Wasser gekocht wird
Weil ich das lieber
Berufeneren überlasse
Weil man nie weiss
wie einem das schaden kann
Weil sich die Mühe nicht lohnt
weil sie alle das gar nicht wert sind"
Das sind die Todesursachen
zu schreiben auf unsere Gräber
die nicht mehr gegraben werden
wenn das die Ursachen sind.
Landschaftspfleger
Jeden Tag kommen neue Fakten über den Spenden-Sumpf auf den Tisch.
Alles wird zur Ware. Wer Geld hat, kann sich alles kaufen. Reiche sind
einflußreich.
Allerdings - der Sumpf ist nur die Spitze des Eisbergs, darunter liegen die
vielfältigen Verbindungen von kriminellen oder auch nichtkriminellen
Geschäften, die Entscheidungsträger beeinflussen sollen. Ab und zu kommt was
ans Licht, dann wandert auch mal ein Landrat oder ein Bürgermeister in den
Knast, wenn etwas über Schmiergelder bekannt wird.
Die Spendenskandale, die Praxis, Politiker zu kaufen, haben eine lange
Geschichte.
Beispiele: In den zwanziger Jahren kaufte der Großkonzern Stinnes Politiker.
Danach sprach man nur noch von der Stinnes-Republik.
Dann finanzierte das deutsche Großkapital Hitler.
In den 80er Jahren erschütterte der Flick-Skandal die Bundesrepublik, jetzt
sind es "Ander-Konten" und Schwarzen Kassen.
"Landschaftspflege" und "legale" Einflußnahmen überall. Wie wirds gemacht?
Beispiele: Vor Jahren gab die Frankfurter Flughafen AG eine Pressekonferenz
auf der Insel Mauritius. Journalisten wurden hingeflogen, bekamen was
erzählt und wurden wieder zurücktransportiert.
Persönlichkeiten des Flughafenumlandes wurden in die USA geflogen und
bekamen die Boeing-Werke gezeigt.
Die US-Air Base flog noch vor wenigen Jahren mehrmals Bürgermeister nach
Kreta (auch Brehl war dabei). Dort konnten sie urlauben und gleichzeitig dem
Raketen-Schießen zu sehen.
Auch die Lufthansa versucht, die Stimmung der Anwohner des Frankfurter
Flughafens mit Geldgeschenken zu erkaufen. Die "Fasanerie" in Hanau kriegt
dann schon mal zwei Elche und der Kindergarten in Ginsheim einen Scheck über
DM 10.000.-. (Ob die Lufthansa auch ein Herz für Kinder hat, die nachts
aufgrund des Fluglärms nicht einschlafen können ist nicht bekannt.)
Das alles sind zwar nur "Peanuts" gegen die heutigen Skandale und schwarze
Kassen, aber immerhin! Landschaftspfleger sind auch hier am Werk!
Die Stunde der Wahrheit
Kurz vor Ende der Flughafen-Mediationsrunde werden offenbar die Weichen für den Ausbau gestellt. Anders kann man die Meldung in der Frankfurter Rundschau (13.12.99) nicht werten.
Um was geht es? Am 10.12.99 tagte die 99 Köpfe zählende Regionalversammlung im Frankfurter Römer. In der FR: ...die SPD (mit 43 Sitzen größte Fraktion) stimmte zähneknirschend einem Kompromißvorschlag von CDU und FDP zur Frage des Flughafenausbaus zu. ... Die Regionalversammlung wirft mit diesem Beschluß ihr 1985 getroffenes Leitziel über Bord, das noch im Entwurf des neuen Regionalplans drin war: Ein Ausbau des Flughafens soll nur innerhalb des Zaunes stattfinden. Die Regionalversammlung überläßt die Entscheidung möglicher Ausbauvarianten dem Mediationsverfahren und der Landesregierung. Sie verzichtet damit auf regionalplanerische Vorgaben und gibt den Zaun quasi frei.
Drei Sozialdemokraten und die Grünen stimmten dagegen. Die Vertreter, des von einer evtl. Flughafenerweiterung besonders betroffenen Kreises Groß-Gerau, Inge Auer (rechte Hand des Bürgermeisters Brehl) und Baldur Schmitt (Erster Beigeordneter) stimmten zu. Bei den 35 CDU-Ja-Stimmen war auch Rudi Haselbach. In der Presse war zu lesen, die SPD-Zustimmung sei zähneknirschend geschehen.
Ohne diesen Vorgang ausführlich kommentieren zu wollen, muß man doch sagen: vor den Sozialdemokraten steht die Stunde der Wahrheit. In Kürze ist Mediationsende. Bürgermeister Brehl und Stadtverordnetenvorsteher Kurt Oeser sind von ihrem selbstauferlegten Schweigegelübde entbunden. Sie können sich einbringen in die mittlerweile rings um den Flughafen entstandene kommunale Abwehrfront gegen eine Flughafenerweiterung.
Wenn politische Aussagen gelten, kann ihre Entscheidung nur eindeutig ausfallen.
Am 18. November 1997 wurde auf einer Bürgerversammlung in Mörfelden eine Resolution angenommen, in der es u.a. heißt: Wir werden alles tun, damit es nicht erneut zu einer Flughafenerweiterung kommt. (Alle anwesenden sozialdemokratischen Mandatsträger stimmten zu.)
Am 27. 11. 1997 hat die SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Mörfelden-Walldorf einen Antrag vorgelegt in dem es u.a. heißt: Die Vorstellung, daß in unserer hochbelasteten Region noch eine weitere Start- und Landebahn möglich sei, ist eine Zumutung. Eine Umsetzung dieser Vorschläge zerstört den Frieden in der Region. Wer nach den äußerst konfliktreichen Auseinandersetzungen um die Startbahn 18 West wieder gegen die Interessen der Menschen vor Ort handeln will, hat aus der Geschichte nichts gelernt. Im Gegenteil setzt er sich in zynischer Weise über die Belastungen der Flughafenanwohner hinweg. Die Geschäftsinteressen von Fluggesellschaften können und werden nicht der einzige Maßstab für die Entwicklung der Region sein.
Bleibt anzumerken, die zu erwartenden Stellungnahmen erhalten in der Region eine nicht zu unterschätzende Bedeutung: in einem Jahr sind Kommunalwahlen und auch Bernhard Brehl will erneut als Bürgermeister-Kandidat antreten.
Rudi Hechler
Das Ende?
Über 5 Millionen Steuergeld hat sie gekostet, die Mediation. Jetzt geht sie zu Ende und man darf fragen, was hat sie jenen gebracht, die keine weitere Flughafenerweiterung wollen?
Zweifellos wurden in der Mediationsrunde Untersuchungen angestellt, die sonst nicht gemacht worden wären. Aber, müßten solche Untersuchungen bei Großprojekten nicht gesetzlich vorgeschrieben sein und von jenen bezahlt werden, die Großbauten wollen?
Deutlich wurde aber ein anderer Aspekt der Mediation: Wichtige Leute im Umland, dabei solche, von denen man immer noch annehmen muß, sie seien gegen den Ausbau, wurden plötzlich stumm. Sie nährten damit die Illusion, aus der Mediation könnte doch etwas Vernünftiges herauskommen. So gesehen hat der selbstverordnete Mediations-Maulkorb, gerade auch in unserer Stadt, die Herausbildung des politischen Widerstands behindert.
Aber nun wird es wirklich ernst. Die Landesregierung und die FAG machen Druck. Sie operieren mit ihren Erfolgszahlen. 1997: 392.000 Flugbewegungen, 1998: 415.000 Flugbewegungen, 1999: 439.000 Flugbewegungen. Was für die einen der Erfolg, wird für die Flughafenanwohner zum Martyrium.
Höchste Zeit, daß nicht nur bei den Bürgerinitiativen gegen den Ausbau protestiert wird.
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